Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 


- Anzeige -

“Versicherer sind keine Zockerbuden”

16.01.2017 – immo_querner_talanxInvestments in Infrastrukturprojekte stehen bei Versicherern hoch im Kurs. Doch entsprechende Kapitalanlagen unterliegen strengen Regeln, erklärt Talanx-Finanzvorstand Immo Querner im Exklusivinterview mit der Versicherungswirtschaft. Die Anzahl der ausgeschriebenen Projekte sei zudem sehr begrenzt, und längst nicht jedes Angebot lohnend. Bei einem Durchschnittsinvestment von 50 Mio. Euro müsse man rund 500 Angebote durchleuchten.

VWheute: Fehlt es deutschen Versicherern grundsätzlich an Risikobereitschaft im Investment Management?

Immo Querner: Nein. Aufgrund der Verantwortung, die wir als Unternehmen für unsere Versichertengemeinschaft tragen, unterliegt die Kapitalanlage der Versicherer strengen Regeln. Versicherungsgesellschaften sind keine Zockerbuden. Die Struktur der Anlageportfolien leitet sich insbesondere aus den passivseitigen Verpflichtungen, den regulatorischen Rahmenvorgaben, Liquiditätsanforderungen und produktbezogenen Versprechen gegenüber den Kunden ab.

Auch wenn es zwischen den deutschen Versicherungsgesellschaften in ihren Geschäftsmodellen, ihrer Risikoausstattung und den internen Steuerungsprozessen sicherlich Unterschiede gibt, so spiegeln Struktur und Risikogehalt der Kapitalanlage die gestellten Anforderungen und ihre Verantwortung wider.

Die Talanx-Gruppe agiert grundsätzlich im Rahmen eines definierten Risikoappetits: Es gehört zu unserer auch im Aktionärsinteresse explizit formulierten Risikopolitik, nicht mehr als 50 Prozent unseres Risikokapitals auf Kapitalanlagerisiken im weiteren Sinne anzuwenden und die anderen 50 Prozent auf Versicherungsrisiken.

VWheute: Ob Energie-Parks, Immobilien, Flug- und Seehäfen oder Infrastrukturprojekte. Seit einigen Jahren greift Talanx verstärkt auf alternative Investments zurück. Wie groß ist die Ertragskraft, aber auch das Risiko solcher Projekte?

Immo Querner: Alternative Investments bieten uns in Zeiten niedriger Zinsen die Möglichkeit einer langfristigen Kapitalanlage mit einer attraktiven Rendite bei einem überschaubaren Risiko. Die erzielbaren Anlageergebnisse im Bereich Infrastruktur variieren je nach spezifischem Projekt. Insgesamt aber erwarten wir uns aus den bereits getätigten Investments eine durchschnittliche Rendite von fünf bis sechs Prozent.

VWheute: Teilen Sie die Kritik, dass es am Standort Deutschland an den richtigen Projekten mangelt?

Immo Querner: Ja. Die Anzahl der ausgeschriebenen Projekte ist sehr begrenzt, und längst nicht jedes Angebot ist lohnend. Die Erfahrung lehrt uns, dass wir nur bei jedem fünften Projekt zum Zuge kommen. Bei einem Durchschnittsinvestment von 50 Millionen Euro pro Projekt müssen wir rund 500 Angebote durchleuchten.

Insofern begrüßen wir jegliche Anstöße aus Richtung der Politik, private Investitionen zu ermöglichen. Die Versicherungsindustrie ist gerade als Partner für Infrastrukturvorhaben prädestiniert, denn wir können aufgrund unserer langlaufenden Verbindlichkeiten auch über lange Zeiträume finanzieren. Zudem können wir ein großes Maß an Professionalität beitragen, um die Projekte im Zeit- und Budgetplan abzuwickeln.

Im Ausland wird diese Kompetenz privater Investoren bereits vermehrt gesehen und geschätzt. In Irland haben wir beispielsweise schon Gerichtsgebäude und Kliniken finanziert. Von diesen Ansätzen könnte sich die deutsche Finanzpolitik durchaus eine Scheibe abschneiden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Das vollständige Interview mit Immo Querner über den Risikohunger im Asset-Management lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managamentmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Immo Querner, Finanzvorstand der Talanx (Quelle: Talanx)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten