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Wie beschleunigen Roboter den Solvency II-Prozess?

05.12.2017 – Roboter_Fotolia.jpg - Windows-FotoanzeigeBeschleunigung und Optimierung des Solvency II-Prozesses im Zeitalter der Digitalisierung: Ist Robotics die Lösung? Über viele Jahre hinweg hat sich die Branche in einem wahren “Solvency II-Marathon” mit der Umsetzung der diesbezüglichen Anforderungen beschäftigt. Wie die neue Technologie im Rahmen des Regulierungsprozesses genutzt werden kann, beschreibt Susanne Teichmann, Senior Manager/Aktuar (DAV) von Deloitte.

Im Mai dieses Jahres ist mit der Abgabe bzw. Veröffentlichung der RSR- und SFCR-Berichte sowie der QRTs für das Jahr 2016 einer der größten und letzten Meilensteine erreicht worden. Jetzt müssen sich die Anstrengungen auf die Stabilisierung und Beschleunigung der Prozesse sowie die Steigerung von Qualität und Effizienz richten. Hintergrund sind nicht nur die anstehenden Abgabefristverkürzungen und eine zunehmend strengere Aufsichtspraxis, sondern auch der in der Branche allgegenwärtige Kostendruck, der immer stärker die mit Solvency II befassten Bereiche betrifft.

Zudem bestehen aktuell für manche Unternehmen weitere Herausforderungen, z.B. im Schaden-/Unfallbereich bei der Datenbasis für die Prämienrückstellung oder methodisch bei der Fortschreibung des SCR für die Berechnung der Risikomarge.

Seit einiger Zeit wird das Thema Robotics Process Automation, kurz: RPA, auch in der Versicherungsbranche intensiv diskutiert. Viele Unternehmen haben bereits umfassende Implementierungsprogramme aufgesetzt. Hinter RPA verbergen sich, vereinfacht beschrieben, Programme, die Eingaben am Computer vornehmen, z. B. Klicks oder Tastatureingaben zur Pflege von Daten in einem Bestandsführungssystem.

Sie sind geeignet zur Automatisierung von Prozessen, die standardisiert, regelbasiert und repetitiv sind und auf entsprechend strukturierten Inputdaten basieren. Bezogen auf repetitive Volumenprozesse, speziell in einem Umfeld heterogener IT-Systeme, sind die potenziellen Effizienzgewinne unumstritten enorm.

Gleichzeitig sind sehr schnelle und kostengünstige Implementierungen auch ohne umfassende Einbindung von IT-Abteilungen möglich. Es stellt sich daher die Frage, ob sich RPA auch im Kontext von Solvency II zur Beschleunigung und Optimierung des Prozesses eignet.

Mögliche Ansätze zur Verbesserung des Solvency II-Prozesses umfassen ein breites Spektrum. Dieses reicht von der Verbesserung der Datengrundlagen aus den Vorsystemen und der Verfeinerung der Methodik sowie deren Systemumsetzung, über die Optimierung der Datenhaltung und der Schnittstellen zwischen verschiedenen Systemen sowie die Standardisierung von Dateien und Abläufen bis hin zur Automatisierung des Prozesses oder einzelner Teilprozesse.

Unter Beachtung der spezifischen Rahmenbedingungen, wie z.B. der vorliegenden Systemlandschaft, sollten alle Maßnahmen zur Verbesserung des Solvency II-Prozesses individuell auf die jeweilige Situation eines Unternehmens zugeschnitten sein. Eine angemessene und somit für die nächsten Perioden stabile Datenbasis und Methodik sind die Voraussetzungen für eine Automatisierung. In der Praxis ist häufig eine fehlende Standardisierung von eigentlich repetitiven Prozessen anzutreffen.

Vor einer Automatisierung via RPA oder anderer Automatisierungstechniken sollten die Prozesse also entsprechend vorbereitet werden. Beispiele für Teilprozesse, die sich in der Regel gut zur Automatisierung eignen, sind z.B. Datenbereitstellung, -aufbereitung und -prüfung. Zudem sollte im Einzelfall abgewogen werden, welche Automatisierungstechnik sich für die jeweilige Fragestellung am besten eignet.

RPA ist im Solvency II-Umfeld keine Patentlösung für jede beliebige Aufgabenstellung, kann aber potentiell auch im Aktuariat oder Risikomanagement zur Entlastung von repetitiven Aufgaben führen und dadurch zur Beschleunigung des Prozesses entsprechend der sich verschärfenden Anforderungen beitragen.

Erfahrungsgemäß konzentrieren sich unternehmensweite RPA-Programme in den meisten Unternehmen zunächst auf Massenprozesse, wie z.B. die Schadenbearbeitung. Daher bedarf es der Initiative der für Solvency II verantwortlichen Fachbereiche, die Einsatzmöglichkeiten von RPA zu testen und abzuwägen, ob ein ausreichender Nutzen im Einzelfall vorliegt.

Bildquelle: Fotolia

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