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Warum sich die Kreditversicherung unter Preis verkauft

01.08.2017 – 2017-07-31 13_05_52-vw08_u1-u4.pdf - Adobe ReaderHinter den weltpolitischen Kulissen brodelt es gewaltig – und die Kreditversicherer sind als Risikoträger mittendrin. Sie sind es, die in Zeiten politischer Spannungen internationale Handelsströme zusammenhalten. Was dem Wettbewerb aktuell zusetzt und mit welchen Lösungen die Marktplayer neue Reichweiten suchen, erfahren Sie in der neuen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Die wirtschaftspolitischen Signale, die der Klub der Mächtigen Anfang Juli in die Welt aussendete, lassen Zweifel aufkommen. Das mühsam in langen Nachtsitzungen verhandelte und gespannt erwartete Abschlusskommuniqué? Weich formuliert. Große Erkenntnisse? Sie blieben aus. Die ohnehin schon schwierigen Beziehungen der Weltpolitik, von EU-Russland über USA-China bis Deutschland-Türkei, sollten nicht einer neuen Zerreißprobe ausgesetzt werden. Im Geiste der bisherigen G20-Gipfel verabschiedeten sich die Teilnehmerstaaten, die knapp drei Viertel der gesamten Weltwirtschaft ausmachen, mit einem entsprechenden protokollarischen Konsens aus Hamburg.

Tagespolitisch läuft es weniger harmonisch. Isolation und Protektionismus stehen im Schatten des globalen Handels. Ein Beispiel: Alleine zwischen 2014 und 2016 sind über 1.800 Handelsbarrieren eingeführt worden, mehr als 700 pro Jahr oder fast 60 pro Monat. Die Spitze stellt Russland mit 202 protektionistischen Maßnahmen vor Indien, den USA, Brasilien und Indonesien. “Von der Erhebung von Zöllen oder Antidumping-Strafzöllen bis zur Einführung unterschiedlicher Normen und Richtlinien für bestimmte Waren ist alles dabei”, kritisiert Ron van het Hof, Chief Executive Officer von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit der Absicherung unternehmerischer Wechselbeziehungen zeichnen die Versicherer aber lukratives Geschäft. Alleine Coface deckt weltweit Risiken in Höhe von rund 500 Mrd. Euro ab. Dass Handel ohne Versicherung möglich, aber sehr riskant sei, glaubt Thomas Götting, Regional Commercial Director Nordeuropa bei Coface. “Lieferantenkredite etwa sind die Achilles-Ferse der Globalisierung, schließlich zahlen die neuen Besitzer der gehandelten Waren meist auf Rechnung, typischerweise innerhalb von 30 bis 180 Tagen.”

Zahlt der Empfänger nicht oder tritt er in die Insolvenz, reguliert der Kreditversicherer. Ein solcher Protracted Default wird innerhalb des OECD-Raums gedeckt – beim Standardprodukt Warenkreditversicherung typischerweise in der kurzen Frist, sprich bei Zahlungszielen von bis zu einem halben Jahr. Längerfristige Geschäfte, beispielsweise im Turbinenbau, decken Industriekreditversicherungen mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren. Auf diese Weise sollen Risiken auch für mittelständische Unternehmen beherrschbar werden.

Gleichwohl gilt der Markt als anspruchsvoll und hochkompetitiv. Vor allem in entwickelten Ländern sind die Margen klein. “Die Kreditversicherung verkauft sich derzeit unter Preis”, klagt Götting. Ein Produkt in diesem Markt zu kalkulieren, sei erheblich mit Kosten verbunden. “In jeder Kreditversicherung steckt automatisch eine detaillierte Information zu Abnehmern, Branchen und Ländern.”

Wachstumspotenzial dagegen besteht vor allem in Schwellenmärkten wie Asien und Lateinamerika. Dort wächst der Bedarf an Absicherung, weil sich die Kurve für das Risikobewusstsein der Unternehmen fortwährend nach oben bewegt. Gerade im produzierenden Gewerbe sehen die Versicherer in den Emerging Markets reichlich unausgeschöpftes Geschäftspotenzial.

Die technische Bewertung selbst gilt als komplex. Akteure müssen nicht nur die nationale Wirtschaftspolitik des Ziellandes im Blick behalten und einpreisen, sondern auch deren Effekt auf Währung und Zins sowie die Investitionsfreudigkeit ausländischer Geldgeber. Faktoren, die in die Bonitätsprüfung ­eines Versicherungsnehmers einfließen, sind typischerweise die Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre des Unternehmens sowie Zahlen zur wirtschaftlichen Lage des Landes, in das geliefert werden soll – von Bruttoinlandsprodukt und Arbeitslosenquote über Insolvenzquoten und Zahlungsziele bis zu politischen Risiken. (mst/de)

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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