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Fachexperten stellen Solvenzquoten-Check in Frage

19.05.2017 – solvency_fotoliaDer kommende Montag wird für die Versicherer in Deutschland zur Nagelprobe: Bis dahin müssen 350 Gesellschaften in Deutschland erstmals ihre Quoten nach “Solvency II” vorlegen. Was einerseits nach Ansicht der Macher des Regelwerks Transparenz über die Finanzlage ermöglichen soll, stößt bei Experten jedoch auch auf Kritik. Deren Hauptvorwurf: Die Quoten seien nicht miteinander vergleichbar.

So befürchtet manches Unternehmen, dass mit den Solvenzquoten Rankings erstellt werden mit dem Ziel, die Überlebensfähigkeit eines Versicherers zu prognostizieren. Bekannt ist nach Angaben der Bafin jedenfalls, dass allein im vergangenen Jahr insgesamt 29 Lebensversicherer ohne Übergangsmaßnahmen keine ausreichenden Eigenmittel vorhalten können. Diese stehen nach Angaben der Finanzaufsicht unter besonderer Beobachtung und müssen einen Plan vorlegen, wie sie bis 2031 auf ausreichendes Eigenkapital kommen wollen, berichtet die Börsen-Zeitung.

Dennoch sehen die Finanzaufseher dem Stichtag bislang gelassen entgegen. “Nach unserer jetzigen Einschätzung wird kein Unternehmen unter dem Sollkapitalbedarf liegen”, betonte unlängst Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Dennoch warnte Grund davor, nur auf die Solvenzquoten zu schauen: “Die bloße Quote ist ungeeignet als Vergleichsinstrument und kein Kriterium für eine schnelle Kaufentscheidung.” Hintergrund seien unterschiedliche Berechnungsmodelle. “Ich warne daher davor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen”, betonte der Bafin-Exekutivdirektor.

Guido Bader, Vorstand und Aktuar der Stuttgarter Lebensversicherung, erwartet einen großen Diskussionsbedarf. “Unterm Strich werden wir aber wohl relativ gute Quoten sehen, zumindest unter Einbeziehung der Übergangsmaßnahmen. Man muss sich die Quoten jedoch, bevor man sie jetzt überinterpretiert, erst einmal ein paar Jahre angucken, wie sie sich entwickeln.”

Einige Ergebnisse sind jedenfalls schon bekannt geworden. Demnach liegt die Solvency-Quote der Münchener Verein Versicherungsgruppe nach eigenen Angaben bei über 300 Prozent. So liege die Bedeckungsquote bei 935 Prozent, die Sparte Allgemeine Versicherung kam nach eigenen Angaben auf 336 Prozent, bei anrechenbaren Eigenmitteln in Höhe von 60,7 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Damit steht der Münchener Verein mit seiner Kapitalquote sogar teils deutlich besser da als mancher Branchenprimus. Die Talanx etwa gab einen Wert von lediglich 186 Prozent an, die Allianz kommt derzeit auf eine Solvenzquote von 218 Prozent. Etwas besser stehen die beiden Rückversicherer Munich Re mit 267 Prozent und die Hannover Rück mit 230 Prozent da. Die HanseMerkur gab einen Wert von rund 300 Prozent an, die VHV eine Quote von 320 Prozent. Spitzenreiter ist jedoch die Huk mit einer Solvenzquote von 335,6 Prozent. Für ihren Lebensversicherer meldete die Gruppe einen Wert von 282 Prozent.

Der Branchenverband GDV rechnet mit einem Durchschnittswert von etwa 305 Prozent. “Im europäischen Vergleich liegen die deutschen Versicherer hinsichtlich der Quote über dem Durchschnitt”, wird Götz Treber vom GDV in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert. Dennoch sei die Quote nur bedingt aussagekräftig, glaubt Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata: “Die Grundidee ist richtig. Vergleichbar sind die Quoten allerdings nur eingeschränkt.”

Im Kern der Kritik stehen dabei die Berechnungsmodelle. “Manche Versicherer setzen das Standardmodell ein, andere ein individuelles internes Modell. Hinzu kommen noch Übergangsmaßnahmen bis zum Jahr 2013, welche die Unternehmen mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde legitim anwenden können und die dann zu höheren Solvenzquoten führen”, betont der Assekurata-Experte. Kurzum: “Solange sich nicht einheitliche Konventionen zu Ermittlung und Berichterstattung gebildet haben, wird der Vergleich unterschiedlicher Unternehmen nur eingeschränkt möglich sein”, sagt Christoph Küppers, Partner der Anwaltskanzlei Hogan Lovells. (vwh/td)

Bildquelle: Fotolia

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