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Ideal: “Wir sind selbst Insurtech”

17.07.2017 – Jacobus_IdealDie neuen digitalen Marktteilnehmer in der Versicherung sieht Rainer M. Jacobus gelassen. Im exklusiven Interview mit VWheute erklärt der Vorstandsvorsitzende der Ideal Versicherungsgruppe, warum die Zeiten vorbei sind, “in denen man ein Kilo Police verschickt hat.” Bei den Provisionen erwartet die Ideal hingegen “gravierende Veränderungen”.

VWheute: Die Ideal hat kürzlich eine Änderung im Aufsichtsrat vorgenommen. Michael Westkamp wird der neue Chef. Wie darf sich ein Außenstehender die Zusammenarbeit von Vorstandsvorsitzendem und Aufsichtsratschef vorstellen? Wird nur bei konkreten Sachverhalten diskutiert oder holt man sich auch einmal vor einer Entscheidung Rat ein? Wie wichtig ist ein Vertrauensverhältnis, das ja auch nicht von heute auf morgen entstehen kann.

Rainer M. Jacobus: Eine enge Abstimmung zwischen dem Aufsichtsrats- und dem Vorstandsvorsitzenden ist aus meiner Sicht eine pure Selbstverständlichkeit. Aufsicht kann sich nicht nur auf die Sitzungen des gesamten Gremiums oder von Ausschüssen beschränken. Die Zusammenarbeit ist vielfältig und reicht von Telefonaten bis zu Meetings, in denen konkrete Sachverhalte diskutiert werden. Selbstverständlich ist es auch, vor wichtigen Entscheidungen die Aufsichtsratsspitze zu konsultieren und sowohl in die Thematik als auch in die Entscheidungsmöglichkeiten einzubinden.

In den 16 Jahren Vorstandstätigkeit bei der Ideal habe ich hier immer sehr offene Ohren gefunden; auch wenn wir uns im Vorstand unsicher gewesen sind, konnten wir uns auf den Rat der Aufsichtsratsspitze und des gesamten Gremiums immer verlassen. Ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis ist in diesem Zusammenhang natürlich von großer Bedeutung. Nun ist Herr Michael Westkamp für uns und auch für mich kein Unbekannter. Unsere Wege haben sich zum Beispiel in Verbänden der Versicherungswirtschaft immer wieder gekreuzt. Herr Westkamp kommt aus dem operativen Geschäft und kennt die Problemstellungen, die sich insbesondere für Lebensversicherer aus der Niedrigzinsphase ergeben, noch aus eigenem Erleben und Erleiden.

VWheute: Wie sehr hat sie der Versicherungskäse 2017 geärgert und wie verkauft sich das Produkt?

Rainer M. Jacobus: Der Versicherungskäse ist ein reiner PR-Gag des Bundes der Versicherten. Dieser Verband hat 50.000 Mitglieder. Alleine bei der Ideal sind mehr als eine Million Menschen versichert. Wir haben uns mit der Auszeichnung ironisierend auseinandergesetzt. Eine ernsthafte Befassung mit dem Thema lohnt sich nicht wirklich. Im Übrigen hat Herr Kleinlein schon zwei fest vereinbarte Termine mit Mitarbeitern abgesagt. Bei der Veranstaltung, bei der der Versicherungskäse überreicht worden ist, kam es dann auch noch zu Merkwürdigkeiten. So sind wir darüber informiert worden, dass dem Preisträger neben der Entgegennahme des Preises keinerlei Stellungnahme erlaubt worden wäre, deswegen sind wir auch nicht hingegangen.

Krebs ist die Zukunftsangst der Deutschen schlechthin. Ein auf diese Gemütslage abgestelltes Produkt kann meines Erachtens eine gute Ergänzung des privaten Versicherungsschutzes sein. Der Ideal KrebsAirbag ist unser erster Versuch in der Online-Vermarktung. Zu Absatzzahlen lässt sich aufgrund der kurzen Zeit in unserem Angebot bisher noch keine valide Aussage treffen. Fragen sie mich in einem Jahr wieder, wenn die Vermarktung richtig angelaufen ist.

VWheute: Während andere Versicherer gefühlt stündlich Neuerungen in Bezug auf Digitalisierung und Partnerschaften mit InsurTechs vermelden, ist es bei der Ideal diesbezüglich ruhig. Kalkül oder haben sie einen Masterplan in der Tasche, den sie ruhig abarbeiten?

Rainer M. Jacobus: Ich rate im Zusammenhang mit den sogenannten Insurtechs zur Gelassenheit. Im Übrigen messen wir hier im Unternehmen den Digitalisierungsgrad schon seit zehn Jahren. Persönlich habe ich immer gute Erfahrungen mit antizyklischen Entscheidungen gemacht. Wir sehen uns die Szene an, warten ab und reagieren nicht hektisch. Im Übrigen sind wir selbst InsurTech, 84 % unserer Versendungen laufen digital. Wenn sie sich dann auch noch unsere Ideal UniversalLife-Police anschauen, die im letzten Jahr immerhin 4,4 % unseres Rekordneugeschäftes ausgemacht hat, dann werden sie schnell selbst merken, wie die Lebensversicherung der Zukunft aussieht: flexibel, transparent und informativ. Die Zeiten, in denen man ein Kilo Police verschickt und dann vom Kunden nur erwartet, diese mit zwei Löchern zu versehen und in seiner Akte abzuheften, sind ein für alle Mal vorbei.

VWheute: Welches Produkt(-gruppe) wird auf dem Markt künftig der Renner und welches befindet sich bereits auf dem absteigenden Ast?

Wir erwarten gravierende Regulierungen des Provisionssystems durch die Evaluierung des LVRG (Lebensversicherungs-Reformgesetz, Anmerkdung d.R.) und den damit fast sicher verbundenen Änderungen bei der Zinszusatzreserve. Aus unserer Sicht geht es politisch eher Richtung laufende Provision, ob uns das nun gefällt oder nicht. Mit der Ideal UniversalLife haben wir dann ein Produkt in der Tasche, das alle unsere anderen Produktlinien ablösen kann. Eine Police, die flexibel eingesetzt, die Bedürfnisse im LV-Bereich bündelt.

VWheute: Was sind Ihre beruflichen Wünsche für den Rest des Jahres? Was soll die Ideal erreichen und wo kann sie sich in der zweiten Jahreshälfte noch verbessern?

Wir setzen auf organisches aber eventuell auch auf anorganisches Wachstum. Das Jahr 2017 betrachten wir, wie oben erwähnt, als Übergangsjahr in eine neue Regulierung, die wir für Ende 2018 erwarten. In unserer Sachversicherung ist die Rechtsschutz-Sanierung auf einem guten Weg. Wir erwarten wieder schwarze Zahlen vor Schwankungsrückstellungen. Hier gilt es, Antworten zu finden, wie die private Schaden/Unfallversicherung in der digitalen Zukunft aussieht.

Das Interview führte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Rainer M. Jacobus, Vorstandsvorsitzender der Ideal Versicherungsgruppe (Quelle: Sven Darmer)

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