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Bohn: “Die PKV ist ein Verdrängungswettkampf”

06.07.2018 – hauptsitz_alte_leipzigerDer PKV-Versicherer ist tot, es lebe der Gesundheitsdienstleister. Der neue PKV-Kunde möchte einen Gesundheitspartner, die Hallesche möchte diesen Anforderungen mit dem Portal “hallesche 4u” begegnen, wie die Vorstände Christoph Bohn und Wiltrud Pekarek bei der Vorstellung betonen. Zudem wurden die heißen Eisen Pflege und Treuhänderunabhängigkeit angefasst.

Um den Anforderungen der Zeit Rechnung zu tragen, hat die Hallesche das Gesundheitsportal hallesche 4u gegründet, das sich nach dem Projektstart im Januar 2018 und dem Ablauf der Testphase bereits strammen Schrittes Richtung Einführung bewegt, die im September erfolgen soll. Die Idee ist einfach: Möglichst viele Menschen auf die Plattform ziehen, um möglichst oft Berührungspunkte mit diesen zu haben, doch anders als bei anderen Anbietern wird das Endprodukt über Gesundheitsaspekte weit hinausgehen.

Neben von Mitbewerbern bereits bekannten Funktionen wie Ansicht der Vertragsdaten und der im Konzern bereits bewährten Rechnungseinreichung per Foto können auch Gesundheitsdaten verwaltet und manuell bearbeitet werden. Die Erstellung eines Plans zur Medikamenteneinnahmen mit Erinnerungsfunktion per Smartphone ist ebenso möglich wie das Anlegen eines Impfprofils. Ein besonderer Clou ist, dass die verschriebenen oder selbst gekauften Medikamente einem Check unterzogen werden können, beispielsweise ob Unverträglichkeiten vorliegen.

Die Unterstützung bei medizinischen Fragen sowie individuelle Diagnose- und Therapieunterstützung sind weitere Optionen des Portals, beispielsweise verbirgt sich hinter der bereits existierenden Kaia-App eine Rückenschule mit Tipps und Hilfen und es existiert auch eine Smartphone Fitness-App, die später Bestandteil des Portals sein werden. Dass die Kunden solchen neuen Service verstärkt fordern, belegt auch die zunehmende Nutzung von Videosprechstunden, die die Hallesche bereits anbietet.

Die Plattformlösung wird offen für Anbindungen und Services aller Art sein, wodurch einzelne Dienstleistungen aus externen Wettbewerbsplattformen integrierbar seien werden. Der momentane Stand des Portals wird daher immer nur ein Zwischenschritt sein, die Weiterentwicklung erfolgt stetig, wie die Vorstände unisono betonen.

In einem zur Zeit noch in der Zukunft liegenden Projektstand werden auch externe Daten auf das Portal eingebunden werden können, zum Beispiel Daten aus Fitnessarmbänder oder Schlafaufzeichnungen per Smartphone, dadurch soll als Endziel eine Gesundheitsakte entstehen, die dem Kunden einen genauen Überblick über seine körperliche Verfassung, Diagnosen und weitere Gesundheitsaspekte ermöglicht. Wichtig dabei ist, dass der Kunde “Herr über seine Daten bleibt”, wie Pekarek betont. Das bedeutet, dass die Hallesche nicht auf die Akte zugreifen kann, wenn der Kunde es nicht erlaubt. Im Moment befinde ich das Projekt Gesundheitsakte noch im Aufbau, es soll frühestens im zweiten Halbjahr 2019 final ausgerollt werden.

Gesundheit nur eine Möglichkeit

Sicherlich, Kunden und Gesundheitsinteressierte werden die Plattform nutzen oder nutzen die Apps bereits, doch ist ein Versicherer immer auf der Suche nach neuen Interessenten. An dieser Stelle kommt der bereits bestehende digitale Finanz- und Versicherungsmanager “fin 4 u” der Alten Leipziger ins Spiel, eine App. mit der Kunden alle Arten von Bankgeschäften erledigen können. Die Finanz-App wird per Single-Sign-on mit der Gesundheitsplattform verbunden werden, wodurch eine andere Klientel angesprochen wird, die über den reinen Gesundheitsbereich vielleicht gar nicht mit der Halleschen in Berührung gekommen wäre. In die App können zudem sowohl unternehmenseigene wie später auch fremde Versicherungsverträge eingebunden werden.

Der Gedanke hinter dem Konstrukt ist einfach, den Konto- oder Fondsstand kontrolliert der Kunde öfter als er seine Versicherungsunterlagen nutzt oder Gesundheitsfragen stellt. Durch die permanente Nutzung der Finanz-App in Verbindung mit dem Portal bleibt die Alte Leipziger – Hallesche aber stets möglicher Ansprechpartner für Gesundheits-, Finanzierungs-, Fonds-, oder Versicherungsfragen. Im Grunde kann der Kunde mit fin 4 u einen Bank- und Versicherungsordner anlegen und sich gleichzeitig mittels hallesche 4u über Gesundheitsfragen informieren und beraten lassen – auch wenn er kein Kunde der Versicherung ist. Zudem ist die App über Schnittstellen praktisch unendlich erweiterbar, wobei die “Qualität der Dienstleistungen” aber laut Pekarek immer im Vordergrund stehe. “Digitalisierung müsse nachhaltig sein, das könne auch bedeuten, sich von Diensten oder Service zu trennen”, ergänzt Bohn.

Nachhaltige Digitalisierung und Wissen

Hinter dem Portal steckt jede Menge Versicherungs- und Technik-Knowhow. Der Dienstleister SDA, ein Joint Venture der MSG-Unternehmensgruppe und der Signal Iduna in Kooperation mit IBM Deutschland, sorgt für die Funktionalität und Sicherheit. Anders wäre das heute auch gar nicht möglich, erklärt Bohn, ein einzelnes Unternehmen können nicht “jede Dienstleistung und jeden Service im eigenen Haus entwickeln”, denn es gehe heutzutage “vor allem um die Geschwindigkeit”.

Die Zusammenarbeit mit Dritten ist laut Bohn essenziell: “Absolut nötig und erwünscht sind bei Plattformlösungen Kooperationen, sowohl mit anderen Versicherern wie auch externen Dienstleistern”. Es werde nicht viele Lösungen im Bereich Gesundheitsplattformen geben, “wahrscheinlich nicht mal eine Hand voll, dadurch würden “Kooperationen immer wichtiger”, erklärt Bohn.

Treuhänder und Pflege

Um gefühlt ein paar Grad kälter wurde es im Raum, als die Diskussion beim Thema Treuhänder und Beitragserhöhung angelangte. Allen Beteiligten ist klar, wenn der BGH die bisherigen Regelungen zur Unabhängigkeit des Treuhänders für unwirksam erklärt,  werden dadurch nicht nur zurückliegende Beitragserhöhungen unwirksam.

Man müsse das Urteil abwarten müsse und auch, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, erklärt Bohn. Ein klares Urteil für die eine oder andere Seite bezeichnete er als “unwahrscheinlich”. Damit bestätigt er indirekt, das von einem vollständigen Sieg der PKV nicht ausgegangen werden kann, womit er eine andere Position einnimmt wie andere PKV-Versicherer oder Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund.

Das ein Urteil gegen die PKV sowohl “akutarielle, wie auch bilanzielle Folgen” hätte, stellte Pekarek klar, wären doch neben Beiträge unter anderem auch Altersrückstellungen und Beitragsrückerstattungen neu zu berechnen. Beim Thema Pflege betonten Pekarek, dass es im eigenen Haus einen “guten Zuwachs” gebe, da Thema gesamtgesellschaftlich aber deutlich unterrepräsentiert und die Folgen nicht absehbar wären.

Das Thema PKV wird sich mittels Smartphone immer mehr in Richtung mobile Dienste, Vorsorge- und Gesundheits-Überwachungs-Apps entwickeln, dessen sind sich beide Vorstände einig. Das neue Portal soll dabei helfen, diese Entwicklung mitzuprägen und die Hallesche für die nächsten Jahrzehnte gut aufzustellen, denn der “PKV-Wettbewerb ist ein Verdrängungswettkampf, wie Bohn erklärt. (mv)

Bildquelle: Alte Leipziger

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