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Kampf gegen Klimafolgen: “Versicherer haben das nötige Risikokapital”

27.11.2017 – thomas_silberhorn_bmzDie Naturkatastrophen im zweiten Halbjahr dieses Jahres haben erneut die Bedeutung des Klimawandels für den Globus auf die Tagesordnung gebracht. “Insuresilience konzentriert sich auf arme, Klimarisiken ausgesetzte Menschen in Entwicklungsländern”, betont Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesentwicklungshilfeministerium, gegenüber VWheute.

VWheute: Wie lässt sich die Klimarisikoversicherung von anderen Versicherungen abgrenzen?

Thomas Silberhorn: Mit Klimarisikoversicherungen können sich Länder und einzelne Personen gegen die Folgen von extremen Wetterereignissen absichern. Das können Dürren sein, Überschwemmungen oder auch Wirbelstürme. Die Versicherungen sollen vor allem armen Personengruppen und Ländern zugutekommen, die großen Wetterrisiken ausgesetzt sind. Das können beispielsweise Kleinbauern in Sambia sein, die besonders stark vom Regen abhängen.

VWheute: Welche Motivation verfolgt Deutschland mit der Unterstützung des InsuResilience Ansatzes?

Thomas Silberhorn: Entwicklungsländer, darunter kleine Inselstaaten wie Fidschi, sind vom Klimawandel am stärksten betroffen. Deshalb ist es wichtig, dass die Betroffenen in unseren Partnerländern im Katastrophenfall schnelle und unbürokratische Hilfe erhalten.

Ein Beispiel: Die karibische Klimarisikoversicherung wird mithilfe von InsuResilience unterstützt. Zuletzt hat die Versicherung im September 2017 nach den verheerenden Auswirkungen der Wirbelstürme “Irma” und “Maria” in der Karibik mehr als 55 Mio. US-Dollar an zehn Länder innerhalb von 14 Tagen ausgezahlt. Damit war es zum Beispiel möglich, schnell dringend benötigte Medikamente zu kaufen und Notunterkünfte zu bauen.

VWheute: Welche Erwartungen hegen Sie, was die Unterstützung des erforderlichen Risikotransfers durch professionelle Rückversicherer angeht?

Thomas Silberhorn: Ohne entsprechende Absicherung bleibt das Armutsrisiko für Menschen in Entwicklungsländern hoch. Versicherungen können soziale Sicherungssysteme sinnvoll ergänzen. Künftig wollen wir noch viel stärker daran arbeiten, einen besseren Zugang zu Versicherungen zu ermöglichen. Wir fördern daher den fachlichen Austausch zwischen Politik, Versicherungswirtschaft und Zivilgesellschaft. Die Versicherungswirtschaft hat das nötige Risikokapital, kennt den Markt und hat Daten, die wir für die Entwicklung neuer Instrumente gut nutzen können.

Umgekehrt sehen wir auch ein großes Interesse bei der Versicherungswirtschaft, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die Wirtschaft engagiert sich schon heute massiv: Viele Investitionen werden von Versicherern selber getragen. Wir unterstützen dieses Engagement etwa durch Entwicklungspartnerschaften mit Versicherern und Rückversicherern. Der kürzlich ins Leben gerufene InsuResilience Solutions Fund wurde genau für diesen Zweck entwickelt.

VWheute: Welche Anforderungen an Nachhaltigkeit bestehen bei den individuellen InsuResilience-Projekten?

Thomas Silberhorn: InsuResilience konzentriert sich auf arme, Klimarisiken ausgesetzte Menschen in Entwicklungsländern. Für sie werden individuelle, an ihren Bedürfnissen ausgerichtete Versicherungsprodukte entwickelt. Mit der Versicherung als solcher sollen aber auch andere Leistungen einhergehen, die die Versicherungsnehmer dabei unterstützen, sich besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen – im Fall von Dürren beispielsweise die Umstellung auf dürreresistentes Saatgut oder die Nutzung von Bewässerungsanlagen.

VWheute: Geht es bei InsuResilience um Public-Private Partnerships unter Einbindung der lokalen Assekuranz oder den Aufbau nationaler staatlicher Bürokratien?

Thomas Silberhorn: Uns ist die Einbindung des lokalen Versicherungssektors sehr wichtig. Leider ist die lokale Assekuranz nicht immer stark genug ausgeprägt. Zudem fehlt es oft an regulatorischen Rahmenbedingungen für die Versicherer. Auch hier setzt InsuResilience mit seinen Partnern an – zum Beispiel im Rahmen der “Access to Insurance Initiative”, die darauf abzielt, den Zugang zu Versicherungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern. Die auf der Weltklimakonferenz in Bonn vom Bundesentwicklungsministerium und anderen gestartete Globale Partnerschaft für Klimarisikofinanzierung und Versicherungslösungen ist ein weiteres Beispiel.

Ziel der neuen Partnerschaft ist es, Regierungen in die Lage zu versetzen, schneller und gezielter nach einer Naturkatastrophe reagieren zu können und mögliche Folgekosten zu minimieren. Entwicklungsländer sollen aber auch dabei unterstützt werden, sich besser auf die vom Klimawandel und von Naturkatastrophen ausgehenden Risiken vorzubereiten, indem sie beispielsweise Saatgutvorräte angelegen oder Notfallpläne erstellen. Die deutsche Entwicklungspolitik unterstützt die Partnerschaft mit rund 110 Mio. Euro.

VWheute: Für InsuResilience sind derzeit 550 Mio. Dollar durch Geberländer zugesagt, vom BMZ 190 Mio. Euro. Wie werden diese Mittel eingesetzt?

Thomas Silberhorn: InsuResilience unterstützt derzeit 19 Programme in über 60 Ländern, die alle Bereiche der Versicherungsmarktentwicklung umfassen. Dabei arbeiten wir mit sehr unterschiedlichen Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen. Einige dieser Länder verfügen kaum über Analysen zu ihrer Risikoexposition, andere Länder wissen bereits jetzt genau, welche Versicherungsprodukte entwickelt werden müssen.

Für manche lokalen Versicherungsunternehmen sind Klimarisikoversicherungen ein neues Geschäftsfeld, andere möchten bestehende Angebote in diesem Bereich ausbauen. Der Einsatz der Mittel ist daher individuell an das jeweilige Programm angepasst.

Die Fragen stelle VWheute-Korrespondent Philipp Thomas.

Bild: Thomas Silberhorn ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. (Quelle: BMZ)

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