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Fairfax will kriselnde Tower Insurance schlucken

10.02.2017 – big fish eat little fishDie unter dem Rechtstreit mit Peak Re leidende Tower Insurance ist nur noch ein Pennystock. Neuseelands Erdbebenrisiko treibt den Versicherer in den Ruin. Die Börse bewertet die Gesellschaft mit 137,5 Mio. NZ-Dollar, bei einem Eigenkapital von 224 Mio. NZ-Dollar. Die kanadische Fairfax Financial Holding nutzt die günstige Gelegenheit und bietet 197 Mio. US-Dollar. Nach der Übernahme-Offerte stiegen die Papiere von Tower Insurance um 42 Prozent.

Aktien, die 2013 noch 2,50 NZ-Dollar kosteten, waren Anfang der Woche noch bloße 0,80 NZ-Dollar wert. Gestern sind sie auf 1,12 NZ-Dollar gestiegen, nachdem Fairfax ein Angebot von 1,17 US-Dollar pro Aktie angeboten hat. Die größten Aktionäre von Tower, Salt Funds Management und ACC (halten zusammen 18,1 Prozent), befürwortet den Deal. Im April will sich das Management offiziell die Zustimmung der Aktionäre holen.

Zwischen der neuseeländischen Tower Insurance und der in Hongkong ansässigen Peak Re läuft derzeit ein Schiedsgerichtsverfahren hinsichtlich einer von Peak Re gewährten Schlechterabwicklungsdeckung (adverse development cover), was Towers Nettoschaden aus dem Christchurch-Erdbeben des Jahres 2011 angeht. Tower hatte im April 2015 bei Peak Re eine ca. 50 Mio. NZ-Dollar betragende nachträgliche weitere Deckungen gekauft, die jetzt zum Zug kommt. Die gesamte Rückversicherungsdeckung beträgt 375,4 Mio. NZ-Dollar, zur bisherigen Brutto-Schadenlast in Höhe von 449,8 Mio. NZ-Dollar kamen aufgrund tatsächlicher Schlechterabwicklung noch einmal 16,2 Mio. NZ-Dollar hinzu. Die mit 800 Mio. US-Dollar kapitalisierte Peak Re, die zu 85 Prozent der chinesischen Fosun Group und zu 15 Prozent der Weltbank-Tochter International Finance Corporation gehört, behauptet jedoch bei der Gewährung dieser Deckung über den Tisch gezogen worden zu sein. Tower gibt sich siegesgewiss und scheint den vollen von Peak Re geforderten Betrag (43,5 Mio. NZ-Dollar) ebenso zu aktivieren wie die noch vom nationalen Erdbebenpool EQC beizusteuernden 57,6 Mio. NZ-Dollar.

Tower Insurance geht auf einen 1869 gegründeten staatlichen Lebensversicherer zurück, der 1990 in einen Gegenseitigkeitsverein und 1999 in eine börsengelistete Aktiengesellschaft verwandelt worden war. 2006 waren die australischen Firmenteile abgespalten worden, 2013 auch noch das Lebengeschäft. Übrig ist nun eine neuseeländische Nicht-Lebensgesellschaft mit bedeutenden Operationen im Pazifik. Von den 303 Mio. NZ-Dollar an Bruttoprämien entfallen 59,3 Mio. NZ-Dollar auf den Pazifik. Die Ungewissheiten hinsichtlich des 2011er-Schadens haben den Börsenwert von Tower weit unter den Buchwert rutschen lassen.

Ob Buffett auch gekauft hätte?

Experten schätzen, dass ein weiteres Erdbeben in Neuseeland die Tower Insurance in den Ruin treiben würde. Neuseeland ist Teil des sogenannten Pazifischen Feuerrings und immer wieder von Erdbeben betroffen. Das Christchurch-Erdbeben vom Februar 2011 ereignete sich im Rahmen der seit dem 4. September 2010 anhaltenden Nachbeben des Darfield-Erdbebens, das seinerzeit die Stärke 7,1 aufwies. 4.825 Nachbeben über 2,0 wurden in den knapp sechs Monaten zwischen den beiden zerstörerischen Hauptbeben registriert. Christchurch wurde fast vollständig zerstört, 185 Personen starben. Zwei Wochen nach dem Beben verließen bis zu 70.000 Menschen die Stadt, die damit zunächst rund ein Fünftel ihrer Bevölkerung verlor. Der versicherte Schaden des Bebens belief sich nach Angaben des Insurance Council of New Zealand auf 17 Mrd. NZ-Dollar.

Für besorgte Investoren plante Tower eine Betriebsaufspaltung. Diese ziehen anscheinend lieber einen Verkauf in Betracht. Falls die Aktionäre das kanadische Angebot nicht annehmen, wird der ursprüngliche Plan durchgezogen, sagte Tower-Chairman Michael Stiassney. Hinter Fairfax steht der Investor Prem Watsa, der mit seinen unorthodoxen Geschäftsstrategien häufig mit Warren Buffett verglichen wird. Er besitzt Anteile an Blackberry und hatte erst im Oktober 2016 mehrere Versicherungsgeschäfte der American International Group gekauft. Im Dezember unterbreitete Fairfax ein Angebot an den Schweizer Konkurrenten Allied World für 4,9 Mrd. US-Dollar. Fairfax beschäftigt über 8.200 Mitarbeiter, davon 5.000 in den USA. Lediglich 30 Beschäftigte arbeiten in der Konzernzentrale in Toronto. Zum Fairfax-Portfolio gehören u.a. Odyssey Re, Northbridge Financial, Crum & Forster oder Zenith Insurance Company. (dg/cpt)

Bild: Fotolia

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