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Euler Hermes: Einzelhändler leiden unter Online-Handel

12.06.2017 – Einzelhandel_Silke Kaiser_pixelio.deBillige Preise und der Handel im Internet bereiten den Einzelhändlern zunehmend Probleme. Demnach sei die Insolvenzquote in diesem Sektor allein 2016 weltweit um zwei Drittel gestiegen, konstatiert der Kreditversicherer in einer aktuellen Studie. Demnach sei der nominale Einzelhandelsumsatz in der letzten Dekade weltweit um 4,8 Prozent pro Jahr gestiegen. Dabei lag der Umsatzanteil des Onlinehandels 2016 bei etwa neun Prozent.

Gleichzeitig geht der Kreditversicherer in seiner jüngsten Untersuchung davon aus, dass diese Quote in den kommenden drei Jahren noch deutlich auf 15 Prozent ansteigen werde. Entsprechende Indizien sieht der Kreditversicherer inAngebots- und Nachfrageentwicklung, die durch das geänderte Kaufverhalten der sogenannten “Digital Natives” sowie neuer elektronischer Plattformen unterstützt werde. Damit wird das System empfindlich gestört und neu definiert, konstatiert der Kreditversicherer.

Um der drohenden finanziellen Schieflage vorzubeugen, seien demnach viele Unternehmen im vergangenen auf Einkaufstour gegangen. Dabei haben die Einzelhändler laut Studie allein 2016 rund zwei Billionen US-Dollar in Technologie-Firmen investiert. Das entspreche einem Vielfachen der Summe von 148 Mrd. US-Dollar, die 2014 für spezielle Technik-Expertise ausgegeben worden sei.

Nach Angaben von Euler Hermes ist der Anpassungsdruck für Einzelhändler demnach in den USA, in Großbritannien, Deutschland und Südkorea am höchsten. Bislang seien jedoch viele Unternehmen gut positioniert, um veränderten Rahmenbedingungen gerecht zu werden, betonen die Ökonomen. Allerdings leiden auch Einzelhändler in Frankreich und Japan, sowie in einem geringeren Umfang auch in Italien und Spanien, unter einem größerem Druck durch die veränderte Kundennachfrage.

Deutsche Einzelhändler verlieren an Profitabilität

Speziell in Deutschland haben die Einzelhändler nach den Berechnungen des Kreditversicherers innerhalb von fünf Jahren bis 2016 einen dramatischen Rückgang der Profitabilität von sieben Prozent auf nur noch knapp drei Prozent erlitten. “Mit der Rückkehr der Inflation und einem verlangsamten Konsum-Wachstum dürfte sich der Gegenwind noch verschärfen. Während Discounter und reine Online-Händler in diesem Umfeld gut positioniert sind, stehen vor allem Einzelhändler in der Mode- und Elektronik-Branche vor großen Herausforderungen”, betont Ron van het Hof, Vorstandsvorsitzender von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Dafür sei man sich laut Euler Hermes hingegen in China und Indien über die Vorteile der Digitalisierung zum größten Teil bereits bewusst. Durch hohe und gut verteidigte Markteintrittsbarrieren würde der Anpassungsdruck jedoch vermindert. Problematischer sehe die Lage jedoch in Brasilien und Russland aus: hier sei nahezu der gesamte Einzelhandel veraltet, und vor allem große Anbieter kämpfen laut Studie mit massiven strukturellen Problemen.

“Preiskriege haben die finanzielle Lage vieler traditioneller Einzelhändler extrem strapaziert”, ergänzt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. “Viele haben den Digitalisierungsaspekt unterschätzt und hinken nun den Kundenerwartungen hinterher.” Als Folge ist die Profitabilität weltweit von acht Prozent im Jahr 2011 auf 5,7 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Große Einzelhändler mit einem Umsatz von mehr als zehn Mio. US-Dollar haben 2016 mit einem Insolvenzanstieg von weltweit mehr als 66% einen stolzen Preis im Zuge dieser Entwicklung bezahlt, konstatiert der Kreditversicherer.

“Die aktuellen Diskussionen zum Ladenschlussgesetz in Deutschland ähneln denen in Frankreich vor einem Jahr, die Emmanuel Macron als damaliger Finanzminister angeführt hat. Einkäufe nach Feierabend oder an Sonntagen finden immer häufiger vor dem Computer statt. Damit offenbaren sich Nachteile der gesetzlich geregelten Öffnungszeiten der Kaufhäuser gegenüber Rund-um-die-Uhr zugänglichen Onlineshops immer deutlicher. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs: Der Einzelhandel sollten im Ganzen überdacht und traditionelle Aufteilungen zugunsten eines übergreifenden Kundenerlebnisses on- und offline aufgehoben werden”, ergänzt Subran. (vwh/td)

Bildquelle: Silke Kaiser / PIXELIO (www.pixelio.de)

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