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Ergo: Kassow will keinen schnellen Deal beim “Run-off”

20.11.2017 – achim_kassow_ergoDie Ergo sorgte vor einigen Wochen mit dem geplanten Verkauf ihrer Lebenbestände für mediales Aufsehen. Ergo-Deutschlandchef Andreas Kassow zeigt sich im Interview mit dem Handelsblatt hingegen wenig überrascht darüber: “Sicherlich, das Thema ist komplex, und es ist völlig klar, dass es grundsätzliche Diskussionen auslöst”.

So begründet Kassow die Entscheidung für einen “Run-off” mit einem Sinneswandel in den vergangenen Monaten: “Vor zwölf oder achtzehn Monaten wäre ein Verkauf keine konkrete Option gewesen, dafür waren die Anbieter zu klein, und in diesem Markt stand zu wenig Geld zur Verfügung. Das hat sich grundsätzlich geändert. Der Markt ist in Bewegung geraten. Wir sehen, dass deutlich mehr Kapital in diesen Sektor fließt”.

Wann mit einer konkreten Richtungsentscheidung zu rechnen sei, ließ der Ergo-Manager hingegen noch offen. “Die Prüfung, ob wir den Verkaufsprozess mit einigen ernsthaften Interessenten weiterverfolgen, wird voraussichtlich mindestens bis Ende November dauern. Die Antwort auf die Frage, ob wir tatsächlich in eine Transaktionssituation hineinkommen, wird länger brauchen”, betont Kassow.

Allerdings sei der Preis nicht das alleinige Entscheidungskriterium: “Für uns geht es darum, Ergo gut aufzustellen. Das heißt, dass das Unternehmen fit, digital und erfolgreich ist. Dafür haben wir in unserem Strategieprogramm Entscheidungen getroffen – Entscheidungen, die nicht immer einfach waren. Dazu gehört auch der Entschluss, die klassische Lebensversicherung vom übrigen Geschäft zu separieren. Diese organisatorischen Veränderungen führen dazu, dass wir jetzt mehrere Optionen haben, zum Beispiel auch die Übernahme von Verwaltung für Dritte, das sogenannte Third-Party-Administration-Geschäft”, erläutert der Vorstandschef der Ergo Deutschland AG.

Den Vorwurf, mit der Entscheidung “langfristigen Kundenbeziehungen für einen schnellen Deal” aufs Spiel zu setzen, wollte Kassow jedoch nicht im Raum stehen lassen. “Aber wir müssen unterscheiden zwischen dem unmittelbaren Eindruck von heute und der Frage, was passiert in den nächsten zehn, 15 Jahren draußen im Markt. Und das ist nun einmal die Aufgabe, mit der sich eine Unternehmensleitung beschäftigen muss. Wenn wir zu der Erkenntnis kommen, dass die Hürden zu hoch sind, werden wir es nicht machen”, betonte Kassow.

Dass die Axa und die Generali nahezu zeitgleich ihre Bestände in den “Run-off” schicken wollen, sieht er hingegen “definitiv als Zufall an. Aber aufgrund unserer Größe hat das Thema an Dynamik gewonnen, nachdem unsere Marktsondierung publik wurde”. (vwh/td)

Bild: Achim Kassow (Quelle: Ergo)

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