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Versicherer spielen Monopoly in Züricher Bahnhofstraße

19.04.2017 – Zurich_Nacht_by_benyfoto_pixelioDie Bahnhofstraße im Herzen von Zürich ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Züricher Finanzplatz und die Renommierstraße sind gemeinsam groß geworden. Nun holt die Finanzkrise auch diese Einkaufsmeile ein. Die Banken verkaufen ihre Liegenschaften. Offensichtlich profitieren die Versicherer davon.

Die Auswirkungen der Krise hallen selbst nach zehn Jahren noch nach. Jahrelang kursierten Gerüchte über Exzesse an der weltbekannten Einkaufsmeile. Von explodierenden Mieten und hohen Schlüsselgeldern war die Rede. Es schien fast, als wären internationale Ketten bereit, für ein Verkaufslokal an Zürichs erster Adresse beliebige Summen auszugeben, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet.

Diese Zeiten sind nun vorbei, wie Branchenkenner sagen. Prominentes Beispiel ist das ehemalige Franz-Carl-Weber-Haus. Seit dem Auszug des Spielwarengeschäfts Anfang 2017 wird bis Ende des Jahres planmäßig umgebaut. Wer dann folgt, ist noch offen. Die neue Besitzerin Swiss Life hat für die Flächen noch keine Verträge abschließen können. Seit 2015 sind die Mieten für die Retail-Flächen an Zürichs Top-Einkaufsstraße rückläufig. Von durchschnittlich 9.700 Franken pro Quadratmeter und Jahr im letzten Quartal 2015 sanken sie schrittweise auf 9.000 im vierten Quartal 2016.

Allerdings hatte die Finanzkrise an der Bahnhofstraße noch einen anderen Effekt. Die Banken verkaufen ihre Liegenschaften, während die Versicherungen zugreifen.

Versicherungen kaufen Banken-Immobilien auf

Einer der ganz großen Profiteure dieser Entwicklung ist die Swiss Life, mittlerweile die größte Liegenschaftsbesitzerin an der Bahnhofstraße. Die Versicherer suchen nach Anlagen, die langfristige und stabile Erträge bieten. So erwarb die Axa von der CS die Bahnhofstraße 53 und die Swiss Life von der ZKB die Nummern 17 und 13. Die Hochpreisphase der letzten Jahre nutzten übrigens auch etliche private Besitzer für den vorteilhaften Verkauf ihrer Liegenschaften. Die Käufer waren vielfach Versicherungen.

Natürlich sind die Folgen der Finanzkrise nur ein Faktor, der den Geschäftsgang an der Bahnhofstraße beeinflusst. Aber ein wichtiger, wie David Bosshart, CEO des Gottlieb-Duttweiler-Instituts (GDI) sagt. Konkret meint er den hohen Frankenkurs, der bewirkt, dass Herr und Frau Schweizer gern über die Grenze nach Singen oder Konstanz zum Shoppen fahren.

Auch der Trend hin zu internationalen Ketten ist anscheinend nicht aufzuhalten. Dies dürfte nun auch dem traditionsreichen Warenhaus Manor zum Verhängnis werden. Swiss Life hat nach dem Auslaufen des langjährigen Mietvertrags die Miete dem Marktniveau angepasst, was in Zürich hohe Wellen schlug. Gegenwärtig stehen die Kontrahenten wegen des Mietvertrags vor Gericht. Kritiker warnen vor einer Verödung der Bahnhofstraße und werfen ein, Manor bringe Frequenzen, die auch den anderen Läden nützten.

Alain Baumgartner
von Swiss Life hält dieser Warenhaus-Romantik nackte Zahlen entgegen. Die Marktmiete sei heute dreimal höher als das, was Manor bezahle. Kundenbefragungen zeigten ferner, dass die meisten Bahnhofstraße-Besucher dort gar nicht für den täglichen Bedarf einkaufen wollten, sondern vielmehr ein “besonderes Einkaufserlebnis” suchten. Die Bahnhofstraße wird also künftig noch mehr den anderen High Streets der globalen Metropolen ähneln und die gleichen Boutiquen aneinanderreihen wie die 5th Avenue, die Champs Elysée oder die New Bond Street. (vwh/wo)

Bild: Zurich (Quelle: benyfoto / PIXELIO / www.pixelio.de)

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