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Adessos IT-Lösung hilft Depressionspatienten

15.02.2017 – Andreas Hitzbleck_AdessoDer IT-Dienstleister Adesso hat eine umfassende Lösung zur langfristigen Betreuung von Depressionspatienten entwickelt. Das Ziel ist die frühzeitige Erkennung von depressiven Episoden der Betroffenen anhand von Indikatoren. Diese werden mittels Sensoren im Umfeld des Erkrankten erfasst und ausgewertet. VWheute wollte genaueres wissen und hat bei Andreas Hitzbleck, Leiter des Geschäftsbereichs Health bei Adesso nachgefragt.

Adesso arbeitet mit der “Stiftung Deutsche Depressionshilfe” und der Universität Leipzig im Rahmen des Forschungsprojektes STEADY des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen. Die IT-Schmiede entwickelt dabei eine prototypische IT-Infrastruktur mit Front- und Backendlösungen zur Erhebung von relevanten Patientendaten. Anhand der gemessenen Parameter werden über Algorithmen Bioindikatoren berechnet, mit denen Patienten frühzeitig darauf hingewiesen werden, dass sich ihre Erkrankung wieder anbahnen könnte. Als Studienteilnehmer haben sich Ambulanzpatienten der Universitätsklinik Leipzig freiwillig zur Verfügung gestellt, die an einer “unipolaren Depression” leiden und spezieller Behandlung bedürfen.

Wie genau die Datenerhebung funktioniert, welche Datensätze erhoben werden und wie das Projekt vermarktet wird, erläutert Andreas Hitzbleck im Interview mit VWheute.

VWheute: Was genau meinen Sie mit “Sensoren im Umfeld des Patienten” und was zeichnen diese Sensoren wann auf? Mit welchen Hilfsmitteln werden die Patienten ausgestattet und welche Daten erhoben?

Andreas Hitzbleck: Mit modernen Fitnessarmbändern und ihren Sensoren lassen sich Herzschlag, Herzrhythmus, Herzratenvariabilität und der Hautwiderstand messen. Ein Smartphone mit Fitness-App kann die Schritte zählen und damit die körperliche Aktivität des Patienten messen. Sensoren unter der Matratze erfassen via Bewegungsmessung, wie ruhig oder unruhig ein Patient schläft. Zudem werden die Bett- und Schlafzeiten des Patienten protokolliert – von ihm selbst, durch ein Bioindikatoren-Armband, oder durch eine Kombination aus beidem. Außerdem erlaubt der Patient, dass durch die Auswertung der Smartphone-Nutzung soziale Indikatoren von ihm erfasst werden. Wie häufig jemand telefoniert, SMS schreibt oder Soziale Medien nutzt, lässt Rückschlüsse darauf zu, ob er sozial aktiv ist oder sich zunehmend sozial isoliert – was auf einen depressiven Schub hindeuten kann.

VWheute:Der Erkrankte soll ein “Stimmungstagebuch” führen. Wer wertet das aus? Ist ihre Software so ausgeklügelt, dass sie Diagnosen aus schriftlicher Wiedergabe vornehmen kann?

Andreas Hitzbleck: Das System richtet sich an Personen, die bereits als “unipolar depressiv” diagnostiziert wurden, deshalb stellt es selbst keine Diagnose. Es soll dabei helfen, dass die betroffenen Patienten in der Wartezeit zwischen der Diagnose und dem Beginn der Therapie besser versorgt werden. In Deutschland können Depressionspatienten mitunter monatelang auf eine Therapie warten. Mit der Lösung, die Steady anstrebt, kann der Patient in der Zwischenzeit Unterstützung in dieser “Versorgungslücke” erfahren.

Das Stimmungstagebuch führt der Patient, indem er zweimal pro Tag rund fünf Minuten an seinem Smartphone anhand von Skalenwerten angibt, wie er sich fühlt. Diese Daten fließen dann in das Gesamtbild zum aktuellen Status des Patienten ein, das die Software anhand sämtlicher Informationen erstellt.

VWheute: Ist es geplant, das Projekt mit Versicherern Patienten anzubieten? Soll es in den Versicherungsmarkt eingeführt werden – und wann?

Andreas Hitzbleck: Wir werden die Ergebnisse dieses Projektes später dort einsetzen, wo es sinnvoll ist und vermarktet werden kann. Versorgungsmanagement-Initiativen gibt es sowohl in der GKV als auch in der PKV.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Andreas Hitzbleck (Quelle: Adesso)

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