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Bomhard: “Habe die Intergation von Ergo schleifen lassen”

16.03.2017 – von_bomhard_akNach 13 Jahren im Chefsessel ist für Nikolaus von Bomhard (60) an der Spitze der Munich Re bald Schluss. Auf seiner letzten Pressekonferenz blickte er ungewöhnlich ehrlich auf Erfolg und Niederlagen zurück. VWheute war vor Ort: “Wenn wir die Ergo für zwölf Mrd. Euro verkauft hätten, könnten wir sie heute natürlich viel billiger zurückkaufen. Nur die Komplexität eines solchen Kaufs und das Management hätten wir heute genauso an der Backe.”

Nun spricht es sich leichter, wenn man keine Verantwortung mehr trägt. Das ist in der Politik nicht anders als im Top-Management. Insofern wurden die Ausführungen des scheidenden Vorstandsvorsitzenden der Munich Re auf der gestrigen Bilanz-Pressekonferenz von der Öffentlichkeit mit einiger Spannung erwartet. Und was Nikolaus von Bomhard, Spross eines alten Adelsgeschlechts und nach eigener Einschätzung als “preußischer Diener seines Unternehmens” zu sagen hatte, war in seiner Offenheit und Schonungslosigkeit, was Fehler und Erfolge anbelangt, nicht nur in der für Diskretion bekannten Versicherungsbranche, ungewöhnlich.

Die Rückführung eines “Beteiligungsunternehmens” auf seine Kernkompetenzen, die Rückführung der Munich Re zu ihren Wurzeln als Versicherungs- resp. Rückversicherungsunternehmen, das war die Hauptaufgabe, der sich von Bomhard im vergangenen Jahrzehnt vor allen Dingen verpflichtet gefühlt hatte, wie er im Gespräch mit VWheute bekundete. Weniger Warren Buffet und mehr Assekuranz, so das heimliche Leitmotiv: Die Erst- und Rückversicherung unter ein Dach zu führen, den Fokus auf die Profitabilität im Kerngeschäft zu lenken, dabei gleichzeitig eine konservative Kapitalanlage zu verfolgen und das Ganze mit einer aktionärsfreundlichen Ausschüttungspolitik zu unterfüttern, solches zeichnet in der Summe für von Bomhard eine verantwortungsvolle Unternehmensstrategie aus. Mission accomplished möchte man dazu sagen, wenn bei all dem Licht nicht auch ein leichter Schatten die Gesamtbilanz eintrüben würde. Stichwort Ergo, Stichwort Digitalisierung:

“Eines habe ich in meiner Zeit an der Spitze der Munich Re noch nie erlebt: steigende Zinsen!” Mit diesen Worten eröffnete von Bomhard seine letzte Bilanz-PK als CEO und legte damit den Finger tief in die Wunde der Finanzwirtschaft. Damit umzugehen und sich trotzdem völlig unabhängig vom Staat und auch allen anderen Marktteilnehmern zu machen, das war eine der Management-Hauptaufgaben der letzten Jahre so von Bomhard weiter, und dies wird, neben der Digitalisierung, auch die Hauptaufgabe für den neuen Mann an der Spitze sein. Nicht unterschlagen sollte man in dem Zusammenhang auch, das die Munich Re seit 48 Jahren niemals die Dividende gesenkt hat und auch zukünftig nicht vorhat dies zu tun, wie von Bomhard abschließend bekundete.

“Den Wandel aktiv gestalten”, dieses Motto hatte die Munich Re der Veranstaltung vorangestellt und damit wohl auch schon die Richtung für den neuen Mann an der Spitze festgelegt. Auf Joachim Wenning wartet nichts anderes als ein weiter Sprung in die neue Welt von Null und Eins, in die Welt der Digitalisierung. Als Querschnittsthema betrifft dies alle Bereich der Industrie, Erstversicherer Ergo ebenso wie den Rückversicherer. Das Internet der Dinge (IoT) ist z.B. für Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek ein eminent wichtiger Ansatz:

Dass er hier nicht mehr in vorderster Front dabei sein kann, sondern “über den Gartenzaun zusehen muss”, ist für von Bomhards ein echter Wermutstropfen. Ob man den Manager mit dem feinem Humor nach der zweijährigen Cooling-off-Periode im Aufsichtsrat wiederfinden wird, ist zwar noch offen, aber die Chancen stehen “mehr als 50 Prozent”, so von Bomhard auf eine entsprechende Nachfrage. Als ein gut bestelltes Feld darf man das von Bomhardsche Erbe bezeichnen und die Schuhe sind auch für einen profilierten Mann wie Wenning groß in die er einsteigt. Zumal auch der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr die Latte weiter nach oben legt:

Nach der Hauptversammlung übernimmt zum 27. April 2017, Null Uhr, Joachim Wenning (52) die Konzernführung. (vwh/ak)

Bild: Nikolaus von Bomhard erläutert Zahlenwerk und Strategie der Munich Re auf der diesjährigen Bilanz-Pressekonferenz in München. (Quelle: Alexander Kaspar)

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