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Pimco: “Kapitalerhalt steht an erster Stelle”

08.08.2017 – frank_witt_pimcoEinst galt Pimco als Sorgenkind der Allianz. Nun scheint die US-Investmenttochter des Münchener Versicherers den Turnaround geschafft zu haben. Frank Witt jedoch tritt auf die Bremse. Im Exklusiv-Interview mit VWheute spricht der Deutschlandchef von Pimco über die große Bewährungsprobe an den Finanzmärkten und kluge Anlagestrategien.

VWheute: Politische Unsicherheiten, regulatorischer Druck, niedrige Zinsen. Versicherer befinden sich in einem komplizierten Investment-Umfeld. Wie nehmen Sie die aktuelle Risikolandschaft wahr?

Frank Witt: In der Tat stellt das Kapitalmarktumfeld alle Investoren vor große Herausforderungen. Der Trend zu Niedrigzinsen ist aber keineswegs neu und die Erträge bei Anleihen und Aktien waren in den vergangenen Jahren in vielen Segmenten trotz der zunehmenden Niedrigzinsproblematik durchaus erfreulich. Dies haben wir aber vor allem der aggressiven Geldpolitik zu verdanken, die Renditen und Risikoprämien tiefer drückte als man wohl vor zehn Jahren noch für möglich gehalten hätte und im Umkehrschluss Anleihen- und auch Aktienkurse höher trieb.

Die Erträge der letzten Jahre haben wir auf diese Weise gewissermaßen zu Lasten des künftigen Ertragspotenzials vorgezogen. Wir bewegen uns nun in einer Situation mit hohen und immer angespannteren Bewertungen an Aktien- und Anleihemärkten. Wir bei Pimco rechnen zwar nicht mit einer unmittelbar bevorstehenden Korrektur, aber die globale Konjunktur steuert auf viele kritische Wendepunkte zu, zu allererst in der Geldpolitik, aber auch in der Handels- und Fiskalpolitik und nicht zuletzt auf geopolitischer Ebene.

Die Unsicherheit nimmt also weiter zu und auf Sicht der nächsten fünf Jahre schätzen wir die Rezessionswahrscheinlichkeit auf 70 Prozent. Und wenn es dazu kommt, dann haben die politischen Entscheidungsträger und die Zentralbanken nur noch begrenzten Spielraum, um gegenzusteuern. Mit anderen Worten: Kommt die Rezession, könnte sie schmerzhafter werden als erwartet. Und besonders Risikoanlagen könnten dann unter Druck geraten.

VWheute: Mit welchen Worst-Case-, mit welchen Best-Case-Szenarien rechnen die Analysten im Hause Pimco?

Frank Witt: Unser Basisszenario ist zunächst eine Fortsetzung des bereits seit mehr als acht Jahren anhaltenden konjunkturellen Aufschwungs. Wir rechnen zudem nicht mit einem sprunghaften, starken Anstieg der langfristigen Zinsen. Wir denken, dass die Notenbanken – allen voran die US-Notenbank Fed – nur sehr vorsichtig und behutsam die Zinsen erhöhen und ihre Bilanzen bereinigen werden, sprich Anleihenkäufe zurückfahren.

Eines der Risiken ist sicher, dass eine zu aggressive Geldpolitik die Konjunktur abwürgen könnte. Dann würden wie bereits gesagt wohl neben Aktien auch Anleihen schwächerer Schuldner unter Druck geraten. Läuft die Konjunktur dagegen deutlich besser als erwartet und es kommt Inflationsdruck auf, könnten die Zinsen doch stärker steigen als erwartet und die Kurse langlaufender Anleihen nachgeben. Inflationsschutz und Schutz vor steigenden Zinsen stünden dann an erster Stelle.

VWheute: Fehlt es deutschen Versicherern grundsätzlich an Risikobereitschaft im Anlagebereich? Welche Rolle spielt die Politik?

Frank Witt: Die Versicherer haben sich unabhängig von regulativen Vorschriften als sehr gewissenhafte und auf nachhaltige, langfristige Erträge konzentrierte Anleger präsentiert. Das Kompetenzniveau im Versicherungsbereich ist ausgesprochen hoch und die Versicherungsindustrie ist in vielen Bereichen einer der Vorreiter bei der Identifikation von Marktchancen sowie der Konstruktion und der Einführung neuer Anlagelösungen.

