Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Hannover Rück poliert Bilanz mit Aktienverkäufen

09.11.2017 – hannover_rueck_hannreDie Hannover Rück bekommt wie die Konkurrenz nach Jahren moderater Schadenbelastungen im dritten Quartal die Folgen einer Welle von schweren Naturkatastrophen zu spüren. So stieg die Schaden-Kostenquote spürbar auf 118,3 (94,4) Prozent. Im Gegensatz zu den großen Wettbewerbern Munich Re und Swiss Re konnte sich der weltweit drittgrößte Rückversicherer knapp in den schwarzen Zahlen halten.

Dies ist vor allem dem Verkauf des kompletten Aktienbestandes zu verdanken, betonte Finanzvorstand Roland Vogel. Die Veräußerung des 953 Mio. Euro schweren Portefeuilles börsennotierter Aktien brachte der Hannover Rück im September einen Gewinn in Höhe von 223 Mio. Euro ein. Die Papiere seien laut Vogel gut gelaufen, und der Aktienverkauf sei deshalb das “Mittel der Wahl” gewesen, um Bewertungsreserven zu heben. Dadurch blieb im dritten Quartal unter dem Strich noch ein Konzerngewinn von 13,9 (303,9) Mio. Euro. Vogel verwies allerdings darauf, dass die Schadensummen noch sehr unsicher sind. Den mit Abstand größten Schaden richtete der Hurrikan “Irma” an, gefolgt von “Maria” und “Harvey”.

Dazu kamen noch zwei starke Erdbeben in Mexiko. Insgesamt summierte sich in den ersten neun Monaten die Großschadenbelastung auf 894,3 (393,2) Mio. Euro. Damit wurde das Budget für das Gesamtjahr über 825 Mio. Euro bereits überschritten. Für das vierte Quartal wurde laut Vogel ein Nachschlag für Großschäden in Höhe von 200 Mio. Euro eingeplant. Dieser sei bereits durch die Buschbrände in Kalifornien und das Sturmtief “Herwart” im Oktober in Deutschland und anderen Ländern bis jetzt “schätzungsweise” zur Hälfte aufgebraucht.

Die Aktionäre sollen die Katastrophenfolgen allerdings nicht zu spüren bekommen. Wie im Vorjahr will Hannover Rück fünf Euro je Aktie ausschütten. Die Auszahlung setzt sich aus einer Basisdividende von 3,50 Euro und einer Sonderausschüttung von 1,50 Euro zusammen. Vogel hält die Beibehaltung der Dividende mit Blick auf die Niedrigzinsen für ein wichtiges Signal. Für ihn zählt auch die Sonderzahlung nicht zu einer “vorübergehenden” Angelegenheit.

Wallin rechnet mit einer Milliarde Gewinn

Für das Jahr 2018 ist Vorstandschef Ulrich Wallin optimistisch. Er will wieder einen Konzerngewinn von mehr als einer Milliarde Euro erzielen. Wallin verweist darauf, dass die Schadenbelastungen in diesem Jahr keinen nachhaltigen Einfluss auf die Kapitalkraft und Kapitalisierung haben. Im Gegenteil: Die jüngsten Schadenereignisse sollten dazu führen, dass sich die Marktkonditionen für die Rückversicherer wieder verbessern. Das Großschadenbudget wird wieder auf 825 Mio. Euro veranschlagt. Für die Bruttoprämie ist ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich eingeplant.

In den ersten neun Monaten hat die Hannover Rück die Bruttoprämien leicht über Plan um 8,3 Prozent auf 13,5 Mrd. Euro erhöhen können. Das operative Ergebnis schloss mit 806,4 (1.191,1) Mio. Euro. Das versicherungstechnische Ergebnis rutschte nach einem Plus von 44,5 Mio. Euro im Vorjahr mit 668,6 Mio. Euro kräftig ins Minus. Das Kapitalanlageergebnis legte aufgrund der Aktienverkäufe um ein Fünftel auf 1,38 Mrd. Euro zu. Unter dem Strich steht ein Konzerngewinn in Höhe von 548,9 (791,9) Mio. Euro. Insgesamt rechnet daher der Vorstand mit einem Jahresgewinn von rund 800 Mio. Euro statt der anvisierten gut einen Milliarde Euro.

Unabhängig von der gebeutelten Schaden-Rückversicherung hat auch die Personen-Rückversicherung der Gesellschaft wenig Freude gemacht. Erneut belastete das größtenteils im Jahr 2009 zugekaufte US-Mortalitätsgeschäft das Ergebnis, weil die Amerikaner das ihnen zugerechnete Alter – insbesondere wegen Selbstmord und Drogen – oft nicht erreichen. Im Rahmen des Bestandsmanagement, das auch weiter verfolgt werden soll, wurden im dritten Quartal einmalige Belastungen von rund 45 Mio. Euro aus der Ablösung verlustträchtiger Verträge realisiert. Das Herauskaufen aus den Verträgen ist, wie Wallin kürzlich erklärt hatte, neben Nachverhandlungen zur Durchsetzung höherer Preise eine – allerdings teure – Option. Sie würde in diesem Jahr rund 150 Mio. Euro kosten. (cs)

Bildquelle: Hannover Rück

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten