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Blackbox Telematik: Daten gegen Rabatte

09.03.2017 – konrad_komorowski_sollersVon Konrad Komorowski. Der Markt für Kfz-Versicherungen ist umkämpfter denn je und der Wettbewerb nimmt weiter Fahrt auf. Es sind nicht nur die etablierten Versicherer und die Insurtechs, die versuchen sich ein Stück vom großen Kuchen abzuschneiden. Neue Wettbewerber aus völlig unterschiedlichen Branchen drängen mit neuartigen Angeboten auf den Markt und könnten den Status quo erheblich erschüttern.

Der Anlauf von Google mit Google Compare mag vorerst gescheitert sein, aber eine neue Welle von Playern zeichnet sich bereits am Horizont ab. Mobilfunkanbieter verfügen über einen einzigartigen Schatz an Kundendaten und versuchen sich diesen zu Nutze zu machen und weiter auszubauen. Die britische Telefónica-Tochter O2 hat bereits vor einigen Jahren eine eigene Kfz-Versicherung ins Leben gerufen, welche jetzt um ein neues Usage Based Insurance (UBI) Tarifmodell erweitert wurde. Der Mobilfunkanbieter hat ein Paket geschnürt, welches eine eigene Telematik-Blackbox beinhaltet. Dadurch ist das Unternehmen in der Lage das individuelle Fahrverhalten zu erfassen und maßgeschneiderte Versicherungsprämien für die Kunden zu berechnen. Zudem wird sicheres Fahrverhalten gefördert, da ein defensiver Fahrstil mit ermäßigten Prämienzahlungen belohnt wird. Es ist wahrscheinlich, dass die Kombination der Daten zu Wettbewerbsvorteilen gegenüber Versicherern führen könnte.

Das Angebot von O2 soll insbesondere jüngere Fahrer ansprechen, die nicht nur hohe Preise scheuen, sondern auch im Vergleich zu älteren Generationen viel eher dazu bereit sind, ihre persönlichen Daten zu teilen, wenn daraus ein Vorteil resultiert. UBI kann unbestritten zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr beitragen, da direkte finanzielle Anreize für die Fahrer geboten werden. Zusätzlich tragen teilautonome Fahrzeuge, wie beispielsweise von Tesla, dazu bei, die Zahl von Schadensfällen zu verringern. Dies stellt jedoch auch eine Herausforderung für etablierte Versicherer dar, die oftmals in hohem Ausmaß von Kfz-Versicherungen abhängig sind. Die Höhe der versicherbaren Risiken könnte laut einer Analyse von BCG um bis zu 80 Prozent einbrechen. Ein solch drastischer Rückgang würde den Markt unter Druck setzen, nach alternativen Einnahmequellen zu suchen.

Eine mögliche Richtung zeichnet sich bereits durch Versicherer ab, die mit dem oben erwähnten Automobilhersteller Tesla kooperieren. AXA hat sich dem “InsureMyTesla” Programm angeschlossen, in welchem eine maßgeschneiderte Autoversicherung im Gesamtpreis des Fahrzeuges eingerechnet ist. Derartige Angebote wurden Ende 2016 in Hongkong, einer Stadt mit einer der höchsten Tesla-Dichte, eingeführt und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis vergleichbare Angebote in anderen Ländern verfügbar sind.

Die Rolle der Versicherer in diesen Entwicklungen deutet darauf hin, dass sich ein neuer vielversprechender Marktbereich in Kooperationen und dem Rückversicherungsgeschäft abzeichnet. Die traditionelle Rolle des Erstversicherers wird durch den Eintritt neuer Marktteilnehmer zusehends unter stärkeren Druck geraten. Die Zukunft der Versicherung wird im Vergleich zu heute sehr unterschiedlich sein, was nicht zwangsläufig mit einem Untergang gleichzusetzen ist. Die Versicherer, die in der Lage sind flexibel zu reagieren und sich den Veränderungen anzupassen, haben die Chance enorm zu profitieren.

Bild: Konrad Komorowski ist Consultant bei Sollers Consulting (Quelle: Sollers)

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