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Euler Hermes: Protektionismus behindert Wachstum

24.11.2017 – Handel_Container_FLICKRProtektionistische Tendenzen spielen spätestens seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump wieder eine größere Rolle im globalen Warenverkehr – mit entsprechenden Folgen. So befürchtet Euler Hermes, dass der Welthandel voraussichtlich nur halb so stark wachsen wie vor der Finanzkrise. Zu diesem Ergebnis kommt der Kreditversicherer in seiner dritten Welthandels-Studie.

Dabei dürfte ein zunehmender Finanz- und Handelsprotektionismus in Verbindung mit steigenden Zinsen und dem aktuellen geopolitischen Umfeld die Handelskosten weiter in die Höhe treiben, befürchtet die Analysten von Euler Hermes. Demnach erwarten die Ökonomen des Kreditversicherers allein in diesem Jahr weltweit rund 400 neue protektionistische Maßnahmen. Allein in den Vereinigten Staaten wurden bis November 2017 mehr (87) protektionistische Maßnahmen verzeichnet als in den Gesamtjahren 2016 (84) und 2015 (86), so die Studienautoren.

Die US-Handelsbarrieren treffen dabei laut Euler Hermes vor allem zwei Volkswirtschaften. Demnach sei die Zahl der Handelsauflagen gegenüber China um 20 Prozent und damit doppelt so stark gestiegen wie im Vorjahr (plus zehn Prozent). Zudem stiegen US-Beschränkungen für Importe aus Kanada um 18 Prozent (Vorjahr: plus zwölf Prozent). Zudem bleiben die geopolitischen Sorgen laut Kreditversicherer eine große Bedrohung des Welthandels.

Brexit wird zum ernsthaften Risiko

Allein in Europa stellen die Spannungen mit Russland und die zähen Brexit-Verhandlungen hinsichtlich einer Übergangsregelung ernsthafte Risiken dar, konstatieren die Analysten von Euler Hermes. Die wachsenden Spannungen im Nahen Osten führen nach Ansicht der Analysten zu einer Verschärfung des regionalen Status quo. Hinzu komme das steigende Risiko auf der koreanischen Halbinsel, von dem vor allem wichtige Handels-Nationen wie China, Südkorea, Japan und die USA betroffen sind.

“Finanzieller Protektionismus ist die größte Gefahr für den Welthandel. Eine disziplinierte Unterstützung seitens der Regierungen für längerfristige Investitionen, die digitale Revolution und ausreichend Bargeld in den Unternehmensbilanzen reichen möglicherweise nicht aus, um diesem besorgniserregenden Trend entgegenzuwirken”, betont Ludovic Subran, Chefvolkswirt bei Euler Hermes. “Der globale Handel hat zwischen 2014 und 2016 fast drei Billionen US-Dollar verloren. Wir erwarten eine Trendwende im Jahr 2017. Bis 2018 könnte der Verlust aufgeholt werden, wenn der Protektionismus aufgehalten wird”, ergänzt Mahamoud Islam, Senior Economist bei Euler Hermes und Hauptautor der Studie.

Rosige Aussichten für deutsche Exportwirtschaft

Für die deutsche Exportwirtschaft sehen die Experten von Euler Hermes hingegen weiterhin positive Aussichten. So rechnen die Analysten mit einem kumulierten Anstieg des Handelsvolumens um 250 Mrd. US-Dollar für die Jahre 2017 und 2018. Dies bedeutet Rang zwei hinter China (plus 295 Mrd.). Auf Rang drei folgen die USAn mit einem erwarteten Anstieg des Handelsvolumens um 232 Mrd. US-Dollar. Mit einem prognostizierten Anstieg des Handelsvolumens von 956 Mrd. US-Dollar die Eurozone zudem an den Spitze im weltweiten Vergleich der Wirtschaftsregionen für den Zeitraum 2017/18.

So haben die deutschen Unternehmen laut Euler Hermes allein in diesem Jahr vor allem in Länder der Eurozone mit einem Anteil von 37 Prozent des Gesamtexports sowie nach China, Indien und Japan exportiert. Rückläufig waren die Geschäfte hingegen laut Euler Hermes mit Großbritannien, Brasilien und der Türkei. Die größten Export-Zuwächse wurden im laufenden Jahr in Deutschland in den Branchen Maschinenbau (plus 14,5 Mrd. Euro), Chemie (plus 12,5 Mrd. Euro) und Fahrzeuge (plus 12,3 Mrd. Euro) verzeichnet.

“Die deutsche Exportindustrie ist stark diversifiziert und sehr wettbewerbsfähig. Immer dann, wenn es um High-End-Produkte geht, sind deutsche Produkte gefragt. Das gilt nach wie vor für deutsches Maschinenbau-Know-how, Chemie-Erzeugnisse und Automobile, die 2017 die stärkste Nachfrage verzeichneten. Die Handelsbeziehungen mit Asiens Märkten wachsen weiter, und die Stabilisierung einiger europäischer Nachbarländer führt zur Neubelebung der Nachfrage bei deutschen Export-Unternehmen. Eine zentrale Rolle spielen kleine und mittlere Unternehmen (KMU), von denen viele in ihrem jeweiligen Bereich tatsächlich Weltmarktführer sind, so genannte Hidden Champions. Aber auch sie sollten die protektionistischen Entwicklungen aufmerksam im Auge behalten. Zudem müssen sie mit den rasanten technologischen Veränderungen Schritt halten, um die führende Rolle in ihren Märkten verteidigen zu können”, erläutert Ron van het Hof, Vorstandsvorsitzender von Euler Hermes Deutschland. (vwh/td)

Link: Die komplette Studie von Euler Hermes (PDF)

Bildquelle: Flickr

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