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Mapfre mit Millionengewinn und Prämienproblemen

11.01.2018 – neujahr_mapfre_cptMapfre Global Risks lud zum Neujahresempfang: Ignacio Baeza, CEO von Mapfre Global, präsentierte einen Gewinn und Chief Risk Management Officer Chris Smith erklärte, warum das Prämien durchsetzen derzeit schwierig ist. Lutz Kalkofen, Global Head of Corporate Insurance, Hochtief AG, sprach zum Thema der Public Private Partnerships (PPP), die eine Herausforderung sowohl für Bauwirtschaft als auch die Assekuranz seien.

Baeza nannte per Ende des dritten Quartal 2017 eine Bruttoprämie der Gruppe von 18 Mrd. US-Dollar bei 445 Mio. US-Dollar Gewinn. Das entspricht einer Steigerung zum Vorjahr in Höhe von 5,5 Prozent beziehungsweise 22 Prozent. In Sachen Ergebnis habe es im vierten Quartal aufgrund von Naturkatastrophen einen Rückschlag gegeben.

Smith, CRMO International, Chief Risk Management Officer, prophezeite allmähliche Ratenerhöhungen bei der Rück- und Industrieversicherung. “Die Lage ist keinesfalls deprimierend, aber die Erhöhungen werden sich über das Jahr 2018 hinziehen.” Im Rahmen einer langfristig orientierten Strategie sei Mapfre dabei in London weitere Aviation Underwriter einzustellen. In Deutschland sehe sich Mapfre nicht als anonymer Kapazitätsbringer sondern wolle sich profilieren und sei auch gerne bereit zu investieren. Zwar galt die Veranstaltung den industriellen und gewerblichen Leistungen von Mapfre, jedoch fokussiert der spanische Versicherer auch auf das deutsche Privatkundengeschäft. Er erwarb vor drei Jahren für 550 Mio. Euro die Direct Line Bestände in Deutschland und Italien, und firmiert in Deutschland insofern nunmehr als Verti Versicherung AG.

PPP als Anlagelösung

Das Unternehmen Hochtief gehört seit 2011 zur Grupo ACS, ist also ebenso wie Mapfre letztlich spanisch beherrscht. Mapfre ist einer der Anbieter von Baurisiken-Deckungen mit der Fähigkeit sich auch an komplexen PPP-Projekten zu beteiligen und arbeitet regelmäßig mit Hochtief zusammen.

Unter PPP versteht man die zumindest temporäre Übertragung staatlicher Infrastrukturaufgaben an private Unternehmer. Derartige Arrangements sind für meist zwischen zehn und 30 Jahre vorgesehen. Der betraute Unternehmer bedarf der langfristigen Finanzierung seiner anfänglichen Investitionen, möglichst ohne dass er selber in der Haftung stünde (non-recourse-basis).

Der Volljurist Kalkofen, ex Daimler und Willis Assekuranz, ist nebenher auch noch CEO des gruppeneigenen Vermittlers sowie der als Builders firmierenden luxemburgischen Erst- und Rückversicherungsgesellschaften Builders Direct S.A. und Builders Reinsurance S.A. Die Schwankungsrückstellung des vor 17 Jahren von Kalkofen gegründeten Rückversicherers soll auf Hunderte von Mio. Euro angewachsen sein. Beide luxemburgischen Gesellschaften weisen ein A-Rating von AM Best auf. In Luxembourg beschäftigt Hochtief 30 Personen.

An PPP Kategorien nannte Kalkofen:

  • Soziale Infrastruktur wie Stadien und Büros. Hochtief hat mehr als 100 Schulen errichtet, die über 90.000 Schülern beherbergen, auch das Polizeipräsidium in Aachen sowie ein Gefängnis (nur facility-management, nicht Wachpersonal) gehört zum Hochtief-PPP-Portfolio.
  • Transport (Straßen, Tunnel, Brücken). Großer Nachholbedarf besteht insbesondere in Entwicklungsländern aber auch in der entwickelten Welt. Hochtief betreut Teile der Autobahnen A4, A7, A8, aber auch Projekte in Griechenland und den Presidio-Parkway, eine Zufahrt zur Golden Gate Bridge in San Francisco und weitere Projekte in Australien und Kanada.

Traditioneller Ansatz von großen Bauunternehmen war design/build, das bedeutet, der Bauunternehmer arbeitet im Rahmen eines normales Auftragsverhältnis, der Bauherr bezahlt die Leistung und betreibt die fertige Infrastruktur.

PPP hingegen ist ein neuerer, den Bauunternehmen wesentlich stärker einbindender Ansatz. Dazu gehören Design, Finance, Construction, Operation und das über einen lifecycle, der 30 Jahre überschreiten kann. Gefordert wird jeweils eine integrierte Lösung, der Besteller möchte eine Investion ohne sofortigen von ihm zu erbringenden cash flow und gleichzeitige eine langfristige professionelle Projektbetreuung, die sich in wesentlich kürzeren Planungs- und Bauphasen und entsprechend reduzierten Kosten über die Projektdauer niederschlagen.

