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Ergo lässt Medizinbefunde in einfache Sprache übersetzen

06.10.2017 – Was_hab_ich_1Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) kooperiert mit dem Medizin-Start-up “Was hab’ ich?”. Die Kunden der Ergo-Tochter können sich so komplizierte Arzt-Befunde in einfache Sprache übersetzen lassen. Für das gemeinnützige Dresdner Start-up ist die Zusammenarbeit ein erster Testlauf für kommerzielle Aufträge, die Ergo hingegen versucht ihre PKV-Service-Leistungen auszubauen.

Zwei Werktage. Länger soll es nicht dauern, bis die Ergo-Kunden eine allgemeinverständliche Übersetzung ihres Arztbefundes auf das Smartphone herunterladen können. Beim Übersetzen von Arzt-Chinesisch in Otto-Normal-Deutsch kooperiert das Unternehmen mit dem Start-up “Was hab’ ich?”, diese Zusammenarbeit machen der Kölner Versicherer und das HealthTech aus Dresden nach einigen Wochen Testphase nun öffentlich. Die Nutzerzahlen seien zwar erst zweistellig, die Early Adopter unter den Ergo-Versicherten jedoch sehr zufrieden, teilt das Unternehmen auf Nachfrage von VWheute mit.

Zwar biete die DKV im Kundenportal “Meine Versicherung” bereits eine Fülle von Service-Leistungen, auch bestehe die Möglichkeit, sich durch Fachärzte vom Versicherer beraten zu lassen oder Rechnungen per App einzusenden. Genutzt werde das von etwa 20 Prozent der Versicherten. “Die Übersetzung des Arzt-Befundes ist etwas Neues und eine Service-Leistung, die wir sehr wichtig finden”, erklärt die Ergo-Sprecherin.

Keine Berührungsängste mit Versicherungsbranche

“Die DKV ist als neuer Partner von ‘Was hab’ ich?’ sehr willkommen”, sagt Gründer Ansgar Jonietz. “Mit den Einnahmen aus der Kooperation können wir zusätzliche Medizinstudierende und Ärzte als Übersetzer ausbilden.” Das Start-up und seine studentischen Mitarbeiter empfänden es als Wertschätzung, dass nun erstmalig Geld für das Übersetzen der Arzt-Befunde gezahlt werde, ergänzt Pressesprecherin Beatrice Brülke. “Für uns ist die Kooperation eine Bestätigung dafür, wie wichtig die Übersetzung von Arzt-Befunden ist.”

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Nicht zum ersten Mal arbeitet “Was hab’ ich?” mit einem Versicherer zusammen. Der AOK Bundesverband unterstützt das gemeinnützige Unternehmen bereits seit dessen Anfängen im Jahr 2011. Im Jahr 2015 kooperierte das Start-up zudem mit der Generali Deutschland, um Ärzte in Rente als Übersetzer zu gewinnen. Heute setzen die Dresdner auf das dezentrale Mitarbeit von 140 ehrenamtlichen Medizin-Studierenden in ganz Deutschland. Rund 33.000 Befunde haben diese bereits übersetzt, die Nachfrage für das kostenlose Angebot liegt jedoch deutlich darüber: Die meisten Nutzer müssen sich – im Gegensatz zu den Ergo-Kunden – erst in die Warteschlange eintragen, bevor sie eine Übersetzung ihres Befundes erhalten.

Zum ersten Mal Planungssicherheit

Der neue Service für die Ergo-Kunden läuft parallel zu diesem Kerngeschäft, wofür “Was hab’ ich?” erstmalig freie Mitarbeiter anstellt. Weiteren Kooperationen steht das Start-up “theoretisch offen” gegenüber, jedoch will sich das achtköpfige Team um Gründer Ansgar Jonietz die Gemeinnützigkeit und das grundsätzlich kostenlose Angebot für alle bewahren.

Ein definiertes Erlösmodell besitzt “Was hab’ ich?” nicht. Vielmehr baut das Start-up auf die Spenden größerer Sponsoren wie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sowie auf die Erlöse aus externen Projekten wie dem Portal Befunddolmetscher.de, das man mit der Bertelsmann Stiftung entwickelte. Die kommenden drei Jahre forscht “Was hab’ ich?” an einem Entlassbrief in einfacher Sprache, den Krankenhaus-Patienten automatisch erhalten sollen. Das Geld hierfür kommt aus dem Innovationsfonds von Bundesregierung und den gesetzlichen Kassen. (vwh/de)

Bilder: Ariane Schick-Wetzel, Ärztin, beim Übersetzen von Arztbefunden und das Team von “Was hab’ ich?” (Quelle: “Was hab’ ich?” / David Pinzer)

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