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Generali bekämpft Betrug mit Bildforensik

18.10.2017 – roland_stofels_brsDie durch Betrug entstehenden Schäden für die Versicherungswirtschaft summieren sich auf vier bis fünf Mrd. Euro im Jahr. Hier will die Branche jetzt digital aufrüsten und gegensteuern, wie Roland Stoffels, Vorsitzender der Geschäftsführung der Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH (GDSM) und Vorsitzender der Kommission Kriminalitätsbekämpfung im GDV, in Berlin ausführte.

Die Generali setzt dabei auf Software zur Netzwerkerkennung oder auf die Bildforensik, die Manipulationen an “Beweisfotos” aufdecken kann. Stoffels unterstrich, dass die allermeisten Kunden ehrlich seien und man diese unter keinen Umständen unter Generalverdacht stellen wolle. Aber es gebe auch den “Volkssport Versicherungsbetrug”, denn etwa jede zehnte Schadensmeldung erhalte Ungereimtheiten. In der Haftpflichtversicherung liege die Dunkelziffer mit rund 16 Prozent am höchsten.

In der Sachversicherung sind es neun Prozent und in der Kraftfahrzeugversicherung sieben Prozent. Der Branche entstehe ein Schaden zwischen vier und fünf Mrd. Euro, erläuterte Stoffels von der “Kripo-Kommission” des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die bislang genutzten Systeme zur Betrugsaufdeckung (HIS – Hinweisinformationssystem und ISP – Intelligentes Schadenprogramm) reichten im Zeitalter der Digitalisierung bei weitem nicht aus.

Versicherer müssen ihre technischen Skills verbessern

Immer mehr Schäden würden vom Kunden digital dokumentiert. Hier setze die Branche an: Machine Learning, Netzwerkanalyse und Bildforensik. “Wir brauchen zwingend die technische Unterstützung”, sagte Stoffels. Man setze Filter ein, die Auffälligkeiten aufdecken sollen. Stoffels verwies dabei auf einen sehr einfachen Fall, bei dem Fußballtrainer Jürgen Klopp die Brille durch einen fehlgeleiteten Ball kaputt ging und wenig später zahlreiche Brillen-Schäden mit dem im Netz vorliegenden Foto angezeigt worden seien. Mit der Bildforensik sei man jetzt in der Lage weitaus komplexere Betrugsversuche aufzudecken.

So würden eingehende “Fotobeweise” genau unter die Lupe genommen, ob diese manipuliert worden seien, wann das Bild entstanden sei und woher das Bild stamme. Dabei gehe es etwa um eingefügte Blechschäden an Autos, gefälschte Kilometerstände oder fingierte Reparaturrechnungen. Die letzte Entscheidung liegt aber beim Sachbearbeiter, der allerdings bei solchen Auffälligkeiten, die die Software herausfiltere, genauer hinschauen werde.

Die größte Sorge sei, einem Kunden ungerechtfertigt vorzuwerfen, er wäre ein Betrüger, sagte Stoffels. Deshalb werde man in Verdachtsfällen dem Computer auch keine autonomen Entscheidungen überlassen. “Das Versicherungsgeschäft ist ein Kümmerergeschäft”, sagte Stoffels in der Berliner Repräsentanz der Generali. (brs)

Bild: Roland Stoffels (Quelle: brs)

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