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Wolf im Schafspelz? Das Geschäftsgeheimnis von Finanztip

17.05.2017 – tenhagen_finanztipVerbraucherschützer sind bekannt für ihre – durchaus auch berechtigte – Kritik an den Versicherungsgesellschaften. Nun steht Finanztip selbst ebenfalls in der Kritik. Stein des Anstoßes sind die “Affilliated Links”, so genannte Bezahl-Links, über die sich das Verbraucherportal finanziert. Welche Gelder wann und wie genau fließen, möchte der Informationsdienstleister aber nicht verraten.

Eine Analyse hat sich allerdings nun mit dem Geschäftsgebaren der Verbraucherportale beschäftigt und zeigt auf, dass sich Versicherungsmakler, die Vergleichsportale betreiben, zu Großkunden entwickelt haben. Im konkreten Fall konnte man bereits Ende März 2017 über die interne Suchfunktion von Finanztip 521 Verweise auf Check24 finden. In wie vielen Fällen das Vergleichsportal per Affiliate-Link “empfohlen” oder nur einfach “erwähnt” oder gar “kritisiert” wird, teilte der Anbieter auf Anfrage nicht mit. In einer solchen “Detailtiefe” würden Information über Kunden nicht erhoben, konstatiert der Pressesprecher Marcus Drost.

Kaum Aufklärung über Versicherer

Auch für weitere angefragte Unternehmen aus dem Versicherungsbereich konnte Finanztip daher nicht zu einer Aufklärung beitragen. So gab es auf den Versicherungsmakler Dirk Natschke aus Stollberg, der ein Vergleichsportal unter der Adresse Mr-Money betreibt, über die Suchfunktion 455 Verweise. Beim Portal Verivox waren es 376 Verweise, zum Portal Comfortplan wurden 432 Verweise gefunden. Zum Versicherungsmakler Autoversicherung.de, der sich im Besitz der Provinzial Rheinland befindet, gab es 430 Verweise, während auf das Kfz-Vergleichsportal Nafi lediglich 56 Verweise entfielen. Mit 241 Verweisen führt die Hannoversche eine Riege von ausgewählten Versicherern an.

Auf den Plätzen folgen die HUK24 (208 Verweise), Cosmos Direkt (194), Debeka (189) und Ergo Direkt (139). Immerhin stellte Finanztip zu den angefragten Unternehmen und Kunden eine Übersicht zur Verfügung. Danach wird beispielsweise Check24 derzeit in acht Themenbereichen “empfohlen”. Dabei ist Check24 nach Einschätzung von Finanztip “viel mehr als ein Versicherungsvergleich”. Daher würde dort, wo der Internetmakler eine Affiliate-Anbindung ermöglicht, diese auch genutzt.

Wie das aussehen kann, zeigt beispielsweise ein Beitrag mit der Überschrift: “Werbetarife auf Check24 – Verführung zum teureren Anbieter”. Hier wird Check24 insgesamt einschließlich einer Bildunterschrift elfmal erwähnt. In drei Fällen gibt es einen Affiliate-Link. Sogar im kritischen Einstieg, der darüber aufklärt, dass das oberste Angebot auf dem Vergleichsportal eine Werbeanzeige sein kann und somit nicht das billigste, ist ein bezahlter Link geschaltet. Kritik am Unternehmen bedeutet somit nicht unbedingt, das kein bezahlter Link geschaltet wird.

Wenig Transparenz beim Geldfluss

Wann genau und in welchem Umfang jedoch Geld fließt, bleibt hingegen ein Geschäftsgeheimnis. Dabei sehen weder Check24 noch die Kunden selbst einen entsprechenden Aufklärungsbedarf. So bestätigt der Informationsanbieter lediglich, dass alle gängigen Bezahlmethoden, wie “Pay per Click”, “Pay per Lead” und “Pay per Sale” genutzte würden.

Nähere Informationen seien “Geschäftsinterna”, die das Unternehmen “nicht öffentlich diskutieren” möchte. “Mit unserem Angebot wollen wir Verbrauchern helfen, bestmögliche Entscheidungen zu treffen und wenn möglich Geld zu sparen”, erläutert Sprecher Drost. Daher sei es nur folgerichtig, dass Finanztip eine Vergütung bekomme, wenn ein Verbraucher die Website eines empfohlenen Anbieters ansteuere.

Zudem verteidigt Finanztip sein Finanzierungssystem mit dem Hinweis, dass es eine Art chinesischer Mauer zwischen den Journalisten gibt, die Beiträge verfassen und den Mitarbeitern, die die Bezahllinks akquirieren. Gerade für Kunden, mit denen Finanztip schon heute in vielen Bereichen eine Affiliate-Anbindung hat, ist die Aussage, “ob ein Anbieter überhaupt ein Affiliate-Programm anbietet und wie die Vergütung aussieht, wissen unsere Experten und Redakteure nicht, wenn sie den jeweiligen Artikel oder Ratgeber erstellen”, wohl problematisch.

Solange aber die Konditionen für die Vermarktung nicht transparent sind, könnte auch vermutet werden, dass nur finanzstarke Anbieter wie Versicherer oder große Versicherungsmakler sich Provisionszahlungen überhaupt leisten können. Der Glaubwürdigkeit kann die Nichtinformation über die Finanzierung des gemeinnützigen Informationsportals kaum dienen. (usk)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Online-Verbrauchermagazins Finanztip. (Quelle: Finanztip)

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