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Milliarde im Visier: Hannover Rück übersteht Debbie

11.05.2017 – Hannover Rueck Zentrale - quelle Hannover RueckBei der Swiss Re schlug Wirbelsturm “Debbie” mit 350 Mio. Dollar zu Buche, bei Munich Re mit 100 Mio. Euro. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück muss dafür nur 50 Mio. Euro an Schadenkosten einplanen. Damit sieht CEO Ulrich Wallin das Gewinnziel von mehr als eine Mrd. Euro am Jahresende nicht gefährdet. Konkurrent Deutsche Rück überzeugte vor allem bei den Bruttobeitragseinnahmen. Sie stiegen um 9,1 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro.

Der Jahresüberschuss der Deutschen Rück lag mit 14,5 Mio. Euro auf Vorjahresniveau. Die Eigenmittel vor Gewinnverwendung stiegen um 13 Mio. Euro auf 511,9 Mio. Euro. Ein Überangebot an Rückversicherungskapazität drückte weiterhin auf Preise und Bedingungen. Neben den über alle Sparten hinweg gestiegenen Beitragseinnahmen trug auch eine gesunkene Bruttoschadenquote zum erfreulichen Geschäftsverlauf bei. Sie verbesserte sich von 62,3 Prozent auf 58,1 Prozent. Aufgrund des gestiegenen Prämienvolumens und des insgesamt günstigen Schadenverlaufs verbesserte sich die versicherungstechnische Rechnung vor Veränderung der Schwankungsrückstellung noch einmal deutlich. Diese stieg im Jahr 2016 auf einen Gewinn von 11,2 Mio. Euro.

Alle Rückversicherer kämpfen mit dauerhaft niedrigen Zinsen, niedrigen Eintrittsbarrieren in den Markt und einer hohen Wettbewerbsintensität. Viele Erstversicherer sitzen auf dicken Kapitalpolstern und gehen selbst lieber ein größeres Risiko ein, statt sich rückzuversichern. Zusätzlich mussten im ersten Quartal die großen Player mit einer größeren Großschadenlast zurechtkommen. Doch der Wirbelsturm “Debbie” hinterlässt bei Hannover Rück kaum Kratzer, weil die Hannoveraner sogar mit einer noch höheren Großschadensbelastung kalkuliert hatten. Unter dem Strich verdiente man sechs Mio. Euro weniger, ein starkes Wachstums aus der Schadenrückversicherung führte aber zur einer deutlichen Steigerung der konzernweiten Prämieneinnahmen um 6,6 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro.

Die Personen-Rückversicherung wiesein Minus von 1,7 Prozent auf 1,73 Mrd. Euro auf. Weiter zugenommen hat laut Wallin die Nachfrage nach Cyber-Deckungen sowie solvenzentlastenden Rückversicherungslösungen. Das versicherungstechnische Ergebnis in der Schaden-Rückversicherung hat sich leicht um 9,6 Prozent  auf 90.7 Mio. Euro verschlechtert. Der Grund lag in der auf 133,7 (Vorjahr: 55,5) Mio. Euro gestiegenen Nettogroßschadenbelastung, die allerdings noch immer deutlich unter dem einkalkulierten Quartalsbudget lag. Größter Einzelschaden war mit 50 Mill. Euro der Zyklon Debbie in Australien. Die Schaden-/Kostenquote erhöhte sich auf 95,6 (94,7) Prozent. Belastend wirkt auch die drastische Absenkung des Abzinsungsatzes für Abfindungszahlungen aus Personenschäden infolge eines Autounfalls durch die britische Regierung, die bei der Hannover Rück bislang eine Nachreservierung von 126 Mio. Euro erforderte.

Sonderdividenden begeistern Aktionäre mehr als Aktienrückkäufe

In der Personen-Rückversicherung macht das US-Mortalitätsgeschäft alter Zeichnungsjahre wegen der oberhalb der Erwartung liegenden Streblichkeit weiterhin Sorge. “Die Kunden sollen länger leben”, kommentierte Wallin. Die Verluste dürften in Zukunft jedoch kleiner werden. Weiter sehr positiv entwickelte sich laut Wallin das Ergebnis aus selbstverwalteten Kapitalanlagen, das um 13,2 Prozent auf 320 Mio. Euro zulegte, und dies ohne Auflösung von stillen Reserven wie bei der Munich Re. Die annualisierte Rendite lag mit 3,1 Prozent spürbar über dem Zielwert von 2,7 Prozent. In den ersten drei Monaten fielen vor allem höhere Erträge aus privatem Beteiligungskapital und Immobilien an. Dank der „sehr zufriedenstellenden“ Kapitalerträge hat sich der Konzernüberschuss im 1. Quartal nur um 2,4 Prlozent auf 264,8 Mio. Euro verringert. Er liegt damit nur leicht unter dem außerordentlich hohen Vorjahreswert, wie Wallin betonte.

Der Konzernchef stellte auf der Hauptversammlung eine Sonderausschüttung in Aussicht, um den Anstieg des Eigenkapitals über den Bedarf hinaus zu begrenzen. Nicht ohne Grund, denn das Eigenkapital hat in den ersten Monaten weiter zugenommen, und zwar um 3,6 Prozent auf 9,3 Mrd. Euro. Aktionärsvertreter begrüßten die Sonderdividenden. Sie halten diese Maßnahme für besser als einen Aktienrückkauf. An der härteren Konkurrenz um Risikokapital von seiten der Hedgefonds sieht Wallin keinen entscheidenden Nachteil für die Branche. Er räumte zudem ein, dass die Hannover Rück als erste Retrozessionen auf dem Kapitalmarkt plaziert hat und so die Fonds mit ins Boot geholt hat. Alles im allen gab es auf der Hauptversammlung kaum Kritik an dem Vorstand, dafür aber viel Lob für die “Super-Performance”. Zufrieden sind die Aktionäre auch mit der Rendite, bei der die Hannover Rück den großen Konkurrenten in München überholt hat. (cs/dg)

Bild: Firmenzentrale der Hannover Rück (Quelle: Hannover Rück)

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