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Umbau der Generali ist beschlossene Sache

28.09.2017 – gebaeude_muenchen_generaliDer grundlegende Umbau der Generali in Deutschland ist weitestgehend beschlossene Sache. Damit kann einer der größten Deals in der Branche der letzten Jahre umgesetzt werden. Nachdem der Verwaltungsrat des Mutterkonzerns gestern Abend grünes Licht für die Pläne von Deutschland-Chef Giovanni Liverani gegeben hat, werden heute Nachmittag in einer Infoveranstaltung in München die rund 2.800 Mitarbeiter des Exklusiv-Vertriebs informiert.

Auch die DVAG-Mitarbeiter werden zeitgleich durch Vorstandschef Andreas Pohl in Dagobertshausen bei Marburg auf die Übernahme eingestimmt. In einer adhoc-Meldung heute Morgen berichtet der Konzern über Details. Der Relaunch der Generali in Deutschland lässt kaum einen Stein auf dem anderen. Einer der wichtigster Punkte betrifft den Verkauf des gesamten Exklusiv-Vertriebs an die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG), mit sechs Millionen Kunden, 3.400 Direktionen und Geschäftsstellen sowie Beitragseinnahmen von 1,31 Mrd. Euro der größte Allfinanzvertrieb in Deutschland.

Die Ausschließlichkeits-Organisation der Generali besteht überwiegend aus freien Handelsvertretern nach §84 HGB. Rund 700 von ihnen haben noch einen Angestellten-Status aus alten Volksfürsorge-Zeiten. Auch ihnen soll ein Handelsvertreter-Vertrag angeboten werden, andernfalls droht eine betriebsbedingte Kündigung. Die Verhandlungen über einen Sozialplan sollen zeitnah aufgenommen worden. Läuft alles nach Plan, kann der Deal bis Mitte des nächsten Jahres, spätestens zum Jahresende realisiert sein.

Der ehemalige Außendienst der Generali wird dann Produkte der Generali-Töchter AachenMünchener Lebensversicherung AG und AachenMünchener Versicherung AG verkaufen. Beide Gesellschaften werden zukünftig unter dem Namen Generali auftreten. Die Aachen Münchener Leben hat sich in den letzten Jahren zu einer der erfolgreichsten deutschen Lebensversicherer entwickelt und nahm 2016 knapp fünf Mrd. Euro an Beitragseinnahmen ein.

Nach Angaben der DVAG will die Generali zunächst “eine neue Gesellschaft gründen, die 2018 von der DVAG übernommen wird – spiegelbildlich zur [...] Integration des Ausschließlichkeitsvertriebes der AachenMünchener in die Allfinanz Deutsche Vermögensberatung AG im Jahr 2008.

Generali Versicherung AG soll mit AachenMünchener verschmelzen

Für die Generali Versicherung AG, den Unfall-und Schadenversicherer, hat ebenfalls die letzte Stunde geschlagen. Die Gesellschaft wird mit der Schwester-Gesellschaft AachenMünchener Versicherung AG verschmolzen. Beide Unternehmen zusammen kommen dann auf Beitragseinnahmen von 3,1 Mrd. Euro und steigen damit zu den größten Gesellschaften am deutschen Markt auf. Für die Dialog Leben, den Maklerversicherer der Generali-Gruppe, die sich zu einem der größten Risikoversicherer in Deutschland gemausert hat, fällt im Rahmen der Neustrukturierung auch etwas ab. Hier soll eine neue Dialog-Sachgesellschaft gegründet werden, die das Maklergeschäft der (alten) Generali Versicherung AG übernimmt. Dorthin sollen auch die Bestände übertragen werden. Die Dialog Lebensversicherung ist bereits heute reiner Maklerversicherer.

