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Allianz will Euler Hermes nun ganz schlucken

28.11.2017 – eulerhermes_sitzhamburgDie Shopping-Tour von Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte geht weiter in die nächste Runde. Nun will der Münchener Konzern den Kreditversicherer Euler Hermes ganz übernehmen. Dafür will die Allianz die Aktien der Minderheitsaktionäre zu einem Kaufpreis von 122 Euro je Aktie übernehmen. Damit dürfte der Deal die Allianz rund 1,5 Mrd. Euro kosten.

Derzeit hält der Versicherer rund 63 Prozent am Kreditversicherer. Wie der Konzern am Montag mitteilte, habe man bereits mit einigen Aktionären den Erwerb eines Anteils von 11,34 Prozent gegen Zahlung von 122 Euro je Aktie vereinbart. Damit wird sich der Anteil der Allianz am Grundkapital und an den Stimmrechten von Euler Hermes auf 74,34 Prozent, teilte der Konzern weiter mit.

Zudem entspreche der Kaufpreis einer Prämie von 20,7 Prozent verglichen mit dem Schlusskurs der Euler Hermes Aktie am vergangenen Freitag, heißt es bei der Allianz weiter. An der bisherigen Unternehmensstrategie und dem Geschäftsmodell des Kreditversicherers soll sich hingegen nichts ändern, heißt bei der Allianz weiter. Auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrats von Euler Hermes soll unverändert bleiben.

Größter Einkauf unter Bätes Ägide

Jedenfalls ist die milliardenschwere Komplett-Übernahme von Euler Hermes der bislang größte Einkauf unter der Ägide von Allianz-Chef Oliver Bäte. Erst im August hatte die Allianz den britischen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit Liverpool Victoria für rund 770 Mio. Euro. Der Konzern selbst sieht die Übernahme zudem als “folgerichtigen Schritt im Rahmen des gezielten Kapitaleinsatzes in strategisch wichtigen Geschäftsbereichen mit solider operativer Performance”.

Der Kreditversicherer wurde am 7. Oktober 1917 in Berlin als “Hermes Kreditversicherungsbank AG” gegründet und ist seitdem zu einem der weltgrößten Kreditversicherer sowie zum Marktführer in Deutschland aufgestiegen.

Zu einem besonders lukrativen Geschäft haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg die sogenannten Hermes-Bürgschaften entwickelt. Euler Hermes wickelt dabei seit 1949 die vom Bund versicherten Exportgeschäfte als Mandatar im Auftrag der Bundesregierung ab.

“Hermesdeckungen sind eine wichtige Alternative für deutsche Exporteure in Bereichen, in denen private Kreditversicherer kein Angebot bereit halten, insbesondere in risikoreicheren Entwicklungsländern oder bei besonders großvolumigen und langfristig finanzierten Exportgeschäften”, konstatierte jüngst Deutschlandchef Ron van het Hof.

Neue Kfz-Versicherung

Die Allianz ist aber nicht nur im Großen beschäftigt, sondern auch im Kleinen. Seit Oktober 2017 hat der Versicherer einen neue Kfz-Versicherungs-Baustein, die die Kosten deckelt. Das bedeutet, dass Erhöhungen der Typ- und Regionalklasse sich nicht mehr auswirken; dasselbe gilt aber auch für Abschläge in diesem Bereich.

Der Schadenfreiheitsrabatt ist von der Deckelung ausgenommen, sodass Unfälle die Versicherung weiterhin verteuern. Nach Auskunft der Münchener kann der Tarifbaustein in den “Produktlinien Komfort und Premium der neuen Allianz Autoversicherung” integriert werden.

Angeboten wird der “marktweite neue” Baustein vorerst nur in den Agenturen, da “eine umfangreiche Beratung durch geschulte Vertreter für die Kunden wichtig ist.” Die Allianz hat den Baustein nach einer Befragung von 170.000 Kunden entwickelt.

Alles neu bei Allianz X

Die Wagniskapital-Einheit der Münchener, Allianz X, ändern ihre Strategie und Führung. Damit soll das Unternehmen auf “langfristigen Erfolg” ausgerichtet werden. Aufgeben werden die Münchener den “Aufbau neuer Unternehmen in einer frühen Entwicklungsphase”. Der Fokus liegt ab sofort auf Investments in “Digitalinitiativen mit strategischer Relevanz”, und zwar in den fünf Ökosystemen Mobilität, vernetzte Gebäude, vernetzte Gesundheit, Vermögensmanagement und Altersvorsorge sowie Datenintelligenz und Internetsicherheit.

An der Spitze des Unternehmens hat die neue Ausrichtung Folgen: Nazim Cetin, seit August Co-CEO von Allianz X, übernimmt mit sofortiger Wirkung die alleinige Unternehmensführung. Der vorherige Chef Peter Borchers wird der Allianz bei Digitalthemen weiterhin zur Seite stehen. (vwh/td/mv)

Quelle: Sitz von Euler Hermes in Hamburg. (Quelle: Euler Hermes)

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