Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 


- Anzeige -

Zurich-Chef Greco führt Sparkurs konsequent durch

23.01.2017 – Strategic Update: The Future of FinanceWie angekündigt streicht die Zurich 240 Stellen in Großbritannien, vor allem im Innendienst. Hintergrund der Entscheidung ist die Zusammenlegung des britischen Lebens- und Sachversicherungsgeschäfts. Gleichzeitig investiert Konzernchef Mario Greco jedoch 100 Mio. Euro in die Nachhaltigkeit und zudem bringt die Deutschland-Tochter eine der sinnlosesten Policen auf den Markt, die es laut Verbraucherschutz gibt: die Hochzeitsversicherung.

Bereits Anfang Januar dieses Jahres hatte der Schweizer Versicherer angekündigt, dass in der Eidgenossenschaft weitere 123 Stellen gestrichen werden sollen – 71 Entlassungen oder Frühpensionierungen mit eingeschlossen. Auch in Deutschland scheint Effizienz groß geschrieben zu werden, die drei Rhein-Main-Standorte sollen im kommenden Jahr zu einem Direktionsstandort im Frankfurter Stadtzentrum zusammengeschlossen werden.

Auf dem Investorentag in London setzte sich Zurich im November neue Finanziele: Die Kosten sollen bis Ende 2019 im Vergleich zu 2015 um 1,5 Mrd. US-Dollar gesenkt werden, basierend auf den Kosten von 2015. Damit erhöhte Mario Greco die geplanten Einsparungen um eine halbe Mrd. Euro. Mitverantwortlich für die Transformationspläne war Claudio Gienal, der vor einem Monat überraschend den Konzern verließ. Medienberichten zufolge strebte Gienal eine hochrangige Position im operativen Zurich-Geschäft an, nachdem er die Strategie definiert hatte. An den Sparplänen ändert das nichts. Für den Standort hierzulande bedeutet das: “Bis Ende 2018 wird es keine weiteren Veränderungen über den angekündigten Beschäftigungsabbau von 859 Stellen geben”, teilte Zurich Deutschland mit. “Unsere Strategie besteht nicht darin, Jobs zu streichen”, erklärte der Zurich-Chef in einem Interview.

Nachhaltigkeitsanleihen und Sorglos-Pakete für Hochzeitspaare

Und dennoch: In Fragen der Ausgabenpolitik scheint der Versicherer weiterhin nach dem Prinzip “klotzen statt kleckern” zu verfahren. Demnach teilte die Zurich Deutschland am Freitag mit, 100 Mio. Euro in Wertpapiere investieren zu wollen, die vom Bundesland Nordrhein-Westfalen ausgegeben werden. Aus den Erlösen sollen nach Unternehmensangaben vor allem Landesprojekte und -Initiativen mit ökologischem und/oder sozialem Nutzen finanziert werden.

Dazu zählen laut Zurich unter anderem Forschung zu Bildung und Nachhaltigkeit, Inklusion und sozialer Zusammenhalt, öffentlicher Verkehr und örtliche Mobilität, Klimaschutz und Energiewende, Schutz natürlicher Ressourcen, nachhaltige städtische Entwicklung und Modernisierung von Einrichtungen für Bildung und Gesundheitswesen. “Das Nachhaltigkeitsanleihenprogramm von Nordrhein-Westfalen setzt einen neuen Maßstab in Bezug auf Transparenz und Prozesse im Bereich grüner und sozialer Anleihen”, kommentiert Michael Leinwand, Chief Investment Officer der Zurich Deutschland das Investmentprogramm, welches auf 30 Jahre angelegt ist.

Neben Nachhaltigkeits-Investitionen tut die Zurich auch was für Hochzeitspaare. Die neu lancierte Hochzeitsversicherung soll bei allen unterschiedlichen Eventualitäten greifen, die zur Absage oder zur Verschiebung der Hochzeit führen können. Dazu zählen laut Zurich unter anderem ernsthafte Erkrankungen, ein schwerer Unfall oder der Tod der Braut/des Bräutigams, der Trauzeugen oder wichtiger Angehöriger. Auch eine Insolvenz von Veranstaltern ist laut Zurich abgesichert. Komme es zum Ausfall, deckt die Hochzeitsversicherung geschuldete Stornokosten und geleistete Anzahlungen ab 2.500 Euro bis zu einer Höhe von 25.000 Euro.

Vom Verbraucherschutz und vom Bund der Versicherten (BdV) werden solche Policen jedoch aus Kundensicht als unnötig eingestuft, weil der Versicherungsfall nicht eintritt, wenn Braut oder Bräutigam es sich anders überlegen. Dabei ist das eher die Regel als Unfälle oder Brände. (vwh/td)

Bild: Zurich-Chef Mario Greco in Davos (Quelle: WEF 2017 Jakob Polacsek)

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version hieß es, dass “ein Zurich-Manager” laut dem Boulevardblatt Blick.ch mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit aus dem Verkehr gezogen wurde und dafür eine hohe Geldstrafe erhielt. Diese Meldung hat nichts mit dem Zurich-Konzern zu tun, da der besagte Manager lediglich aus Zurich stammt und zu einem kleinem Versicherer in der Schweiz gehört. Somit war auch die frühere Überschrift: “Hat Greco die Zurich im Griff?” irreführend. Wir bitten das zu entschuldigen.

__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

“Neiddebatten bringen uns nicht weiter”
Unser duales Gesundheitssystem ist eines der besten im internationalen Vergleich. Die Konkurrenz zwischen der GKV und der PKV ermöglicht die gute Gesundheitsversorgung, die wir in Deutschland haben, konstatiert Wiltrud Pekarek, Vorstand der Alte Leipziger-Hallesche, exklusiv gegenüber VWheute.

Gewerbeversicherung24 wagt eigenes Vergleichsportal
Vergleichsportale sind mittlerweile feste Größen auf dem Versicherungsmarkt. Das Startup Gewerbeversicherung24 will den Markt mit einem Vergleichsrechner für Gewerbeversicherungen aufmischen. Für das laufende Geschäftsjahr plant sie weitere Investitionen im siebenstelligen Bereich. Das Ziel: Bis Mitte 2017 sollen nach eigenen Angaben alle üblichen Versicherungsprodukte digitalisiert sein.

Die politische Woche: Die Sorgen der Versicherer
Schon nach der ersten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist klar, dass trotz anziehender Inflationsrate die Zinsen auch 2017 im Keller bleiben werden. Damit dürften die Sorgenfalten der Versicherer noch größer werden. GDV-Präsident Alexander Erdland wird am Donnerstag ein aktuelles Bild der Branche zeichnen. Der Bundestag befasst sich heute zudem in öffentlicher Anhörung mit dem Rentenversicherungsbericht.

Tags:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten