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Lebenskünstler Allianz: Wachsen, wo es kriselt

18.08.2017 – allianz_pk_akIn der Lebensversicherung enteilt Allianz Deutschland der Konkurrenz. Um satte 24 Prozent ist das Neugeschäft gestiegen, nachdem es 2016 wegen geringerer Einmalbeiträge zurückgegangen war. Im ersten Halbjahr stiegen die Gesamtumsätze um 7,8 Prozent auf 18,2 Mrd. Euro, in der Lebensparte um 13,2 Prozent auf 10,1 Mrd. Euro. Nur auf dem Kfz-Markt hechelt man erfolglos dem Erzrivalen Huk-Coburg hinterher.

2017 erreichten im Dax bislang neun Aktien ein neues Allzeit-Hoch, die Allianz-Aktie müsste ganze 54,3 Prozent noch gewinnen, um ihre Bestmarke vom 4. April 2000 zu schlagen. Doch der Konzern ist auf gutem Wege dahin, vor allem dank seiner Deutschland-Tochter, die fast ein Viertel zum gesamten Konzernumsatz beiträgt und in einer Sparte überrascht, die weltweit kriselt: der Lebensversicherung. Hohe Zinsen galten jahrelang als Argument für den Altersvorsorgeklassiker. 2016 haben die Deutschen 86,6 Mrd. Euro an Beiträgen für die private Lebens- und Rentenversicherung gezahlt.

Die Zinsversprechen in Altverträgen von bis zu vier Prozent können die meisten Versicherer jedoch inzwischen nicht halten. Die Allianz hatte als einer der ersten in Deutschland Alternativen zu lebenslangen Zinsgarantien angeboten. Doch selbst bei kapitalmarktnahen Lebens- oder Rentenversicherungen würden nach wie vor drei von vier Kunden auf ein Produkt setzen, das 100-prozentigen Beitragserhalt garantiere, erklärt die Allianz nach einer Auswertung von 50.000 Verträgen. “Die Kunden möchten Sicherheit für ihr eingezahltes Geld, sich aber gleichzeitig Chancen am Kapitalmarkt offenhalten”, sagt der Deutschland-Chef der Allianz, Manfred Knof. Einen Verkauf alter Lebensversicherungen hat das Allianz-Management immer ausgeschlossen.

Hoffnung liegt auf neuer Kfz-Versicherung

In der Unfall- und Sachversicherung – dazu zählt unter anderem die Kfz-Haftpflicht – fiel das Wachstum mit 1,8 Prozent auf 6,2 Mrd. Euro deutlich geringer aus. Der Kfz-Markt ist hart umkämpft, alljährlich wechselt eine Millionenschar von Autofahrern ihren Versicherer. 2016 ist der Bestand der Huk-Coburg um fünf Prozent auf 11,2 Millionen Fahrzeuge angestiegen, die Allianz verharrte im vergangenen Jahr unverändert bei 8,3 Millionen versicherten Autos.

Im Mai 2016 hat Deutschland-Chef Knof einen Telematik-Tarif (“Bonus-Drive”) für Fahrer bis 29 Jahre eingeführt. Man erhoffte sich 20.000 bis 25.000 Kunden im ersten Jahr, 21.000 sind es geworden. Rechnet man das erste Halbjahr 2017 hinzu, sind es inzwischen 31.500. Eine Ausweitung auf weitere Altersgruppen werde derzeit geprüft. Außerdem plant die Allianz rechtzeitig zur neuen Wechselsaison im Herbst, eine neue Autoversicherung in Deutschland einzuführen. Wachstumstreiber in der Sachversicherung sei erneut das Firmenkundengeschäft gewesen, zu dem auch AllSecur beigetragen habe: Die Tochterfirma ist mittlerweile drittgrößter Direktversicherer in der deutschen Kfz-Versicherung. Im Firmengeschäft sieht Allianz Deutschland auch viel Potenzial in der 2016 eingeführten Cyberversicherung.

Traditioneller Vertrieb bleibt erhalten, Online-Abschlüsse steigen

Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die Allianz-Deutschland-Tochter mit 1,2 Mrd. Euro operativ 3,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Ergebnis wuchs um 4,8 Prozent auf 910 Mio. Euro. Die Elementarschadenbilanz habe trotz der Unwetter “Paul”und “Rasmund” unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen. Insgesamt musste der Versicherer 270 Mio. Euro für Hochwasser- und andere Elementarschäden an seine Kunden zahlen. Die Schaden-Kosten-Quote von 94,2 Prozent konnte sich leicht verbessern (Vorjahr 94,3 Prozent). Die Beitragseinnahmen der Krankenversicherung erhöhten sich um 1,8 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Dabei legte sowohl der Umsatz mit Krankenvollversicherungen als auch mit Zusatzversicherungen zu. Letzterer unter anderem auch aufgrund der erfolgreichen Kooperation mit der AOK Baden-Württemberg.

Der Mutterkonzern investiert weltweit kräftig in die Digitalisierung. Ebenso die Allianz Deutschland, doch Knof will dabei den traditionellen Vertrieb über Versicherungsvertreter nicht aufgeben: Auf jeden Vertragsabschluss im Internet kommen laut Allianz zehn weitere Kunden, die über die Website einen Vermittler suchen und sich über diesen versichern. (dg)

Bild: Vorstandschef Manfred Knof und dessen Finanzvorstand Burkhard Keese. (Quelle: Alexander Kaspar)

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