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Brexit-Exodus: QBE entscheidet sich für Brüssel

07.06.2017 – Grossbritannien Flagge London by_Andrea Damm_pixelio.deBelgien kann sich über ein weiteren Big Player freuen. Der australische Industrieversicherer QBE wird eine Tochtergesellschaft in Brüssel gründen, um weiterhin in der gesamten Europäischen Union tätig sein zu können, sollte es aufgrund des EU-Austritts Großbritanniens zu einem Verlust der Passporting-Rechte kommen. Dublin, für viele als Profiteur des Brexit-Exodus gehandelt, hatte bislang nur wenig Erfolg, Versicherer anzuziehen. Ganz anders dagegen Luxemburg.

Die QBE Insurance Group mit Hauptsitz in Sydney ist einer der weltweit führenden Erst- und Rückversicherer und war laut Medienberichten auch als ein möglicher Zukauf des Allianz-Konzerns im Gespräch. Im Geschäftsjahr 2016 schloss das Unternehmen ein Bruttoprämienvolumen von 14,3 Mrd. US-Dollar ab.

Wie so viele Versicherer und Banken braucht auch QBE nach dem britischen EU-Austritt einen Standort auf dem Kontinent, um einen sogenannten “Passport” zu behalten, der ihnen erlaubt weiter ihre Produkte in der EU zu verkaufen. QBE ist seit vielen Jahren in Belgien mit einer Geschäftsstelle in Brüssel präsent. “Dieser Faktor war, neben Belgiens zentraler geografischer und politischer Rolle in der EU sowie der konstruktiven Mitwirkung der lokalen Regulierungsbehörde, ausschlaggebend bei der endgültigen Entscheidung für Brüssel als Standort der neuen Tochtergesellschaft”, erklärt der Versicherer.

Bereits Ende März hatte sich auch die Londoner Versicherungsbörse Lloyd’s of London für die belgische Hauptstadt entschieden. Neben der Nähe zu den EU-Institutionen und der höheren Beliebtheit von Brüssel bei den dorthin zu entsendenden Expats spielte auch die ausgezeichnete Verkehrsverbindung durch den Eurostar eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung. Hinzu kommt die größere Respektabilität der belgischen Aufsichtsbehörde.

Irland kritisiert Luxemburgs Methoden beim Abwerben von AIG

Luxemburg stand für Lloyd’s auch in der engeren Auswahl. Dorthin zog es zuletzt die US-Versicherer AIG und FM Global sowie die die britischen Assekuranzhäuser Hiscox und RSA. Auch Blackstone und Liberty Specialty Markets, das dem US-Konzern Liberty Mutual gehört, wählten das Großherzogtum. Dublin hingegen konnte keine große Erfolge verbuchen und beschwerte sich bei der EU-Kommission: Luxemburg habe den Sieg in der AIG-Standortfrage unter Einsatz unlauterer Mittel davongetragen. Vor allem habe es AIG gestattet, relativ wenig Kapital vor Ort zu halten, also wohl das fehlende Kapital durch konzerninterne Rückversicherung zu ersetzen, die vermutlich auch noch eigentlich einer 28-prozentigen lokalen Körperschaftssteuer unterliegende Gewinne in mildere Gefilde tragen dürfte. Irland geht es bei dem Protest wohl auch darum, andere durch den Brexit freigesetzte Fische noch zu angeln. (dg)

Bildquelle: Andrea Damm / PIXELIO / www.pixelio.de

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