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“Wir werden noch mehr Run-off sehen”

26.10.2017 – Michael Kluettgens_Head of Insurance Consulting and Technology Germany_Willis Towers WatsonRun-off lässt die Branchengemüter aktuell hochkochen. Versicherer haben es sich zum Ziel gemacht, ihre Kostenbasis senken. Viele Unternehmen wollen zwischen sich und ihrem hochverzinsten LV-Bestand zudem einen möglichst großen Sicherheitsabstand bringen. Michael Klüttgens, Versicherungexperte von Willis Towers Watson, glaubt, dass sich künftig noch mehr Akteure von Lebensversicherungsbeständen trennen werden. 

VWheute: Wie bewerten Sie die Zukunft des Run-Offs? In welche Richtung werden sich solche Transaktionen zukünftig entwickeln?

Michael Klüttgens: In Zukunft werden wir noch mehr solcher Transaktionen sehen, in denen sich einzelne Versicherer von Lebensversicherungsbeständen oder -teilen trennen. In Großbritannien war diese Entwicklung bereits vor gut zehn Jahren zu beobachten – nun haben wir im deutschen Markt mit den Bemühungen der Ergo- und Generali-Töchter eine neue Dimension erreicht.

VWheute: Wie sehen die Run-Off-Modelle künftig aus?

Michael Klüttgens: Denkbar sind Transaktionen, bei denen ein auf die Abwicklung von Lebensversicherungspolicen spezialisierter Anbieter den Bestand des verkaufenden Unternehmens und ein anderer Versicherer, mit Expansionsplänen, den Vertrieb und die Produktschmiede übernimmt. Weniger spektakulär, doch nicht minder interessant, sind Modelle, bei denen ein Versicherer die Vertragsverwaltung für andere Versicherer übernimmt, wenn er dieses kostengünstiger ermöglicht.

VWheute: Worin sehen Sie den Hauptgrund, der einem Run-Off zugrunde liegt und wieso haben die kaufenden Plattformen Interesse daran?

Michael Klüttgens: Ein bedeutenden Faktor sind die Kosten. Früher hat ein Versicherer ohne große Schwierigkeiten weit mehr Kapitalerträge verdient als das gegebene Zinsversprechen. Das hat sich heute gravierend geändert – und man sucht nach Wegen, mit denen die Versicherer ihre Kostenbasis senken können. Run-Off-Plattformen wie Viridium, Athene oder Frankfurter Leben argumentieren, dass sie deutlich effizienter arbeiten. Für Versicherer bedeutet das Einsparungen bei Verwaltungs- und IT-Kosten, weniger Komplexität und Personalkosten. Diese Kosteneinsparungen wirken sich letztlich auch auf den Versicherungskunden aus.

Für die Plattformen gilt zudem: Sie unterliegen aufgrund der Eigentümerstruktur weniger stringenten Anforderungen an die Konzernberichterstattung, das heißt z.B. Compliance mit dem neuen Rechnungslegungsstandard IFRS17 wird für einen Großteil der Investoren nicht erforderlich sein.

VWheute: Gibt es Alternativen zu den klassischen Run-Off-Plattformen?

Michael Klüttgens: Neben den drei genannten etablierten Plattformen in Deutschland, gibt es noch eine Reihe von weiteren Interessenten. Dies sind meist Private Equity-Gesellschaften aus dem angelsächsischen Raum, die ihre Fühler in Richtung des deutschen Marktes ausgestreckt haben. Sie stehen jedoch noch vor der Aufgabe, eine Plattform etablieren zu müssen.

VWheute: Wie profitieren diese Gesellschaften von Run-Off-Transaktionen?

Michael Klüttgens: Die Investoren haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Kapitalanlage ertragsorientierter zu gestalten. Davon würde ebenfalls der Versicherungsnehmer materiell profitieren, da die Überschüsse zu großen Teil an diese ausgeschüttet werden. Zudem argumentieren sie, dass über aktives Kapitalmanagement deutliche Effizienzgewinne realisiert werden können.

Bild: Michael Klüttgens (Quelle: Willis Towers Watson)

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