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Setzen Versicherer bald auf Open Banking?

06.06.2017 – mariusz_janczewski_comarchVon Mariusz Janczewski, IT-Berater im Bereich Versicherungen bei Comarch. Inzwischen kann nahezu jeder Anbieter eine eigene Online- bzw. Mobile-Banking-App entwickeln. Dabei können letztlich Anwendungen entstehen, die zwar von den ursprünglichen abweichen, dafür aber gezielte Kundenbedürfnisse aufgreifen. Beim Open Banking geht es nicht um zukunftsweisende Prognosen, sondern um konkrete Projekte und Produkte.

So erhalten die Bankkunden bspw. Zugriff auf Anwendungen, die keine reinen Transaktionsprogramme sind, sondern etwa Alarmmeldungen bei einer Kreditlimitüberschreitung versenden oder eine Zusammenführung und Auswertung der Anlagen ermöglichen. In den letzten Jahren sah sich die Finanzbranche durch den regelrechten Ansturm revolutionärer Technologien unter Druck gesetzt.

Schwerpunkte von Treffen und Gesprächen in der Branche waren neue Auflagen, damit verbundene erforderliche Anpassungen, bevorstehende Änderungen und die daraus resultierenden Kostensteigerungen. Häufig hat man den Eindruck, dass sich solche Marktturbulenzen regelmäßig wiederholen und man sich einfach daran gewöhnen bzw. entsprechend anpassen muss.

Im Grunde sollte diese Notwendigkeit zur Anpassung ganz selbstverständlich für uns werden. Zudem kann es sich lohnen, vorgegebene, das Geschäft oft erschwerende Richtlinien als eine Chance für die Neukundengewinnung und Kundenbindung zu nutzen.

Ein Beispiel hierfür ist die EU-Zahlungsdiensterichtlinie “PSD2″, engl. Payment Service Directive 2. Diese stellt die Banken vor weitere Herausforderungen, bringt aber zugleich zahlreiche Vorteile für die Verbraucher, die schon bald von niedrigeren Transaktionskosten und kürzeren Abwicklungszeiten der Transaktionsvorgänge profitieren werden. Während die vorangehende Richtlinie nur Zahlungsinstitute zuließ, gestattet die aktuelle Richtlinie auch den Einsatz dritter Zahlungsdienstleister.

Angesichts dieser Situation stehen die Bankinstitute nun vor der Wahl: entweder klagen und empören sie sich über den erneuten Versuch, ihnen das Geschäft schwer zu machen, oder sie suchen aktiv nach einer Möglichkeit, diese Änderung in einen Vorteil umzumünzen. In letzterem Fall könnten sie sich der Welle der Veränderung anschließen und vielleicht sogar die Spitze übernehmen. Ein Beispiel für eine solche Vorgehensweise ist die Entstehung und Weiterentwicklung des Konzepts Open Banking.

Bankinstitute müssen sich öffnen

Obwohl das Bankwesen ein konservativer und durch zahlreiche Richtlinien streng regulierter Bereich ist, hat es sich relativ schnell auf neue Technologien eingelassen. So ist das internetbasierte oder mobile Online-Banking heute eine Selbstverständlichkeit. Dies war jedoch nicht immer so: Für sehr lange Zeit war das Bankwesen sehr verschlossen, um sowohl die eigenen Interessen als auch die der Kunden zu schützen. Die Digitalisierung und Richtlinien wie PSD und PSD2 haben neue Rahmenbedingungen geschaffen, die die Banken gleichermaßen unter Druck gesetzt haben, sich zu öffnen. Natürlich ist damit nicht gemeint, dass vertrauliche Daten jedem jederzeit bereitgestellt werden sollen. Datenschutz und die Sicherheit von Bankdaten haben für Banken nach wie vor oberste Priorität.

Bei dem Konzept einer offenen Bank geht es darum, die Nutzung von API-Schnittstellen zu ermöglichen. Darauf muss die vorhandene IT-Infrastruktur entsprechend vorbereitet werden. Somit wird die Bank, die Kunden identifiziert und authentifiziert sowie Transaktionen durchführt, zugleich zu einer Zugangsplattform für Kunden, die unterschiedliche Programme verwenden. Durch die Freigabe von Programmierschnittstellen können Banken ihr Dienstleistungsportfolio an die Anforderungen eines breiten Empfängerkreises anpassen.

Die API-Schnittstellen können inner- oder außerhalb einer Bank entwickelt werden. Inzwischen kann nahezu jeder Anbieter eine eigene Online- bzw. Mobile-Banking-App entwickeln. Dabei können letztlich Anwendungen entstehen, die zwar von den ursprünglichen abweichen, dafür aber gezielte Kundenbedürfnisse aufgreifen. So erhalten die Bankkunden bspw. Zugriff auf Anwendungen, die keine reinen Transaktionsprogramme sind, sondern etwa Alarmmeldungen bei einer Kreditlimitüberschreitung versenden oder eine Zusammenführung und Auswertung der Anlagen ermöglichen.

Beim Open Banking geht es nicht um zukunftsweisende Prognosen, sondern um konkrete Projekte und Produkte. Zu den Banken, die offene API-Schnittstellen anbieten, gehören Crédit Agricole (eine französische Bank, die seit 2012 einen eigenen App Store betreibt, Vorreiter von Open Banking), BBVA, AXA Banque, Capital One, Fidor Bank und Banco Sabbadell.

Wann können wir mit “offenen Versicherungen” rechnen?

Seit dem im letzten Jahr veröffentlichten Artikel über die Verwendung von API-Schnittstellen in der Versicherungsbranche gab es leider keine bahnbrechenden Informationen. Das heißt aber nicht, dass solche Schnittstellen nicht in der Versicherungsbranche existieren. Momentan werden sie vorrangig intern zur Verarbeitung und Übermittlung von Daten zwischen den einzelnen Prozessen und Abteilungen von Versicherungsagenturen verwendet. Immer häufiger kommen API-Lösungen zwischen Versicherungsunternehmen und ihren Partnern zum Einsatz.

Zu diesen zählen hauptsächlich Versicherungsvertreter (darunter auch Versicherungsvergleichsportale) sowie externe Dienstleister in der Schadensabwicklung. Eine weitere Kategorie API-basierter Versicherungslösungen sind Programme für die Risikobewertung und Prävention, die auf unternehmensexterne, öffentliche Daten wie Wetter-, Karten- oder Fahrzeugdaten zugreifen.

API-Schnittstellen an sich sind also vorhanden, aber nicht öffentlich zugänglich. So werden Projekte branchenintern durchgeführt, ohne die Spezifikationen und Anforderungen der Programmierschnittstellen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Frage ist: Möchte jemand außerhalb der Versicherungsbranche Anwendungen für Versicherungsunternehmen programmieren? Freiwillige würden sich sicherlich finden. Vielleicht würden dabei Versicherte, Geschädigte oder sonstige Kunden sogar auf Ideen kommen, die langjährigen Mitarbeitern in der Versicherungsbranche niemals einfallen würden.

Bild: Mariusz Janczewski (Quelle: Comarch)

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