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ZZR-Kritik eint Verbraucherschützer und Branche

02.02.2017 – axel_kleinlein_bdvDass die Zuführung zur Zinszusatzreserve (ZZR) die Lebensversicherer immense Kraftanstrengungen kostet und zu Lasten von Unternehmen wie Kunden geht, ist nicht neu. In die Kritik um die Berechnung der von der Branche als grundsätzlich sinnvoll angesehenen Bildung eines Puffers für die klassischen Garantien im Deckungsstock stimmen nun verstärkt Verbraucherschützer ein.

“Die Zinszusatzreserve explodiert – Der Verbraucher verliert”, reimt der Bund der Versicherten (BdV). Die Branchenverbände wie GDV oder DAV kämpfen seit Jahren dafür, dass die Lebensversicherer mehr Zeit bekommen, die ZZR aufzubauen. Mit Blick auf das Polster von nunmehr 44,1 Mrd. Euro hatte die Bundestagsfraktion Die Linke jüngst beklagt, dass “dem Überschusssystem Gelder entzogen werden, die den Kunden für ihre Altersvorsorge später fehlen.”

Der BdV fordert von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), dringend für eine Lockerung der gesetzlich vorgeschriebenen überzogenen Reservebildung zu sorgen. Doch bei der Bafin hat man schon mehrfach abgewunken. Auf verschiedenen Konferenzen hatte der oberste Versicherungsaufseher Frank Grund erklärt, dass sich die ZZR nur per Gesetz ändern lasse – und dies beim Gesetzgeber für diese Legislaturperiode nicht (mehr) auf der Agenda stehe.

Der BdV bemängelt auch, dass die gutverzinsten Altverträge (von bis zu vier Prozent) auf Kosten der jüngeren Verträge subventioniert würden. Bei der ZZR in dieser Höhe handele es sich um nichts anderes, als um eine Zwangsumlage, die den kapitaldeckenden Charakter der Lebensversicherung ad absurdum führe. “Einer ohnehin schon schlechten und unrentablen Sparform wird durch schlechte politische Vorgaben das Genick gebrochen“, so BdV-Chef Axel Kleinlein.

In ihrer aktuellen Marktstudie zu den Überschussbeteiligungen und Garantien kann die Ratingagentur Assekurata ihre auf 196 Mrd. Euro geschätzte Zinszusatzreserve (ZZR) bis 2025 nun auch plausibilisieren. Denn erstmals hatte Assekurata auch den durch das LVRG definierten Sicherungsbedarf bei den Studienteilnehmern abgefragt und hochgerechnet.

Für 2016 schätzt Assekurata die ZZR-Zuführung auf 13 Milliarden Euro. Angesichts der in den nächsten Jahren noch wachsenden finanziellen Belastungen fürchtet sie um den ein oder anderen Lebensversicherer. “Es kann passieren, dass Gesellschaften in der HGB-Welt dadurch insolvent werden, während sie unter Solvency II mit der Übergangsfrist von 15 Jahren solvent sind. Und wie soll das dann ein Verbraucher verstehen?”, so der Assekurata-Chef Reiner Will. (lie)

Bild: Axel Kleinlein (Quelle: BdV)

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