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“Es ist ein Machtspiel der Vorstände”

18.04.2017 – kai_lucks_privatM&A-Deals sind in der Regel riskant, oftmals aber auch der einzige Weg zum Wachstum. Nicht selten gehen solche Pläne schief. Dabei sind Zusammenschlüsse und Übernahmen unter kleinen Firmen durchaus erfolgreicher als Mega-Deals. Kai Lucks, Leiter des Merger Management Institutes spricht im Exklusiv-Interview mit der Versicherungswirtschaft über die Gründe für gescheiterte Fusionen.

VWheute: Warum ist es so schwierig, zwei große Schwergewichte zusammenzubringen?

Kai Lucks: Die Zeit der “Merger of Equals” wie Daimler und Chrysler ist vorbei. Besonderes Problem hierbei ist, dass der Konsolidierungsdruck nicht groß genug gemacht wird, dass Unklarheit besteht, unter wessen Kultur und Struktur der Zusammenschluss laufen soll. Am Ende ist es ein Machtspiel der Vorstände, besonders dann, wenn alle Vorstände übernommen werden und damit der Gesamtvorstand zu groß wird.

VWheute: Warum sind Zusammenschlüsse und Übernahmen unter kleinen Firmen erfolgreicher als Mega-Deals?

Kai Lucks: Dafür sind hauptsächlich drei Gründe maßgebend: Erstens fehlt die Kontrolle von oben, weil der “Owner” des Deals der Vorstand selber ist. Hier ist das Ego der Vorstände der eigentliche Treiber, und das ist gefährlich. Zweitens sind derartige Deals so komplex, dass die Umsetzung besondere Probleme bereitet, und drittens ist die Häufigkeit dieser Deals so gering, dass keine Erfahrung aufgebaut werden kann, nach der man solche Deals überhaupt führt. Deshalb haben mittelgroße Deals auch bessere Erfolgschancen, weil es für sie eine übergeordnete Kontrollinstanz gibt und weil Erfahrung aus höherer M&A-Frequenz aufgebaut und transferiert werden kann.

VWheute: Kommt der Aufsichtsrat bei solchen Deals seiner Kontrollfunktion nach?

Kai Lucks: Selten hat dieser M&A-Erfahrung. Man sollte Aufsichtsräten bei großen Mergers fachkundige Berater zur Seite stellen. Einer der Hauptfehler bei großen Deals ist, dass der Preis für das Target zu hoch ist und dass zu wenig in die Beratung investiert wird, vor allem in die Integration nach dem Closing.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.

Bild: Kai Lucks (Quelle: privat)

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