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Solvenzquote: Versicherer liegen wohl im Soll

23.05.2017 – solvency_fotoliaDie 350 deutschen Versicherer haben gestern erstmals fristgerecht ihre aktuelle Kapitalquote offengelegt. Ersten Einschätzungen nach liegen wohl alle Unternehmen im Soll. Dennoch sind die Daten erwartungsgemäß nur bedingt aussagekräftig. “Ein Unternehmensvergleich allein auf Basis der Bedeckungsquoten ist daher wenig aussagekräftig”, betont Axel Wehling, Mitglied der GDV-Geschäftsführung.

So warnen der Branchenverband und die Bafin bereits davor, eine Rangliste anhand der neuen Daten aufzustellen. Zwar kündigte die Finanzaufsicht nun an, sich jetzt einen Überblick verschaffen zu wollen. Allerdings wollen die Aufseher erst Anfang Juni eine Einschätzung abgeben, wie es um die Branche wirklich steht.

Ende März 2016 hatten noch drei Lebensversicherer die kritische Solvabilitätsquote von 100 Prozent trotz Übergangsregeln gerissen. Hier gab die Bafin nun zunächst Entwarnung: “Die Probleme der betroffenen Unternehmen sind gelöst”, betonte Exekutivdirektor Frank Grund gegenüber dem Tagesspiegel. “Wir gehen davon aus, dass diesmal alle Lebensversicherer die Solvenzquote nach Solvency II einhalten”, glaubt der oberste Versicherungsaufseher.

Mehr Vertrauen durch Solvenzberichte?

Und dennoch: “Das Thema soll trotz seiner hohen Komplexität nicht nur von Spezialisten diskutiert werden können. Denn die Qualität privater Altersvorsorge geht alle an”, betont Henning Kühl, Chefaktuar bei Policen Direkt. Vielmehr sieht der Versicherungsmathematiker in der quartalsweisen Berichterstattung eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme.

“Die neue quartalsweise Berichterstattung wird Teil unseres Risikomanagements”, betont Kühl. “Denn garantiert aussagekräftige Ratings und Vergleiche wie sie etwa Fitch, Standard & Poor’s, Moody‘s oder Assekurata bieten, sind in der Regel freiwillig und werden oftmals nur von den Versicherern bestellt, die mit guten Ergebnissen rechnen”, ergänzt der Chefaktuar von Policen Direkt.

Zudem könne die Veröffentlichungspflicht für mehr Transparenz und Vertrauen bei den Versicherten sorgen, glaubt der Experte. “Man kann auch über die Quoten geteilter Meinung sein. Wir verfolgen hier jedoch einen pragmatischen Ansatz und analysieren eben die Zahlen, die uns alle Unternehmen zur Verfügung stellen müssen”, erläutert Kühl.

Gleichzeitig will das Unternehmen nach eigenen Angaben auch aktuell auch weiterhin die Policen aller Anbieter kaufen, “auch von den Versicherern, die kein Eigengeschäft mehr zeichnen. Denn wir gehen davon aus, dass alle Lebensversicherer ihre Leistungsversprechen erfüllen. Das wollen wir auch in Zukunft guten Gewissens tun und begrüßen daher, dass alle Versicherer über ihre Finanzstabilität Auskunft geben müssen. Insofern macht die Kennzahl für uns wie für alle Kunden Sinn.”

Big Player zeigen sich solvent

Die großen Player der Branche betonen in ihren Bilanzberichten jedenfalls ihre Kapitalstärke. So gab die Allianz Leben eine Solvabilitätsquote von 379 Prozent an. Bei Allianz Private Krankenversicherungs-AG betrug diese 345 Prozent und bei der Allianz Versicherungs-AG 245 Prozent. Die Ergo Leben kommt auf 328 Prozent, die Victoria Leben auf 683 Prozent. Allerdings haben beide Unternehmen Gebrauch von Übergangsmaßnahmen gemacht.

Auch die Generali gab am Montag die Solvenzquoten ihrer Tochterunternehmen bekannt. Spitzenreiter war die Dialog mit einer Quote von 683 Prozent vor der Cosmos Leben mit 542 Prozent, während die Lebensparte der AachenMünchener eine Quote von 504 Prozent aufweist. Schlusslichter sind demnach die Generali Leben mit einer Kapitalquote von 169 Prozent vor der AachenMünchener Versicherung AG mit 163 Prozent.

Über dem geforderten Limit liegen demnach auch die Solvenzquoten der Konzerngesellschaften der Alte-Leipziger Hallesche mit 289 Prozent (Alte Leipziger Leben), 677 Prozent (Hallesche) und 260 Prozent (Alte Leipziger Sach). Die R+V gab am Montag für die Lebensparte eine Quote von 410 Prozent und für den R+V-Konzern von 182 Prozent an. Zudem gab die LV 1871 eine Solvenzquote von 401 Prozent an.

Bereits am Freitag gab die Swiss Life Deutschland eine Solvenzquote von 391 Prozent ohne Übergangsmaßnahmen bekannt. Etwas besser stehen die beiden Rückversicherer Munich Re mit 267 Prozent und die Hannover Rück mit 230 Prozent da. Die HanseMerkur gab einen Wert von rund 300 Prozent an, die VHV eine Quote von 320 Prozent. Die Huk gab eine Solvenzquote von 335,6 Prozent bekannt. Für ihren Lebensversicherer meldete die Gruppe einen Wert von 282 Prozent. (vwh/td)

Link: Die bisherigen Solvenzberichte um Überblick

Bildquelle: Fotolia

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