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AGCS: Rückrufrisiken nehmen deutlich zu

06.12.2017 – passende Teile_S. Hofschlaeger_pixelio.deOb fehlerhafte Teil in einem Fahrzeug oder schadhafte Bestandteile in der Ernährung – in allen Fällen sind entsprechende Produktrückrufe die Folge. Allerdings haben entsprechende Rückrufrisiken in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen, warnt nun der Industrieversicherer AGCS. Gleichzeitig steige auch das Potenzial für größere und komplexere Schäden immer weiter.

So haben die Experten der Allianz-Tochter im Rahmen einer aktuellen Studie zwischen 2012 und dem ersten Halbjahr 2017 insgesamt 367 Produktrückrufforderungen aus 28 Branchen in zwölf Ländern analysiert. Demnach belaufen sich die durchschnittlichen Kosten einer Rückrufaktion laut AGCS auf rund 10,5 Mio. Euro. Allerdings haben die Kosten für einige große Rückrufe diese Summe deutlich überschritten, konstatiert der Industrieversicherer weiter.

Dabei seien allein mehr als 50 Prozent aller Schäden auf lediglich zehn Produktrückrufe zurückzuführen. Dazu zählen unter anderem die fehlerhaften Airbags des japanischen Herstellers Takata mit einer Schadensumme von etwa 25 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015, die fehlerhaften Akkus des Samsung-Smartphones Galaxy Note 7 (Kosten: rund fünf Mrd. US-Dollar) im vergangenen Jahr, oder fehlerhafte Autopedale des japanischen Automobilherstellers Toyota mit geschätzten Rückrufkosten von drei Mrd. US-Dollar.

Automobilindustrie ist am stärksten betroffen

Am meisten betroffen von entsprechenden Rückrufaktionen ist laut AGCS vor allem die Automobilindustrie mit 42 Prozent der Schäden. Dahinter folgen mit weitem Abstand die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie (18 Prozent) und sowie die Hersteller von Haushaltsgeräten (zehn Prozent). Auch bezogen auf die Schadenhöhe liegt die Automobilindustrie mit einem Anteil von 71 Prozent klar an der Spitze. Auf Rang zwei rangiert die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie mit einem Anteil von 16 Prozent, sowie der IT-/Elektroniksektor (Anteil von drei Prozent) auf dem dritten Platz.

“Automobil-Rückrufe machen über 70 Prozent der Summe aller analysierten Schäden aus, was angesichts der jüngsten Rekordaktivitäten sowohl in den USA als auch in Europa wenig überraschend ist. Wir sehen immer mehr Rückrufe mit immer mehr betroffenen Fahrzeugen in der Automobilindustrie”, erläutert Carsten Krieglstein, Regional Head of Liability, Central & Eastern Europe, AGCS.

“Dazu tragen Faktoren wie anspruchsvollere Technik, verkürzte Produkttestzeiten, Outsourcing von Forschung und Entwicklung und zunehmender Kostendruck bei. Der technologische Wandel in der Automobilindustrie hin zur elektrischen und autonomen Mobilität wird weitere Rückrufrisiken mit sich bringen”, ergänzt der Experte.

So wurden bis dato bei einer der bis dato größten Rückrufaktionen in der Branche etwa 60 bis 70 Millionen Fahrzeuge von mindestens 19 Herstellern weltweit in die Werkstätten zurückgeholt. Die Kosten dafür schätzt der Industrieversicherer auf fast 21 Mrd. Euro. Dies verdeutliche den zunehmenden “Domino-Effekt”, der sich auf den Automobilsektor, aber auch auf andere Branchen auswirkt, konstatieren die AGCS-Experten.

“Wir sehen heute Rekordzahlen bei Rückrufaktionen in Bezug auf Größe und Kosten”, betont Christof Bentele, Head of Global Crisis Management bei AGCS. Die Gründe dafür seien jedoch vielseitig, darunter eine strengere Regulierung und härtere Strafen, der Aufstieg großer multinationaler Konzerne und komplexere globale Lieferketten. Auch das wachsende Bewusstsein der Verbraucher, die Auswirkungen des wirtschaftlichen Drucks in Forschung, Entwicklung und Produktion und die zunehmende Bedeutung von Social Media spielen nach Ansicht des Experten dabei eine Rolle.

Nahrungsmittel: Manipulationen und Erpressung nehmen zu

In der Nahrungs- und Getränkemittelindustrie liegen die durchschnittlichen Kosten für einen größeren Produktrückruf nach den Berechnungen des Industrieversicherers bei etwa acht Mio. Euro. Besonders zu schaffen machen den Herstellern dabei vor allem nicht deklarierte Allergene (einschließlich Fehlbeschriftung von Inhaltsstoffen) und Krankheitserreger.

Auch die Kontamination durch Glas-, Kunststoff- und Metallteile. Böswillige Manipulationen und sogar Erpressungsvorfälle stellen eine zunehmende Bedrohung dar, heißt es in der Studie weiter. Selbst Lebensmittelbetrugsfälle wie der Pferdefleischskandal in Großbritannien vor vier Jahren treten gehäuft auf und verursachen neben finanziellen Verlusten auch beachtliche Reputationsschäden, betonen die Studienautoren von AGCS.

Cyber ist “ein noch unterschätztes Rückrufrisiko”

Selbst Cyberrückrufe können laut AGCS zunehmend Realität werden. So könnten Hacker ein Produkt verändern oder kontaminieren, indem sie in automatisierte Produktionsanlagen eindringen und die Steuerung von Maschinen übernehmen. “Cyber ist derzeit ein noch unterschätztes Rückrufrisiko”, sagt Bentele.

“Es gab jedoch bereits erste Rückrufe aufgrund von Sicherheitslücken in Autos oder Kameras. Auch innovative, aber noch kaum getestete Technologien, wie künstliche Intelligenz und Nanotechnologie, könnten das Rückrufrisiko verändern”, erläutert der Experte.

“Es wird jetzt viel mehr darauf geachtet, wie Unternehmen mit fehlerhaften oder verunreinigten Produkten umgehen, wie schnell sie reagieren und wie zuverlässig sie in Sachen Produktsicherheit sind. Mehr denn je melden sich auch Verbraucher zu Wort und machen ihre Konsumentscheidungen davon abhängig, wie Unternehmen mit Krisen umgehen. Ein Unternehmen, das Krisenmanagement als Teil seiner DNA versteht, ist weitaus weniger anfällig für einen großen Skandal”, ergänzt Bentele. (vwh/td)

Bildquelle: S. Hofschläger / PIXELIO (www.pixelio.de)

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