Zum Zweck der Strukturierung wird typischerweise eine Projektgesellschaft (SPV – special purpose vehicle) eingesetzt, in der sich eine Reihe privater Partner zu einem Konsortium zusammenfinden. Neben den Partnern finden sich auch noch sub-contractors, an die einzelne Projektabschnitte vergeben werden, jedoch behält das SPV die übergeordnete Verantwortung während des gesamten project lifecycle.

Verzögerungen, Kostenüberschreitungen und Unterhalt (maintenance) sind Risiken des SPV, welches lediglich auf Basis performance bezahlt wird, das heißt, künftige Zahlungen in der operativen Phase hängen von der Betriebsbereitschaft ab, jede Kapazitätsverknappung, etwa: eine Autobahnspur weniger, äußert sich in reduzierten Zahlen.

Dies gilt auch im Fall von über die Routine hinausgehenden Reparaturen. Ein aus dem Ruder laufendes Projekt kann zu erheblichen Ausfällen beim SPV führen. Bei Projekten, die voll bei der öffentlichen Hand angesiedelt sind trägt hingegen der Staat derartige Risiken.

In der Regel finden sich PPP im Investitionsbereich von mindestens einer halben Milliarde Euro, aber es sind Projektvolumina von über 2,5 Mrd. Euro möglich. Soziale Projekte hingegen bedeuten meist nur Investitionen zwischen 30 bis 300 Mio. Euro. Rund 60 Prozent der Kosten betreffen typischerweise die Bauphase -bis zu fünf Jahre – 40 Prozent die Finanz- und operative Phase, 25 bis 30 Jahre je nach Projekt.

Die meisten Risiken finden sich während der Bauphase, welche von hohen Versicherungssummen und dem Naturgefahreneinschluss geprägt wird. Die Operative Phase stellt hingegen keine besonderen Herausforderungen dar, abgesehen von Erdbeben, die ganze Autobahnprojekte zerstören können, so geschehen in Chile.

Zum risk-management eines SPV gehören vorausgeplante, transparente Abläufe. Hierdurch wird das Risiko beherrsch- und versicherbar, die verbleibenden Risiken sind Gegenstand spezifischer Versicherungsdeckungen:

  • Projektphase:
    • Builder’s risk
    • Contractors all risk
    • Haftpflicht
  • Operative Phase:
    • property
    • Haftpflicht

Beim risk-management und der Entscheidung über den Einkauf von Deckungen unterliegt das SPV einer strengen Kontrolle durch die Risikoberater der Projektinvestoren, lenders‘ insurance advisors , die sicherstellen, dass im Interesse der Kreditgeber in ausreichendem Umfang Versicherungsschutz eingekauft wird. Banken und Bond-Investoren bestehen auf niedrigen Selbstbehalten und umfassender Deckung bei externen Risikoträgern. Hieran scheitern häufig höhere Selbstbehalte beziehungsweise Selbstbehalte in Captives.

Auch in einer weiteren Hinsicht sind PPP Projekte für die Assekuranz von Bedeutung: Die im Rahmen derartiger Projekte emittierten Bons stellen alternative langfristige Investments mit vorhersehbaren und stabilen cash flows dar und sind ein Surrogat für niedriger verzinsliche Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit. Auch bereits bestehende PPP Projekte sind durchaus fungibel. Derzeit läuft das Bieterverfahren, das ein Netz an spanischen Autobahnen im Wert von 35 Mrd. Euro betrifft. Zu den Bietern gehört neben der italienischen Benetton Familie auch Hochtief.

Kritiker bezeichnen den PPP-Ansatz laut Kalkofen als eine “verhältnismäßig teure Form der Staatsverschuldung” was die von Investoren geforderte Kapitalverzinsung angeht. Kompensiert werde die von privaten Investoren georderte Rendite jedoch durch das Fehlen von ansonsten üblichen Kostenübersschreitungen von 15 bis 150 Prozent bei Abwicklung unter staatlicher Kontrolle. Des Weiteren durch die weit bessere Einhaltung der Zeitvorgaben, 65 Prozent weniger Zeitplan-Überschreitung) und die Möglichkeit, zwischen mehreren Wettbewerbern auszuwählen.

Kalkofen sieht die PPP-Debatte als eine politisch gefärbte Diskussion, gewisse Parteien begrüßten private Initiative, andere sähen sie als den eigenen ideologischen Vorstellungen widersprechend. (cpt)

Bild: Lutz Kalkofen, Global Head of Corporate Insurance, Hochtief AG (Quelle: cpt)

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