Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Wettbewerb im Vertrieb: Vermittler auf Richtungssuche

14.08.2017 – 78575_web_R_by_Rudi_pixelio.deVon Christian Mylius und Marco Gerhardt. Das IDD-Umsetzungsgesetz hat kurz vor der parlamentarischen Sommerpause den Bundestag passiert und wird im Februar 2018 in Kraft treten. Eine strikte Trennung zwischen Honorar- und Courtagevermittlung wurde auf den letzten Metern gestrichen. Doch das Gesetz bleibt ein gravierender Eingriff für den Vertrieb. Vermittler müssen sich dringend mit der Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit beschäftigen.

In einer Anhörung vor dem zuständigen Wirtschaftsausschuss Ende Mai hatten die Vertreter der Vermittlerbranche ihrer Ablehnung gegenüber der Trennung von Honorar- und Courtagevermittlung nochmals deutlich Ausdruck verliehen.

Der Gesetzgeber begreife die auf Provisionsbasis arbeitenden Vermittler und Makler offenbar als “geld- und von Interessenkonflikten getriebene Egoisten” (Frank Rottenbacher, Bundesverband Finanzdienstleistung), die künftig an die Provisionen der Anbieter “gekettet” (Hans-Georg Jenssen, Verband Deutscher Versicherungsmakler) werden müssten, sagten die Branchenvertreter.

Mit der Trennung wäre ein Hauptwunsch der Verbraucherschützer erfüllt worden, die zugleich zu den schärfsten Kritikern von Mischmodellen gehören. Sie argumentierten, dass die “Rosinenpickerei” der Makler nun ein Ende haben müsse. Wenige Tage vor der Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag setzten sich die Argumente der Maklervertreter durch. Mischmodelle sind weiterhin möglich.

Fehlanreize für Vermittler ausschließen

Eine Stärkung der Honorarberatung bleibt erklärtes Ziel der Politik. Mit Ausnahme der FDP und der AfD unterstreichen alle größeren Parteien dies mit entsprechenden Aussagen in ihren Wahlprogrammen.

Als Produktgeber sind die Versicherer künftig dafür verantwortlich, dass ihre Provisionsmodelle Fehlanreize für Vermittler ausschließen. In den Unternehmen werden insbesondere die mit Vermittlern getroffenen Sondervereinbarungen einer kritischen Prüfung unterzogen.

Zugleich nimmt seitens der Politik die Anzahl der Kritiker des Provisionsmodells zu. Bislang etablierte Lösungen zur indirekten Courtageerhöhung werden künftig stärker in den Fokus der Aufsichtsbehörde und der Verbraucherschützer rücken.

Den Insurtechs kommen der steigende Margendruck und die zunehmend hybrid agierenden Kunden entgegen, die je nach Laune und Produkt zwischen Online- und Offline, Direktanbieter und ausführlicher Beratung wechseln.

Makler sollten sich mit ihrer Wettbewerbsfähigkeit auf allen Kanälen beschäftigen. Wer meint, sich dank des erfolgreichen Lobbyings der Branchenvertreter zurücklehnen zu können, wird mittelfristig nicht bestehen.

Die Autoren Christian Mylius, Partner und ­Managing Director, sowie Marco Gerhardt, Partner, sind bei EY Innovalue tätig.

Bildquelle: Rudi / PIXELIO (www.pixelio.de)

__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Allianz-Vertreterin verklagt den eigenen Konzern
Der Allianz droht womöglich juristisches Ungemach aus den eigenen Reihen. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, will eine Vertreterin nun juristisch gegen den eigenen Konzern zu Felde ziehen. Der Vorwurf: Der Versicherer soll viele seiner mehr als 8.000 Vertreter über Jahre hinweg um Teile ihrer Rente gebracht haben. Die Allianz spricht auf Anfrage von VWheute von einem Einzelfall.

Makler und Vermittler trotzen dem digitalen Hype
Vermittler und Makler bleiben Kundenliebling. Das zeigt die aktuelle Vertriebswegestatistik 2016, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Freitag veröffentlicht hat. Der Direktvertrieb hat kaum Boden gegenüber den Experten gut gemacht, lediglich in der Schaden- und Unfallsparte gibt es ein kleines Plus für den Online-Vertrieb.

W&W: Gewinnplus, Bausparmotor stottert
Die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) hat im ersten Halbjahr 2017 ein deutliches Gewinnplus erzielt. Demnach stieg der Gewinn nach Steuern um 28 Prozent auf 154,9 Mio. Euro (2016: 121,0 Mio. Euro). Größter Wachstumstreiber war nach Unternehmensangaben die Schaden- und Unfallsparte. Für das laufende Jahr hat die W&W ihre Gewinnprognose auf 235 Mio. Euro erhöht.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten