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Wie Versicherer mit Internet of Things Geschäfte machen

20.10.2017 – Internet_Der_Dinge_FotoliaVon Florian Dreifus. Technologische Trends wie das Internet der Dinge oder maschinelles Lernen und ihr potenziell disruptiver Einsatz werden in der Assekuranz aktuell kontrovers diskutiert. Die Technologien als solche liefern noch keinen Mehrwert für die Industrie. Ihr Potenzial spielen sie erst dann aus, wenn sie mit geeigneten Geschäftsprozessen kombiniert werden.

Zunächst gilt es, Anwendungsfälle für innovative Technologien zu identifizieren, die existierende Prozesse effizienter und effektiver machen, oder die es erlauben, Prozesse völlig neu zu definieren. Anschließend muss geprüft werden, wie innovative Technologien unterstützen können oder ob sie gar erst ermöglichen, neue Produkte und Services anzubieten. Folglich ist die isolierte Betrachtung von Technologien wie Internet der Dinge, maschinelles Lernen oder Blockchain weniger sinnvoll als die Gesamtbetrachtung eines Prozesses. Eine ideale Grundlage dafür ist das System für digitale Innovation, SAP® Leonardo, das die Umsetzung innovativer Anwendungsfälle auf einer einheitlichen Plattform erlaubt.

Kfz-Versicherung: Business-to-Business Marktplatz für neue Mobilitätsdienste

Mit prognostizierten 30,3 Milliarden vernetzten Geräten bis 2020 (IDC-Studie) wird dem Internet der Dinge eine enorme Verbreitung vorhergesagt. Kunden nutzen SAP Leonardo, um beispielsweise Fahrzeugdaten zu sammeln und auswertbar zu machen. Versicherungen nutzen diese Daten, um Risikomodelle anzupassen oder eine besonders ökologische und sichere Fahrweise durch Prämienpunkte zu honorieren, die Versicherungskunden dann in entsprechende Prämien tauschen können.

Hier zeigt sich, wie sich mit Hilfe neuer Technologien Ansätze aus anderen Branchen, wie etwa Treuepunktprogramme aus dem Handel oder dem Airline-Bereich zur Kundenbindung, auf die Assekuranz übertragen lassen. Über das SAP Vehicles Network könnten diese Treuepunkte dann beispielsweise zur Bezahlung von Parkplätzen oder Tankrechnungen genutzt werden. Bei dem Netzwerk handelt es sich um einen Business-to-Business-Marktplatz für neue Mobilitätsdienste, die Unternehmen (u. a. Tankstellen und Parkhäuser), Fahrer und Mitfahrer miteinander vernetzen.

Gesundheitsversicherung: Weniger Leistungsfällen durch Kooperation mit Kunden

Neue Geschäftsmodelle durch neue Technologien mit dem entsprechenden Nutzen für Patienten sind auch im Bereich chronischer Erkrankungen denkbar. Rund 7 Millionen Menschen mit Diabetes leben derzeit in Deutschland. Roche Diabetes Care Deutschland und SAP haben auf Basis der Health Engagement Platform ein völlig neues Präventions- und Behandlungsprogramm entwickelt. Dazu werden wichtige medizinische Parameter der Patienten erfasst und über eine App automatisch mit dem Arzt geteilt.

So erhalten Gesundheitsversicherer die Möglichkeit, ihren Versicherten durch gezielte Kooperationen völlig neue Services anzubieten, Leistungsfälle zu vermeiden und die damit verbundenen Prozesse zu optimieren. Zusätzlich wird dem Wunsch der Menschen entsprochen, mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich die Gesundheit der teilnehmenden Personen verbessert hat, was langfristig für die Reduzierung der Gesundheitskosten führt.

Industrieversicherung: Neue Produkte durch offene Maschinen-Schnittstellen

Im digitalen Zeitalter werden Kooperationen immer stärker an Bedeutung gewinnen, da die Assekuranz vielfach keinen direkten Zugriff auf die Daten der Kunden hat. So stellt beispielsweise Siemens mit der Cloud for Industry (MindSphere) auf Basis der SAP Cloud Platform ihren Kunden und potenziellen App-Anbietern die Sensordaten von Maschinen zur Verfügung. Das ermöglicht es OEMs und Applikationsentwicklern, über offene Schnittstellen auf die Plattform zuzugreifen und sie für eigene Dienstleistungen und Analysen zu nutzen – beispielsweise zur Online-Überwachung von weltweit verteilten Werkzeugmaschinen, Industrie-Robotern oder Industriemaschinen wie Kompressoren und Pumpen. Mit diesen Informationen können Versicherer im Bereich Gewerbe aktuelle Risikomodelle verbessern oder ganz neue Produkte anbieten.

Gebäudeversicherung: Neue Services durch den “Digitalen Zwilling”

In eine ganz ähnliche Richtung gehen Diskussionen mit Immobilienverwaltern, Gebäude als sogenannten “Digital Twin” abzubilden. Dies bedeutet, dass relevante Gebäudedaten, wie Besitzverhältnisse, Dokumentation von Sanierungen und Wartungen oder Informationen von Sensordaten, mit Hilfe der Blockchain-Technologie zentralisiert und für ausgewählte Nutzer zugänglich gemacht werden. Mit einer solchen Datenbasis können Versicherer u. a. sicherstellen, dass Vertragsbestandteile, wie der Betrieb einer Brandschutzanlage oder regelmäßige Wartungen, effizient nachverfolgt werden können. Ferner erlaubt sie es Versicherern, im Zusammenspiel mit anderen Anbietern neue Services anzubieten.

Mehr als Buzzword-Bingo

Diese Beispiele zeigen, dass das Internet of Things, Machine Learning & Co. mehr als Buzzwords sind und dazu beitragen, dass konkrete Geschäftspotenziale für die Assekuranz entstehen, sei es durch optimierte Prozesse oder durch überzeugende Produkte oder Services.

Der Autor Florian Dreifus ist Vice President Customer Value Sales Financial Services MEE der SAP Deutschland SE & Co. KG und spricht am 28. und 29. November 2017 auf der 3. InnoVario in Bonn.

Bild: Fotolia

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