Damit gibt die Generali zu erkennen, dass sie weiterhin am Geschäft mit freien Vermittlern interessiert ist, während für die DVAG Maklergeschäft schon immer obsolet war. Gravierende Veränderungen ergeben sich auch für die AdvoCard Rechtsschutzversicherung AG und die Central Krankenversicherung AG. Beide Unternehmen sollen organisatorisch in die Generali Versicherung, bzw. die Generali Leben, eingebunden werden. In den Direktversicherer Cosmos Direkt wird die Generali investieren. Der Online-Versicherer wird sein Angebot in den Segmenten Komposit, Krankenversicherung und Rechtschutz ausbauen. Damit werde das Unternehmen laut der Generali der erste Direktversicherer sein, der ein solch “breites Produktportfolio” anbietet und direkt auf die “Millennials” ausgerichtet ist.

Der Umbau hat zudem einen positiven, aber auch einen negativen Nebeneffekt: Die Generali mit ihrer deutschen Konzernführung, wird in München bleiben. Sie macht sich mit diesem gravierenden Umbau schlanker und transparenter. Aber auch die Streichung von über 1.000 Arbeitsplätzen im Konzern dürfte die Folge sein. Vor allem im Vertriebsressort mit seinen 400 Innendienst-Mitarbeitern werden weitestgehend die Lichter ausgehen. Auch der Standort Hamburg mit vielen Lebensversicherungs-Angestellten soll nach Angaben der Gewerkschaft Verdi gefährdet sein. Hier bleibt abzuwarten, was die Sozialplan-Verhandlungen ergeben werden.

Wie wird die Lebentochter in den “Run-off” geschickt?

Die Generali-Lebensversicherung wird den Gang in den Run-off antreten müssen, dieser soll im ersten Quartal 2018 erfolgen. Eine zukünftige Veräußerung des Bestandes wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Der Schritt soll die Ansprüche der Kunden sichern und zugleich “substanziell das Risiko fallender Zinsen für die Generali” reduzieren. Die Risikokapitalrendite werde verbessert und eine Steigerung der Solvabilitätsquote der Generali Group um 1,7 Prozentpunkte sowie der Generali Deutschland um 26 Prozentpunkte ermöglicht, schreibt der Versicherer. Einen Hinweis auf die Situation der Angestellten erfolgte nicht.

Vor diesem Hintergrund erhalten die Personalien-Meldungen der letzten neun Monate möglicherweise eine ganz andere Qualität. Erst verabschiedete sich Ende 2016 Monika Sebold-Bender. Im April 2017 ließ die Nachricht aufhorchen, dass der langjährige Finanzchef Torsten Utecht ausscheidet. Die Tonalität der Verlautbarung darüber sprach Bände. Utecht soll den Umstrukturierungsplänen sehr skeptisch gegenüber gestanden haben. Inzwischen hat auch Personalchef Ulrich C. Nießen die Segel gestrichen, gefolgt vom Bereichsvorstand für die unabhängigen Vertriebspartner, Olaf Engemann. Außerdem ging Risikomanagerin Nora Gürtler als Leiterin der weltweiten Konzernrevision nach Italien. Auch Claudia Andersch, Chief Insurance Officer, hat die bayerische Metropole in Richtung Wiesbaden verlassen, um dort das gesamte Lebensversicherungsgeschäft der R+V zu verantworten.

Mit Christoph Schmallenbach (weiterhin VV AachenMünchener) als Chief Business Officer Exklusivvertrieb und David Stachon (weiterhin VV CosmosDirekt Versicherungen), Chef Business Officer Digital und Unabhängige Vertriebe, gibt es künftig zwei Vertriebsressorts. Jochen Petin (weiterhin VV Central Krankenversicherung) übernimmt das neue Ressort des Chief Insurance Officer Health. Peter Heise (weiterhin Leben-Vorstand der AachenMünchener) wird Chief Insurance Officer Life. Ulrich Rieger (weiterhin Komposit-Vorstand der AachenMünchener) ist künftig auch Chief Insurance Officer P&C. Milan Novotny wird neuer Chief Risk Officer. Stefan Lehmann (Chief Financial Officer), Rainer Sommer (Chief Operating Officer) und Robert Wehn (Chief HR-Officer) führen ihre Ressorts wie bisher weiter. (wo)

Nachträgliche Änderungen (vwh/mv). Die Änderungen sind durch kursive Schrift gekennzeichnet.

Bildquelle: Generali Deutschland

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