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Kfz: Juristen und Versicherer streiten um Regulierung

30.11.2017 – Auffahrunfall-Schaden_Joerg Siebauer_pixelio.deDie Regulierung von Schäden gehört ja naturgemäß zu den ureigensten Aufgaben. Allerdings führt die finanzielle Höhe der Regulierung gerne mal zum Streitfall. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage unter 1.072 Verkehrsanwälten stehen nun besonders die Kfz-Versicherer in der Kritik. Der Vorwurf: ein zunehmend schlechteres Regulierungsverhalten.

Demnach gaben laut Umfrage 72 Prozent der befragten Anwälte an, dass sich das Regulierungsverhalten der Versicherer in den letzten fünf Jahren verschlechtert habe. Mehr als die Hälfte der Juristen (52 Prozent) sprechen sogar von einer deutlichen Verschlechterung. Lediglich vier Prozent sehen hingegen Verbesserungen, berichtet der Stern in seiner heutigen Ausgabe.

Huk Coburg erntet die meiste Kritik

Besonders in der Kritik steht dabei Marktführer Huk Coburg. Immerhin 68 Prozent der befragten Verkehrsjuristen berichten laut Umfrage von “häufigen” Problemen bei der Regulierung von Haftpflichtschäden. Dahinter folgen die VHV mit 46 Prozent sowie die Allianz mit 44 Prozent. Schlusslicht sei hingegen die Gothaer, bei der lediglich neun Prozent der Befragten von häufigen Problemen berichten.

Beim Thema Bearbeitungszeit schneidet laut Umfrage jedoch die Allianz am schlechtesten ab. So kritisieren 50 Prozent aller befragten Anwälte unangemessen lange Bearbeitungszeiten. Dahinter folgen die Gothaer mit 36 Prozent und die VHV mit 33 Prozent.

“Der Geschädigte kann nicht darauf vertrauen, dass ihm freiwillig das gezahlt wird, was ihm zusteht. Unsere regelmäßigen Umfragen zeigen, welche Versicherer hier besonders auffallen”, kommentiert Jörg Elsner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein, die Umfrageergebnisse. Zudem würde die Schadenregulierung der Versicherer, nicht nach juristischen, sondern nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt, lautet der Vorwurf.

GDV springt Kfz-Versicherern bei

Während sich die Allianz und die VHV gegenüber dem Stern nicht äußern wollten, betonte ein Sprecher der Huk Coburg: “Unsere Kunden beschweren sich seltener als marktüblich, und wir führen seltener Prozesse mit Kunden oder Anspruchstellern”. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) springt ebenfalls für die kritisierten Versicherer in die Bresche.

“Solche Konflikte sind selten und nicht häufiger als früher”, konstatiert der Branchenverband in einer Stellungnahme und verweist dabei auf eigene Zahlen. Demnach “werden in der Kfz-Haftpflichtversicherung über 97 Prozent der Schäden reibungslos und zur Zufriedenheit der Kunden reguliert. Der Anteil der Fälle, in denen es zum Prozess kommt, ist seit Jahren stabil und liegt bei 2,7 Prozent – die Einschätzung der Verkehrsanwälte kann sich also nur auf eben diese 2,7 Prozent der Fälle stützen”, heißt es beim GDV.

Und weiter: “In der Kaskoversicherung kommt es sogar zu fast gar keinen Prozessen – hier liegt der Anteil der reibungslos regulierten Schäden bei über 99,9 Prozent. Zufriedene Kundenstimmen bleiben in einer Anwaltsumfrage außen vor.”

schadenregulierung_gdv

Zudem seien “die Versicherer bei Haftpflichtschäden sogar gesetzlich verpflichtet, unberechtigte Ansprüche abzuwehren, um ihre Kunden zu schützen. Eine sorgfältige Prüfung der Haftpflichtansprüche dient sowohl dem Wohl des einzelnen Kunden als auch der Gesamtheit der Versicherten, die mit ihren Beitragszahlungen die Schäden tragen”. (vwh/td)

Bildquelle: Jörg Siebauer / PIXELIO (www.pixelio.de)

Grafikquelle: GDV

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