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R+V: “Run-off brauchen wir nicht”

21.03.2018 – norbert_rollinger_bilanzpk_rundv_td“Wir hatten ein neues Rekordjahr für die R+V. Soviel Umsatz und Gewinn hatten wir noch nie, und soviel Kunden hatten wir noch nie”. Auf diesen kurzen Nenner brachte R+V-Vorstandsvorsitzender Norbert Rollinger die Jahresbilanz des Wiesbadener Versicherers. Dennoch bestimmen die aktuellen Themen wie Run-off oder die Zukunft des autonomen Fahrens das Geschäft.

So machte Vorstand Claudia Andersch im Rahmen der Bilanzpressekonferenz der R+V unmissverständlich klar: “Einen Run-off brauchen wir nicht”. Vielmehr lege man den Fokus auf den Kunden, bei dem man nach wie vor noch einen “sehr hohen Bedarf an klassischer Absicherung” sehe. “Rund 60 Prozent unserer Kunden haben sich für eine klassische Absicherung entschieden. Übrigens ist sein sehr großer Bestandteil davon auch in der betrieblichen Altersvorsorge”, betonte die frühere Generali-Managerin.

Zudem halte man gerade in der bAV auch weiterhin an Garantien fest. Dennoch scheinen auch alternative Vermögensanlagen eine zunehmende Rolle zu spielen. Demnach sollen die Kunden im Rahmen der Privatrente IndexInvest vor allem von der Entwicklung in des Euro Stoxx 60 profitieren. Zielgruppe seien dabei vor allem Kunden, “die durchaus bereit sind auch mehr ins Risiko, die mehr profitieren wollen von der Entwicklung der Aktienmärkte und mehr Transparenz haben wollen”, erläuterte Rollinger.

Dennoch machten sich die aktuellen Entwicklungen in der Lebensversicherung auch in den Bilanzen des vergangenen Jahres bemerkbar. So verzeichnete allein die R+V Lebensversicherung AG, der größte Lebensversicherer der R+V, im abgelaufenen Geschäftsjahr einen leichten Rückgang bei den Beitragseinnahmen auf 4,975 Mrd. Euro (2016: 5,072 Mrd.). Der Vertragsbestand sank ebenfalls leicht auf 4,215 Millionen Verträge (2016: 4,258 Millionen).

Auch bei der R+V Lebensversicherung a.G. fiel der Beitragsrückgang im vergangenen Jahr recht deutlich aus: Insgesamt 172 Mio. Euro (2016: 224 Mio.) standen am Jahresende in den Geschäftsbüchern. Demgegenüber blieb der Vertragsbestand mit 56.000 (2016: 55.000) weitgehend stabil.

Neue Höhenflüge in der Kranken- und Kompositsparte

Deutlich positiver verlief hingegen die Geschäftsentwicklung nach Angaben der R+V in der Kranken- sowie der Kompositsparte. So stiegen die gebuchten Bruttobeiträge beim Krankenversicherer der R+V im vergangenen Jahr auf rund 551 Mio. Euro (2016: 507 Mio.). Die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle stiegen hingegen ebenfalls deutlich auf 251 Mio. Euro (2016: 236 Mio.).

Zudem waren zum Jahresende rund 974.000 Menschen (2016: 884.000) bei der R+V krankenversichert, was vor allem auf einen deutlichen Zuwachs bei den Krankenzusatzversicherungen zurückzuführen war. Gleichzeitig ging die Zahl der Vollversicherten im letzten Jahr leicht auf 60.239 (2016: 60.341) zurück.

In der Schaden- und Unfallsparte stiegen die gebuchten Bruttobeitragseinnahmen konzernweit ebenfalls um 3,8 Prozent auf insgesamt 5,611 Mrd. Euro (2016: 5,406 Mrd.). Demgegenüber stiegen die Versicherungsleistungen gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um 3,8 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro. Dabei stieg allein auch der Aufwand für Elementarschäden laut R+V um rund zehn Prozent. So schlug das Jahr 2017 beim Wiesbadener Versicherer mit rund 115.000 Elementarschäden (2016: 77.000) zu Buche.

Konzernweit verbuchte R+V im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Beitragsplus von 3,9 Prozent auf 15,338 Mrd. Euro (2016: 14,767 Mrd.). Zudem verzeichnete der Wiesbadener Versicherungskonzern im letzten Jahr einen neuen Rekordgewinn von 795 Mio. Euro (2016: 682 Mio.), einem Plus von 16,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

“Friederike”: Eines der größten Unwetter in der der Konzerngeschichte

Allerdings machte auch Sturmtief “Friederike” der R+V zu Jahresbeginn gehörig zu schaffen: Rund 47.000 gemeldete Schäden schlugen mit einem Schaden von rund 88 Mio. Euro zu Buche. Damit gelte “Friederike” als eines der größten Unwetterereignisse in der Geschichte des Konzerns.

Dennoch zeigte sich Konzernchef Rollinger mit dem Jahresauftakt 2018 durchaus zufrieden. So stiegen die Beitragseinnahmen (HGB) in den ersten beiden Monaten des Jahres auf 3,957 Mrd. Euro (2016: 3,694 Mrd.), einem Plus von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei will die R+V in diesem Jahr zudem die magische Marke von einer Million Versicherungskunden in der Krankensparte knacken, so der R+V-Chef.

Mehr Mitarbeiter trotz Digitalisierung

Dabei will die R+V in den kommenden Jahren hohe Summen in die Digitalisierung stecken, darunter unter anderen eine transparentere Schadenbearbeitung sowie ein Schadentracking im Kundenportal der R+V. Zudem soll es nach Unternehmensangaben auch eine neue Auszahlungsplattform in Kooperation mit Optiopay geben.

Außerdem setzt die R+V verstärkt auch auf die Videoberatung durch die Außendienstmitarbeiter. Die Bilanz aus Sicht des Versicherers: Rund 1.000 Beratungsgespräche mit einem Vertragsabschluss von 49 Prozent. Weitere 45 Prozent der Kunden hatten laut Unternehmen einen weiteren Beratungstermin vereinbart. Immerhin: Die “Videoberatung ist euer Rettungsboot”, schrieb der scheidende Vertriebsvorstand Heinz-Jürgen Kallerhoff seiner Mannschaft ins Stammbuch.

Gleichzeitig zeigt sich Rollinger davon “überzeugt, dass sich das autonome Fahren durchsetzen wird, weil es einfach wesentlich sicherer ist als von Menschen gefahren”. Zudem glaube man “an das autonome Fahren. Wir wollen auch mehr wissen zum autonomen Fahren”, betonte der R+V-Chef. Dennoch glaubt er nicht daran, dass die Kfz-Versicherer durch autonome Fahrzeuge in Zukunft nicht obsolet werden.

“Uns wird das Geschäft nicht ausgehen, selbst wenn sich das autonome Fahren durchsetzt”, gibt sich Rollinger optimistisch. Auch wenn die Unfallzahlen in den vergangenen Jahrzehnten durch entsprechende Assistenzsystemen deutlich zurückgegangen sei, “werden wir auch als Versicherer beim autonomen Fahren weiterhin im Rennen bleiben”, prognostizierte der R+V-Chef.

Mit Blick auf die eigenen Testreihen mit autonomen Fahrzeugen zog Rollinger zudem eine positive Bilanz. “Inzwischen sind wir rund 1.100 Kilometer gefahren. Bei uns hat es keinen Zwischenfall gegeben, keinen Verletzten, keinen Toten, wir haben über 1.000 Personen befördert und wir haben eine hohe Akzeptanz”, konstatierte der R+V-Chef. Demzufolge soll nach Angaben der R+V in Kürze eine Straßenzulassung erfolgen (siehe POLITIK & REGULIERUNG).

Einem möglichen Horrorszenario eines Stellenabbaus durch die Digitalisierung trat Rollinger im Rahmen der Bilanzpressekonferenz konsequent entgegen. So gebe “die positive Entwicklung dem Konzern die Möglichkeit, in eine moderne Unternehmenskultur und in Zukunftsthemen zu investieren”, so Rollinger.

Digitalisierung erfordert Veränderungsbereitschaft bei Mitarbeitern

So habe man allein im vergangenen Jahr etwa 220 neue Mitarbeiter eingestellt. In diesem Jahr kamen weitere 130 neue Beschäftigte hinzu. Denn: “Nur mit motivierten Mitarbeitern werden wir diesen anspruchsvollen Wandel in die digitale Welt leisten können. So planen wir keinen Stellenabbau, sondern investieren in die Zukunft”, betonte Rollinger.

Dabei seien die Neueinstellungen “querbeet in allen Bereichen” geplant, ergänzte Rollinger. Allerdings setze er auch darauf, dass die bisherigen Mitarbeiter “mit in die Zukunft genommen werden. Wir bauen darauf, dass die Mitarbeiter keine Angst haben vor der Digitalisierung, sondern dass wir sie mit in die neue Welt hinein nehmen. Dies erfordert von den Mitarbeitern aber natürlich auch eine Veränderungsbereitschaft. Und diese versuchen wir zu fördern, so dass sie einfach positiv in die Zukunft schauen”. (td)

Bild: R+V-Vorstandschef Norbert Rollinger präsentiert die Jahresbilanz 2017. (Quelle: td)

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