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Thofern: “Kooperation mit Start-Ups durchaus möglich”

25.09.2017 – jan-oliver_thofernDas Maklerunternehmen Aon Benfield ist für Kooperationen mit Insurtech-Start-Ups grundsätzlich offen. Dies betonte der Vorsitzende Jan-Oliver Thofern im Gespräch mit VWheute. Im Vordergrund der Beratung stehen schwerpunktmäßig die Themen Risiko-Management und Vertrieb. Zudem seien “Start-Ups eher ein Katalysator in der Branche, der Veränderungen in Gang setzt”.

VWheute: Warum brauchen Versicherungsgesellschaften Ihre Unterstützung als Rückversicherungsmakler?

Jan-Oliver Thofern: Wir helfen den Versicherungs-Unternehmen dabei, die individuell sinnvollste Rückversicherungs-Struktur für ihr Unternehmen und ihre Kapitalstruktur zu finden und zu marktkonformen Preisen umzusetzen. Das ist im Übrigen unabhängig von der Größe des Versicherers. Erfreulicherweise stellen wir fest, dass der Nutzungsgrad unseres Angebots steigt.

VWheute: Womit beschäftigen Sie sich inhaltlich?

Jan-Oliver Thofern: In aller Regel geht es um das Thema Risiko-Management. Bis vor etwa zehn Jahren haben wir uns darauf beschränkt, Risiken zu bewerten und dann zu transferieren. Heute werden wir viel häufiger von Gesellschaften eingeschaltet, wenn es um die generelle Frage geht, ob der Versicherer bestimmte Risiken überhaupt ökonomisch werthaltig übernehmen kann.

Ein Beispiel dafür sind Terrorrisiken – sehr aktuell ist das Thema Cyberrisiken. Die Gesellschaften werden zunehmend mit Risiken konfrontiert, die sie selbst nicht bewerten können. Hierbei können wir unterstützen.

VWheute: Was sind beim Thema Risiko die größten Herausforderungen unserer Zeit?

Jan-Oliver Thofern: Die größte Herausforderung für die Branche besteht darin, mehr Risiken in den privaten Versicherungsmarkt zu überführen. Häufig sehen wir, wie zuletzt bei den Hurrikan-Schäden in den USA, dass staatliche Lösungen nicht den Erwartungen genügen. Ich sehe die Bedeutung von Versicherungen und Rückversicherungen in den nächsten Jahren deutlich wachsen. Wir haben noch nie in einer solch gefährlichen Zeit gelebt wie heute. Das bietet aber eben auch Chancen für die Branche.

VWheute: Wie bewerten Sie die “Run-off”-Aktivitäten in der Lebensversicherung?

Jan-Oliver Thofern: Die Umsetzung der “Run-off”-Modelle ist hierzulande im Vergleich zu angelsächsischen Ländern nicht ganz so einfach. In Deutschland steht der Verbraucherschutz im Vordergrund. Deshalb werden keine finanzakrobatischen Modelle, sondern nur nachhaltig belastbare Lösungen, zugelassen.

VWheute: Welche Erkenntnisse aus dem Klimawandel kann Aon aus den eigenen Katastrophenmodellierungen gewinnen?

Jan-Oliver Thofern: Aus den Modellierungen selbst relativ wenig. Beim Klimawandel sprechen wir über langfristige Zeithorizonte. Die Rohdaten, die wir erhalten, um Schadenszenarien zu modellieren, beinhalten allerdings bereits Veränderungen durch den Klimawandel. In den Schadentrends können wir sehr wohl ablesen, dass die Frequenz und auch die Intensität von Schäden ansteigen.

VWheute: Manager und Aufsichtsräte werden bei Schieflagen im Unternehmen immer stärker zur Verantwortung gezogen. Gibt es daher im D&O-Markt noch ausreichend Zeichnungs-Kapazitäten?

Jan-Oliver Thofern: Die persönliche Haftung von Mandatsträgern nimmt stetig zu. Deshalb ist auch das Interesse an D&O-Versicherungskonzepten in den Unternehmen stark wachsend. Wir verfügen über umfangreiche Erfahrungen in der Konzeption und Umsetzung von Erst- und Rückversicherungs-Produkten in allen Bereichen des D&O-Marktes. Es gibt ausreichend Zeichnungs-Kapazitäten, auch im internationalen Markt. Das wirkt sich vorteilhaft auf die Prämiengestaltung aus.

VWheute: Wird in Deutschland das Cyber-Risiko immer noch unterschätzt?

Jan-Oliver Thofern: Aus meiner Sicht haben die Versicherer inzwischen das Cyber-Risiko auf der Portfolio-Ebene im Griff. Auf der anderen Seite sollte aber auch das Eigenrisiko des Versicherungsunternehmens nicht unterschätzt werden. Neue, digitale Geschäftsmodelle führen dazu, dass die Angriffsflächen für Attacken deutlich zunehmen.

VWheute: Halten Sie die Insurtech-Start-Ups für eine ernsthafte Bedrohung der Branche?

Jan-Oliver Thofern: Ich halte die Start-Ups eher für einen Katalysator in der Branche, der Veränderungen in Gang setzt. Ein Bedrohungspotenzial kann ich derzeit noch nicht erkennen. Diese jungen Unternehmen werden den Digitalisierungsprozess in der Branche beschleunigen und mehr Kundenorientierung erzeugen.

Dafür gibt es bereits einige gute Beispiele. Wenn ein Unternehmen mit einem interessanten Konzept auf uns zukäme, könnte ich mir eine Beteiligung oder Kooperation sehr gut vorstellen. Eine ganze Reihe von Anbietern war auf ihrer Fund-Raising-Tour auch schon bei uns, um ihre Modelle vorzustellen. Wir sind da sehr aufgeschlossen.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Jan-Oliver Thofern (Quelle: Aon)

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