Denken Sie nur an Stichworte wie Infrastruktur oder Private Debt, wo die Versicherungsindustrie wichtige Impulse gab und geradezu als Treiber neuer Entwicklungen im Asset Management angesehen werden kann. Wenn es etwa darum geht, über alternative Risikoprämien nachzudenken, sind die Asset-Management-Experten von Versicherern sicher auf dem aktuellsten Stand der Diskussion.

VWheute: Was ist aktuell wichtiger: Weniger Risiko oder mehr Rendite?

Frank Witt: Wir denken, dass im von uns erwarteten Umfeld Kapitalerhalt an erster Stelle stehen sollte. Das ist auch offensichtlich, da sich das Risikoprofil insgesamt asymmetrisch darstellt: Bei einem Leitzins und Bundrenditen nahe oder gar unter null ist das Ertragspotenzial begrenzt, zugleich lassen sich Verluste nur sehr schwer abfangen. Am Ende geht es ja oft darum, eine angestrebte Zielrendite mit einem angemessenen und möglichst geringen Risikoeinsatz zu erreichen. Das zu bewerkstelligen, macht ja gerade die Kompetenz eines guten Asset-Managers aus. Und wir als aktiver Manager mit umfassender globaler Expertise im Anleihenmarkt sehen uns hier gut aufgestellt, etwa beim aktiven Management von Zinsänderungsrisiken und der Erzielung von Mehrerträgen gegenüber dem allgemeinen Marktdurchschnitt.

VWheute: Pimco scheint Krisen endgültig hinter sich gelassen zu haben. Als Vermögensverwalter der Allianz haben Sie die Bilanz des Konzerns genauso aufpoliert wie das Geschäft des Versicherers mit Leben- und Krankenpolice. Worauf führen Sie den Aufschwung zurück?

Frank Witt: Die Performance, die wir für unsere Kunden erzielten, war kontinuierlich auf einem hohen und stabilen Niveau. Die Mittelabflüsse, die wir ab 2013 sahen, waren ja in erster Linie durch den Führungswechsel und den Abgang des Firmenmitbegründers bedingt. Wir hatten aber immer darauf hingewiesen, dass wir einen sehr robusten Anlageprozess haben der von einem großen und erfahrenen Team umgesetzt wird.

Kein großer Vermögensverwalter kann es sich leisten, von einigen wenigen Portfolio-Managern abhängig zu sein. Nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hatte, haben die Kunden dann auch wieder auf die Performance geschaut und festgestellt, dass die stabil war und die relative Performance sogar zugelegt hatte. Die Mittelzuflüsse der letzten Quartale zeigen: Langfristig gute Anlageergebnisse sind der Schlüssel zum Erfolg.

VWheute: Was sind die künftigen Kernziele und -aufgaben?

Frank Witt: Aus taktischer Anlagesicht glauben wir, dass die große Bewährungsprobe an den Finanzmärkten noch aussteht und darauf bereiten wir uns in der Anlagestrategie vor. Wir haben uns in der Vergangenheit gerade dann hervorgetan, wenn es an den Märkten schwierig wurde. Wir glauben zudem, dass Anleihelösungen auch in der Zukunft den wichtigsten Baustein eines langfristig ausgerichteten Portfolios darstellen werden.

Wir sind als Anleihenmanager groß geworden und werden auch weiterhin für erstklassige Anlagelösungen im Anleihenbereich stehen. Allerdings ist der Rentenmarkt komplexer geworden und hat heute weitaus mehr Nuancen als früher. Wir haben sehr erfolgreich unsere Expertise genutzt, um für unseren Kunden Zugang zu alternativen Risikoprämien in Fixed Income Bereich zu bieten, das sind teilweise private Anlagevehikel, teils liquide alternative Anlagen. Wir möchten unseren Kunden ein Partner sein auf der Reise in einem weiterhin herausfordernden Anlageumfeld. Und wir glauben, dass wir dazu erstklassig aufgestellt sind.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Bild: Frank Witt, Managing Director bei Pimco Deutschland. (Quelle: Pimco)

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