Versicherungswirtschaft-heute

            Mobilsite

 

Fließen Kundengelder der Allianz in Atomwaffen?

08.03.2018 – Russische Atomrakete Topol-M bei Militaerparade_30854146Es gibt Wörter, die sollten in einem Wirtschaftstext nicht vorkommen, eines ist “Atomrakete”. Leider ist es jetzt unumgänglich, denn laut einer Studie sollen mehrere deutsche Finanzunternehmen Milliarden in Unternehmen der Atomwaffenindustrie investiert haben. Darunter die Allianz, die direkte Investments sofort dementiert.

Zwischen 2014 und 2017 haben Finanzinstitute weltweit etwa 525 Milliarden Dollar in Atomwaffen-Produzenten gesteckt, das entspricht einem Zuwachs von rund 80 Mrd. Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Neben großen amerikanischen Unternehmen wie Blackrock und der Bank of America sind auch deutsche Finanzinstitute im Kreis der Investoren zu finden. Unter anderem die Allianz und die Deutsche Bank werden durch die Studie Don’t Bank on the Bomb von der Kampagne für ein Atomwaffenverbot (Ican) und der NGO Pax belastet.

Insgesamt sollen deutsche Unternehmen die Summe von knapp zehn Mrd. Euro investiert haben. Angeführt wird der Investorenkreis laut SZ von der deutschen Bank, die rund 6,6 Mrd. Dollar investiert habe. Platz zwei und drei gehen an die Commerzbank und den Investmentbereich der Allianz mit 1,2 beziehungsweise 1,03 Mrd. Dollar. Negativ fällt die DZ-Bank auf, diese habe die “Investitionen von 66 Mio. Dollar auf 470 Mio. Dollar gesteigert.”

Das sagen die Unternehmen

Die Vorwürfe wiegen tonnenschwer, eine Investition in Atomwaffen ist mit sämtlichen Nachhaltigkeitsbestrebungen eines Konzerns unvereinbar, sowohl die Deutsche Bank als auch die Allianz nennen eine solche Absichtserklärung ihr Eigen.

Nach eigener Aussage halten sie sich auch daran. Die Allianz schreibt auf Anfrage: “Die Versicherungskunden der Allianz Deutschland können sicher sein, dass ihre Prämien nicht in Unternehmen investiert sind, die in irgendeiner Weise an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind. ABC-Waffen sind, ebenso wie Streubomben, explizit ausgeschlossen.” Weiter führen die Münchener an, dass man als globales Unternehmen “den diversen rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschäftsumfeldern und Vorlieben der Kunden” Rechnung tragen würde.

Und die Assetmanager?

Ein Konzern wie die Allianz besteht nicht nur aus Versicherern, sondern nennt auch Assetmanager ihr Eigen, die Gelder für institutionelle und private Kunden anlegen. Laut Allianz legen AGI und Pimco die Beträge von Drittkunden entsprechend “individueller Risikovorgaben und Wertvorstellungen” sowie den “lokalen regulatorischen Anforderungen” an. Spannend ist der nächste Satz: “Die Anlage der Kundengelder in Unternehmen der Rüstungsindustrie erfolgt in der Regel nicht gezielt, ist jedoch bei den häufig gewünschten Indexinvestments aufgrund der Zugehörigkeit dieser Unternehmen zu maßgeblichen Indices wie Dow Jones, S&P500, FT.SE100, STOXX nicht auszuschließen.”

Sind die laut Studie investierten 1,03 Mrd. Euro also der Beteiligung an Indizes geschuldet, die Allianz bleibt keine Antwort schuldig: “Die Summe und die Zusammensetzung können wir leider weder bestätigen noch verneinen, da Organisationen sich meist auf verschiedene Datenquellen stützen. In der Regel sind die so generierten Zahlen sehr ungenau, so unsere bisherige Erfahrung. “Aufgrund unserer Anlagepolicies in der Versicherung und für Drittkunden ließe sich eine solche Zahl jedoch nicht nur auf Indexprodukte zurückführen.”

Die Allianz glaubt, dass es besser ist, die Investments insgesamt zu überwachen, als einem bestimmten Investment nachzuspüren. “Grundsätzlich analysieren wir unsere Portfolios auf Basis komplexer ESG-Assessments, die 27 Kriterien umfassen. Aktuell konzentrieren wir uns darauf, im Dialog mit den ESG-Low-Performern in unserem Portfolio mehr Transparenz über deren ESG-Performance zu erhalten und diese innerhalb von ein bis zwei Jahren zu verbessern. Hier sehen wir einen größeren Hebel, als einzelne Sektoren auszuschließen.”

Die zuletzt skandalträchtige Deutsche Bank weist Investments in Atomwaffen von sich. Sie werde “keine Beteiligung an Geschäften mit bestimmten Arten von Waffen in Betracht ziehen”. Hierzu zählen insbesondere Antipersonenminen, Streumunition sowie chemische, biologische, radiologische oder nukleare Waffen.”

Also ein Nein zu Investments zu Atomwaffen. Die Nachfrage, ob die Angaben der Studie falsch seien, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Die Ursachen liegen tiefer

Die Studie Don’t Bank on the Bomb zeigt, dass Unternehmen, die Produkte zum verstümmeln und töten von Menschen herstellen, Geld von Investoren bekommen haben. Ob direkt oder indirekt stecken also Kundengeldern in den Investments. Dieser Fehler muss behoben werden. (vwh/mv)

Bild: Russische Atomrakete Topol-M bei Militärparade (Quelle: dpa)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten