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Wieso Versicherer ihr Geschäftsmodell hinterfragen

21.12.2017 – frank_reichelt_swissreDas Jahr 2017 wird für die Rückversicherer eines der teuersten in der Geschichte. Laut einer vorläufigen Sigma-Schätzung der Swiss Re belaufen sich die versicherten Schäden aus Katastrophen in diesem Jahr auf rund 136 Mrd. US-Dollar. Dass sich die Branche intensiv mit ihrem Geschäftsmodell beschäftigen muss, glaubt Frank Reichelt, Hauptbevollmächtigter der Swiss Re Deutschland.

Wenngleich die Rückversicherer in den letzten Jahren bereits schrumpfende Gewinne zu verzeichnen hatten, waren diese dennoch begünstigt durch das Ausbleiben von größeren Naturkatastrophen und durch Gewinne aus der Auflösung von Schadenreserven aus Altjahren.

Allein im dritten Quartal gab es nicht nur die Hurrikane Harvey, Irma und Maria, die die Karibik, Puerto Rico und die USA getroffen haben, sondern auch zwei schwere Erdbeben in Mexiko. Auch wenn noch keine genauen Schadenzahlen vorliegen, kann bereits davon ausgegangen werden, dass diese Ereignisse in der Summe versicherte Schäden von über 100 Mrd. US-Dollar verursacht haben (siehe MÄRKTE &B VERTRIEB).

Betroffen ist die gesamte Branche: Erstversicherer, Rückversicherer und die Märkte für Retrozession. Mittlerweile ist auch Europa auf der 2017er Liste der Naturkatastrophen vertreten. Im Oktober hat der Sturm “Ophelia” Irland massiv getroffen und schwere Schäden verursacht.

Gewinnwarnungen, milliardenschwere Schadenmeldungen und Verluste im dritten Quartal einzelner Unternehmen machen deutlich, dass sich die Branche intensiv mit ihrem Geschäftsmodell beschäftigen muss. Wie also kann nachhaltig und wertstiftend Rückversicherung betrieben werden?

Erfolgreiche Versicherer sind agil und innovativ, schnell und eng vernetzt

Die erfolgreiche Versicherung von morgen wird agil und innovativ, schnell, eng vernetzt nach innen und außen sein, ständig im Kontakt mit Kunden und Partnern. Für die Rückversicherer wird das traditionelle Rückversicherungsgeschäft in diesem Kontext weiterhin Bestand haben. Der Bedarf an Risikoübertragung vom Versicherer zum Rückversicherer mag sich wandeln, verschwinden wird er nicht.

Darüber hinaus wird Rückversicherung bereits seit vielen Jahren auch als Instrument des Kapitalmanagements und der Bilanzpolitik erfolgreich eingesetzt. Gerade im Kontext von regulatorischen Anforderungen wie Solvency II oder spezifischen Themen wie der Finanzierung der Zinszusatzreserve im Lebensgeschäft sind Rückversicherungslösungen in Form von spezifischen Transaktionen gefragt.

Differenzierung als Zukunftsmodell für Rückversicherer

Die traditionelle Rückversicherung wird einen vorübergehenden Aufschwung erleben als Konsequenz des schadenträchtigen Jahres 2017. Allerdings bleibt die Nachhaltigkeit auskömmlicher und risikogerechter Konditionen fraglich. Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation und der lockeren Geldpolitik der Notenbanken kann das, durch die Schäden in 2017 vernichtete Kapital, relativ bald wieder ersetzt werden. Eine Rückkehr zur starken Wettbewerbssituation der letzten Jahre in absehbarer Zeit ist ein wahrscheinliches Szenario.

Die Zukunftsfähigkeit von Rückversicherungsunternehmen wird stark davon abhängen, inwieweit sie sich von der Konkurrenz differenzieren und zusätzliches Geschäft mit ihren bestehenden und neuen Kunden entwickeln können. Derjenige Rückversicherer, der als Knowledge Company gemeinsam mit seinen Partnern neuartige Versicherungslösungen entwickelt und seine Kunden in der Transformation in die digitale Welt mit Know-how und Lösungen begleitet, wird zu den Gewinnern der Zukunft zählen. Finanzielle Stärke, Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und Kundenorientierung im Fokus werden weiterhin elementare Voraussetzungen für erfolgreich agierende Rückversicherer sein.

Hingegen wird eine Konsolidierung im Versicherungs- und Rückversicherungssektor unausweichlich sein und nicht jeder Marktakteur wird es in das neue digitale Zeitalter schaffen. Es wird Opfer geben und wir werden neue, erfolgreiche Marktteilnehmer (InsurTechs) im Versicherungsmarkt erleben. Reine Kapazitätsanbieter werden wesentlich stärker gefährdet sein, da sie nicht in der Lage sind, sich deutlich vom Wettbewerb zu differenzieren. Sie spielen so gut wie kaum eine Rolle in der Wertschöpfungskette des Erstversicherers und sind daher leicht ersetzbar.

In Zukunft werden also vor allem jene Rückversicherer gefragt sein, die komplette Lösungen anbieten und über ein umfassendes Know-how verfügen, die sogenannten “Full Service Rückversicherer”. Mit altem Wein in neuen Schläuchen hat das nichts mehr zu tun – dem “Full Service Rückversicherer” gehört die Zukunft! Als ein verlässlicher, finanziell starker und strategisch wichtiger Partner der Erstversicherung wird er nicht nur im digitalen Zeitalter überleben, sondern insbesondere auch weiterhin eine starke gesellschaftliche und wirtschaftliche Rolle einnehmen.

Bild: Frank Reichelt ist Hauptbevollmächtigter der Swiss Re Deutschland (Quelle: Swiss Re)

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