Versicherungswirtschaft-heute

            Mobilsite

 

Wie Versicherer den Telematik-Flop abwenden

09.04.2018 – KFZ Auto - David GorrDie Nachfrage nach Telematik-Tarifen fällt bislang verhalten aus. Ihr Nischendasein könnte allerdings bald ein Ende haben. Denn die Verbraucher sind nicht abgeneigt, durch bewusstes Fahrverhalten zu sparen. Darauf reagieren Versicherer mit Apps, Steckern im Zigarettenzünder oder im Auto fest eingebaute Boxen. Doch das alleine reicht nicht, um das Produkt fest am Markt zu positionieren.

Etwa 15 Versicherer haben bereits Telematik-Tarife für ihre Kfz-Kunden im Portfolio, allen voran die beiden großen Player Allianz und Huk-Coburg. Doch die Zahl der Kunden, die sich bisher dafür entschieden haben, liegt bei beiden bisher nur im fünfstelligen Bereich.

Seit gut einem Jahr bie­tet die Huk den Telematiktarif Smart Driver für junge Fahrer unter 25 Jahren an. Mit den gut 50.000 Kunden sei man sehr zufrieden, betont ein Sprecher. Eine Partnerwerkstatt baut für Kunden kostenlos die Smart Driver Box ein. Darü­ber werden relevante Fahrdaten wie Geschwindigkeit und Beschleunigung erfasst.

“Bei besonders sicherer Fahrweise erlassen wir bis zu 30 Prozent auf die Beiträge in Haftpflicht und Kasko”, erklärt er weiter. Die jungen Fahrer habe man ausgesucht, weil sie statistisch gesehen die meisten Unfälle verursachen. Den automatischen Unfallalarm gebe es daher dazu. Hilfreich für Fahrer könne auch das Feedback zur ei­genen Fahrweise durch die Box sein.

Solidaritätsprinzip unangetastet

Inwieweit sich das Fahrverhalten dadurch ändere, könne noch nicht gesagt werden. Gegenwärtig werde geprüft, Telematik-Tarife auch anderen Kundengruppen anzubieten. Die Angst vor unberechtigtem Zugriff auf Daten sei unbe­gründet, betont der Sprecher. Denn: “Das Versicherungsunternehmen erhält keinerlei Zugriffe auf die Fahrdaten. Das ist alleinige Sache eines eigens dafür gegründeten Unter­nehmens, der Huk-Coburg Datenservice und Dienstleistun­gen GmbH (HDD GmbH). Die HDD GmbH wiederum hat keine Kenntnis vom Versicherungsnehmer, sondern arbeitet mit Pseudonymen.”

Auch die Sorge, dass die Solidarität bei so viel Differenzierung auf der Strecke bleibt, sei unberech­tigt: Der Eintritt eines Unfalls bleibe ein zufälliges Ereignis, für das die Versichertengemeinschaft nach dem Solidari­tätsprinzip eintritt. Daran ändere sich auch mit Telematik­tarifen nichts.

Bereits im April 2016 hat die Allianz den Tarif Bonus Drive eingeführt, berichtet Projektleiter Stefan Duscha. “Er funkti­oniert ganz einfach: Wer den Baustein zu seiner Autoversi­cherung abgeschlossen hat, muss nur die Bonus Drive-App aufs Handy laden, diese mit einer Bluetooth-Quelle im Auto verbinden und schon misst sie automatisch das Fahrverhal­ten”, teilt er mit.­

“Wer sich keinen Bonus erfährt, zahlt die normale Ver­sicherungsprämie. Die Wertungen in der Bonus Drive-App haben keinen negativen Einfluss auf die Prämie oder Scha­denfreiheitsklasse”, zerstreut er Bedenken.

Auch Cosmos Direkt hat im Herbst 2016 mit Better Drive einen Kfz-Telematik-Tarif für die Zielgruppe der 18- bis 28-Jährigen aufgelegt, unter ihnen viele Fahranfänger, erklärt Christoph Morgenthal, Lei­ter Versicherungstechnik für den Bereich Komposit. Die App misst für jede Fahrt verschiedene Faktoren, wie Beschleunigungs- und Bremsverhalten.

Daraus ergibt sich ein Score­wert, den man zum ersten Mal nach 400 Kilometern erhält und der die Basis für den Versicherungsbeitrag ist. “Je näher der Fahrer an die maximale Punktzahl von 100 kommt, desto mehr spart er – bis zu 30 Prozent jedes Jahr“, ist von ihm zu erfahren. Die junge Zielgruppe sei besonders sensibel für den Tarif, weil sie meist keine eigenen schadenfreien Jahre bzw. Schadenfreiheitsklassen hat und im Normaltarif hohe Beiträge für ihre Kfz-Versicherung zahlt. (dg)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: dg

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten