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Die Versicherer – mittendrin, aber nicht dabei

19.04.2016 – mertesMedienkommentar von Heinz Klaus Mertes. Das war so ein TV-Abend, der im Gefüge des Informationsmilieus bleibende Meinungsakzente setzt. So der ARD-Talk “Anne Will” vorgestern über Altersarmut und das Versagen des Sozialstaats. Eine hochrangig besetzte Diskursrunde mit Multiplikatoren und Gestaltern von Sozialpolitik und Vorsorgebotschaften. Die Versicherer fehlten, aber gesprochen wurde über sie schon.

Die mediale Bugwelle des Megathemas “Rente und Altersarmut” ging voraus. Von ganzen Boulevardserien mit Millionen-Leserschaft bis zu den Intelligenz- und Wirtschaftsblättern – und natürlich sämtlichen Radio- und TV-Kanälen schob sich schon in den vergangenen Wochen diese sozialpolitische Dringlichkeit in den Vordergrund. Zusätzlich forciert mit polarisierter politischer Richtungsdiskussion. Anne Will surfte diese hochgehende Welle vergangenen Sonntag ab mit ihrem Talkdiskurs im Ersten.

Sendetitel: “Heute kleiner Lohn, morgen Altersarmut – Versagt der Sozialstaat?” Position bezogen in der Runde NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, DIW-Präsident Marcel Fratzscher, Rainer Hank, publizistisch machtvoller Ressortleiter der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sowie proporzgerecht der Vorsitzende des Verbands Junger Unternehmer und einer Bezirksvorsitzenden der IG Bau, die als “Putzfrau” eingeführt wurde.

“Altersarmut verflacht zum Klagelied” lautet die rezensive Fazitüberschrift von WiWo online zu dem nationalen TV-Talk Nummer Eins. Die Zuschauer konnten lernen: Riester ist gescheitert. Der Fehler privater Vorsorgemodelle darf nicht noch einmal befördert und gefördert werden. Angeblich heilsbringende Alternative – die so genannte “Deutschlandrente”, natürlich vom Staat.

Gegen so viel Trendwucht live kommt dann die nach der Sendung gegen Mitternacht von GDV-Mann Peter Schwark treffend und tapfer bei Xing eingespeiste Kommentierung “Die Riester-Rente ist eine global einzigartige Erfolgsgeschichte” im Mainstream wohl nur schwer an. Besser wären sicher ein Kopf und eine Stimme der Versicherer mit Zitierreichweite in der ARD-Runde selbst gewesen. Offenbar kam man in der Redaktion bei der Planung nicht auf die Idee, zu diesem originären Thema in deren Kompetenz-Netz anzufragen. Man hätte von dieser Seite bestimmt nicht Nein gesagt. Jetzt hat man mit einer Folgeberichterstattung zu tun, deren Richtung bei aller Infoanstrengung in Verbands- und Branchenportalen programmiert scheint.

Zwingende Schlussfolgerung: Bei solchen existentiellen Richtungsfragen der finanziellen Lebensplanung gehören die Versicherer qua sozialpolitischer Kompetenz und qua Marktauftrag an die großen medialen Lagerfeuer. Es müssen nicht einmal immer Vertreter von Verbänden und Unternehmen sein. Es braucht Köpfe und Stimmen. Dutzende von versicherungswissenschaftlichen und -wirtschaftlichen Institute in Deutschland gibt es zum Beispiel mit noch mehr Professoren. Dass man deren Expertise, Autorität und Überzeugungskraft seitens der Medien nicht sucht, sollte Anlass zu Überlegungen sein, vielleicht auch zur Tat. (hkm)

Link: Die Statements der Sendung “Anne Will”

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