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Wer haftet bei Bombenschäden?

04.09.2017 – bombe_pixelioAm Sonntag lief in Frankfurt am Main die größte Evakuierung der Nachkriegszeit. Über 60.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, damit eine Fliegerbombe im Westend entschärft werden konnte. Auch der Hessische Rundfunk (hr) war betroffen. Das Gelände an der Bertramstraße liegt in der Sperrzone, die von 6 Uhr früh an komplett geräumt war.

Dennoch blieb der Sendebetrieb auf allen Kanälen gesichert. Dazu wich der hr auf seine Standorte in Kassel, Wiesbaden, Darmstadt sowie auf mehrere Übertragungswagen aus. Hätte die Bombe gesprengt werden müssen, wären viele zwangsläufig entstandene Schäden von den Versicherern übernommen worden. Zwar sind nach den unverbindlichen Musterbedingungen des GDV für die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung Schäden, die auf Kriegsereignisse zurückgehen, vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Die Detonation einer Weltkriegsbombe ist nach Ansicht vieler Experten die Folge eines Kriegsereignisses, auch wenn der Zweite Weltkrieg schon vor über 70 Jahre endete. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedoch, dass die Versicherer solche Schäden übernommen haben. Dem GDV sei kein Fall bekannt, bei dem Versicherer einen solchen Schaden nicht reguliert hätten.

Schäden durch Weltkriegsbomben gab es immer wieder. 2012 musste der Kampfmittelräumdienst eine Fliegerbombe im Münchner Stadtteil Schwabing kontrolliert sprengen. Dabei brachte die Detonation Fensterscheiben zum Bersten, einige Dachstühle standen in Flammen. Die Schäden wurden von den Versicherern gezahlt.

Allerdings hat die Münchener Sprengung ein Nachspiel. Die Axa macht vor dem Oberlandesgericht Schadensersatzanspruch von genau 410.565,76 Euro plus Zinsen geltend. Begründung: Die Sprengung sei “grob fehlerhaft durchgeführt worden”. Insgesamt wurde der Schaden dabei auf vier Mio. Euro geschätzt. Auch bei der Explosion einer Fliegerbombe in Göttingen 2010 und bei der Detonation einer Bombe auf der A3 bei Aschaffenburg haben die Versicherer die entstandenen Schäden reguliert.

Sollten Teile des Gebäudes, also Mauern, Dächer oder Türen, beschädigt werden, kommt die Gebäudeversicherung für den Schaden auf. Auch Fenster, die bei einer Druckwelle kaputtgehen könnten, wären ein Fall für die Gebäudeversicherung. Sollte eine Explosion auch innerhalb einer Wohnung Schäden am Inventar anrichten, würden diese Schäden von der Hausratversicherung übernommen.

Kostenübernahme ist keine Sebstverständlichkeit

Dennoch scheint es nach Aussage von Winfried Schnepp, Rechtsanwalt und Partner der Wirtschaftskanzlei CMS in Deutschland, nicht ganz selbstverständlich zu sein, dass Versicherer für die Folgeschäden einer Bombenentschärfung aufkommen. “Die in Deutschland üblichen Versicherungen für Gebäude und Hausrat decken
grundsätzlich Sachschäden ab, die durch Explosionen entstehen. Die dabei vereinbarten Versicherungsbedingungen sehen jedoch in der Regel einen Ausschluss bei Schäden ‘durch Krieg” vor, die sogenannten Kriegsklauseln”, betont der Experte.

Zudem sei der Ausschluss durch Kriegsklauseln weit gefasst, ergänzt Schupp. So reiche es zwar aus, dass zwischen dem Krieg und dem Schaden ein ursächlicher Zusammenhang bestehe. Ob dies aber auch für Spätschäden wie Schäden durch die Sprengung von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gelte, sei zwischen den Juristen umstritten, ergänzt der Experte laut Bericht.

Wer wirklich auf Nummer Sicher gehen will, sollte sein Auto außerhalb einer Evakuierungszone parken. Die Schäden bei einer möglichen Explosion sind über die Teilkaskoversicherung abgedeckt. Autobesitzer, die eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben, würden diese Schäden also ersetzt bekommen. Zwar werden in der Sperrzone alle Bewohner zwangsevakuiert. Sollte bei einer Detonation jedoch trotzdem jemand in oder außerhalb der Evakuierungszone verletzt werden, würde eine private Unfallversicherung zahlen – vorausgesetzt, der Verletzte hat eine solche Versicherung abgeschlossen.

Auch die Allianz betonte gegenüber der FAZ, dass in ihrer Hausrat- und Gebäudeversicherung solche Fälle von Schäden durch Blindgänger abgedeckt seien – auch wenn sonstige Kriegsschäden ausdrücklich ausgenommen seien. Für Schäden durch Blindgängerbomben des Zweiten Weltkrieges verzichtet die Allianz auf die Anwendung des Kriegsausschlusses”, sagte ein Allianz-Sprecher. Mitversichert seien dabei auch sogenannte Sachfolgeschäden. Dazu zählen zum Beispiel aufgrund von eindringendem Regen- oder Löschwasser durch beschädigte Fenster und Dächer, bei denen keine Notabdeckung möglich war, weil beispielsweise die Evakuierung noch nicht aufgehoben wurde, seien mitversichert.

Kaum Versicherungsschutz für Gewerbebetriebe

Schwieriger ist die Lage bei Schäden in Gewerbebetrieben. Dagegen dürften die meisten Besitzer nicht versichert sein. Betriebsunterbrechungs-Versicherungen zahlen zwar, wenn der Betrieb unvorhergesehen stark eingeschränkt ist, zum Beispiel bei Überschwemmungen oder Maschinenschäden. Die Ausfälle durch behördliche Anweisungen sind aber üblicherweise kein Bestandteil solcher Verträge.

Entgegen der Auffassung des GDV sind jedoch nach Ansicht der Deutschen Familienversicherung bei vielen Versicherern “derartige Nach-Kriegsschäden nicht versichert”. Stefan M. Knoll, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung mit Sitz in Frankfurt, rührt denn auch gleich mal für sein Unternehmen die Werbetrommel: “Wir haben unseren von der Evakuierung betroffenen Kunden mitgeteilt, dass die Schäden, die durch die Bombe entstehen können, durch ihre Hausratversicherung abgesichert sind. Ich bin Frankfurter und Gründer der Deutschen Familienversicherung. Deshalb habe ich eine besondere Beziehung zu meinen Kunden, zumal wenn sie Frankfurter sind”. Die DFV biete außerdem allen Kunden, die bis zum 03.09.2017 eine DFV-Hausratversicherung abschließen, den Einschluss einer “Bombenversicherung” an. (vwh/wo)

Bildquelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)

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