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Allianz-Chef Bäte geht shoppen

07.08.2017 – oliver_baete_akDas Rekordquartal der Allianz hat es möglich gemacht: Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte kann seine lang erhoffte erste Übernahme vermelden. So bestätigte die Allianz am Freitag die Gründung des Joint Venture LV= General Insurance mit dem britischen Versicherer Liverpool Victoria Friendly Society. Zudem beteiligt sich die Allianz an der spanischen Gas Natural SDG SA.

Demnach will die Allianz in zwei Schritten mit 69,9 Prozent die Mehrheit am Schaden- und Unfallgeschäft der Liverpool Victoria Friendly Society übernehmen. In der ersten Transaktionsphase will der Münchener Versicherer für einen Kaufpreis von etwa 500 Mio. Pfund einen Anteil von 49 Prozent an Liverpool Victoria General Insurance (LV= GI) übernehmen. Der erste Transaktionsschritt soll bereits im zweiten Halbjahr 2017 abgeschlossen sein. Im zweiten Schritt ist dann der Erwerb von weiteren 20,9 Prozent der Anteile über einen Terminkauf von 213 Mio. Pfund geplant. Diese Transaktionsstufe soll nach Unternehmensangaben 2019 vollzogen werden.

Nach Unternehmensangaben soll LV= General Insurance mit jährlichen Prämieneinnahmen von über 1,7 Mrd. Pfund (etwa 1,9 Mrd. Euro) zur Nummer drei des britischen Privatversicherungsmarktes aufsteigen. “Diese Partnerschaft dient an erster Stelle unseren Kunden, die nunmehr Zugang zu einem breiten Versicherungsangebot erhalten, das von der Kapitalkraft der Allianz profitiert. Wir schätzen an LV= insbesondere seine starke Marke und seine Marktstellung”, kommentiert Vorstandschef Oliver Bäte den ersten erfolgreichen Zukauf seiner Amtszeit.

“Diese Vereinbarung verschafft LV= eine gute Zukunftsperspektive für das Schaden-, Unfall- und Lebensversicherungsgeschäftsowie im Pensionsgeschäft. Die strategische Partnerschaft mit der Allianz ermöglicht uns, weiterhin am Wachstum des britischen Versicherungsmarkts zu partizipieren und versetzt uns dank einer verbesserten Kapitalposition in die Lage, das Lebens- und Pensionsgeschäft weiter auszuweiten sowie Chancen zu nutzen, die sich aus der Digitalisierung ergeben”, ergänzt Richard Rowney, Chief Executive von LV=.

Vorbild für weitere Übernahmen?

Dennoch gibt sich er Allianz-Manager vorsichtig zurückhaltend: “Akquisitionen sind extrem schwierig, weil die Märkte auf der Aktienseite überbewertet sind. “Einfach mal Geld auf den Tisch legen, um Umsatz zu kaufen, das wird die Allianz nicht tun. Wir haben nicht die Notwendigkeit, unbedingt Geld ausgeben zu müssen.”

Jedenfalls scheint der Einstieg bei LV= für Bäte ein Muster für andere Übernahmen werden zu können. Auch in Deutschland gebe es viele Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit: “Ich glaube, dass sich die Welt sehr verändern wird. Wir freuen uns sehr, sie zu unterstützen.”

Bislang galten solche Kooperationen in Deutschland zwischen kundenorientieren Genossenschaftsversicherern und gewinnorientieren Aktiengesellschaften als eher unvereinbar. Aber: “Die alte Welt wird in Zukunft nicht mehr gelten”, zeigt sich Bäte sicher. Daher könne die Allianz künftig ein potenzieller Partner vor Versicherungsvereine sein. “Unsere Telefonnummer ist bekannt”, betont Bäte.

Allianz beteiligt sich an spanischem Gasnetz

Gleichzeitig investiert die Allianz weiter konsequent in Infrastrukturprojekte. Wie sich bereits am Donnerstag abgezeichnet hat, hat spanische Gas Natural SDG SA hat 20 Prozent ihres Gasverteilungsnetz in Spanien an Allianz Capital Partners und das kanadische Pension Plan Investment Board verkauft.

Der Kaufpreis liegt nach Unternehmensangaben bei 1,5 Mrd. Euro. Die Transaktion soll laut ACP bis Januar 2018 abgeschlossen sein. Bereits Ende 2016 hat die Allianz einen ähnlichen Deal mit E.ON Distribuţie România in Rumänien abgeschlossen. Zudem beteiligt sich die Allianz bereits am britischen Gasnetz des Betreibers National Grid.

Starke Performance von Investmenttochter Pimco

Immerhin hat die Allianz nun augenscheinlich ein Sorgenkind weniger. Demnach verbuchte die Allianz-Fondstochter Pimco im zweiten Quartal dieses Jahres unter dem Strich einen Kapitalzufluss von rund 52 Mrd. Euro. “Pimco hat sich wieder zu einem starken Antrieb der Ergebnisse der Allianz-Gruppe entwickelt”, gibt sich Finanzvorstand Dieter Wemmer zufrieden. So habe allein ein Großkunde rund 19 Mrd. Euro bei der US-Investmenttochter angelegt.

Wie die Allianz weiter mitteilte, stiegen die operativen Erträge im Investementgeschäft im ersten Halbjahr um 10,1 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro. Demnach verwaltet der Münchener Versicherungskonzern aktuell ein Vermögen in Höhe von 1.915 Mrd. Euro, was einem satten Plus von 44 Mrd. Euro im Vergleich zum Jahresende 2016 entspricht.

Allianz bestätigt gute Quartalszahlen

Auch mit den sonstigen Konzernzahlen kann sich die Allianz wie bereits angekündigt durchaus sehen lassen. So stieg der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr um 2,3 Prozent auf 66,2 Mrd. Euro (2016: 64,8 Mrd. Euro). Der Gewinn stieg gar um 15,7 Prozent auf 5,860 Mrd. Euro (2016: 5,063 Mrd.).

In der Sach- und Unfallsparte stiegen die Bruttobeitragseinnahmen im ersten Halbjahr 2017 währungsbereinigt um 1,2 Prozent leicht auf 29,4 Mrd. Euro (2016: 28,9 Mrd.). Wachstumstreiber waren demnach vor allem die positiven Entwicklungen bei Allianz Worldwide Partners in Deutschland und Spanien. Der Gewinn stieg um 5,2 Prozent auf 2,705 Mrd. Euro (2016: 2,572 Mrd.). Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich im ersten Halbjahr um 0,2 Prozentpunkte auf 94,6 Prozent. “Wir haben im Geschäftsbereich Schaden- und Unfallversicherung hervorragende Fortschritte im Underwriting und durch die Stabilisierung des Kapitalanlageergebnisses gemacht”, kommentiert Finanzvorstand Wimmer.

In der Leben- und Krankensparte legten die Prämieneinnahmen um 2,0 Prozent auf 33,6 Mrd. Euro (2016: 33,0 Mrd.) zu. Der Gewinn stieg nach Unternehmensangaben um 22,7 Prozent auf 2,282 Mrd. Euro (2016: 1,859 Mrd.). Im Neugeschäft legte die Allianz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29,9 Prozent auf 922 Mio. Euro (2016: 710 Mio.) zu. “Der Geschäftsbereich Lebens- und Krankenversicherung hat in diesem schwierigen Umfeld ein starkes Wachstum erzielt”, kommentiert Wemmer. “Der Neugeschäftswert ist allein im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel gestiegen. Der Grund dafür ist, dass wir Produkte anbieten konnten, die den Kunden die Chance auf höhere Rendite ermöglichen, ohne unsere Bilanz zu belasten”, erläutert der Allianz-Finanzvorstand.

Bei der Prognose für das laufende Geschäftsjahr gibt sich Allianz-Chef Bäte jedenfalls weiter optimistisch: “Wir können nun sagen, dass wir mit einem operativen Ergebnis für 2017 am oberen Endes der Zielspanne von 10,8 Mrd. Euro, plus oder minus 500 Millionen Euro, rechnen können”. (vwh/td)

Bild: Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE (Quelle: ak)

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