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Warum eine Bank den Versicherer Generali kaufen will

27.01.2017 – piazza_sancarlo_torino_foto_intesaEs soll in der Familie bleiben. Italiens zweitgrößte Bank Intesa Sanpaolo bestätigt ihr Interesse an Generali. Das soll verhindern, dass Generali an ausländische Käufer wie Axa oder Allianz geht. Für Intesa ist das Assekuranz-Geschäft kein Neuland. Im Leben-Geschäft sind sie auf Augenhöhe mit Generali. Diese wiederum ist beim Private Banking aktiv. Synergien gebe es reichlich. Weil Generalis Finanzvorstand die Pläne gutheißt, muss er gehen.

Anfang der Woche kamen Gerüchte auf, dass Intesa und Allianz gemeinsam den Versicherer aus Triest übernehmen wollen, wie VWheute berichtete. Dann kam die Spekulation auf, Intesa wolle nach einer erfolgreichen Übernahme Generali bestimmte Geschäftsfelder ins Ausland verkaufen, die für die Allianz interessant seien. Allein Generalis Deutschland-Geschäft soll mehr als sechs Mrd. Euro wert sein. In einer Anhörung vor dem staatlichen Branchen-Aufsichtsgremium “Consob” legten die Turiner nun die Karten auf den Tisch. Der Geschäftsplan der Bank sieht eine deutliche Leistungssteigerung im Bereich Vermögensanlage, Private Banking und auf dem Versicherungssektor vor, letzteres insbesondere durch eine geplante Fusion mit der Generali-Gruppe.

Übernahmegerüchte ranken sich seit Monaten um Generali – zumal seit die italienische Investmentbank Mediobanca angekündigt hatte, ihren 13-Prozent-Anteil zu reduzieren. Doch dieses Mal ist die Sache so ernst, dass Generali am Montag über eine Aktienleihe mit 3,01 Prozent bei Intesa Sanpalo eingestiegen ist. Damit erhöhen sich für Intesa die Hürden für eine Übernahme, denn nach italienischen Übernahmeregeln müsste Intesa ein Übernahmeangebot für mindestens 60 Prozent an Generali abgeben. Intesa überlege, den Aktionären von Generali eigene Aktien anzubieten, berichten Medien.

Ob Intesa oder Allianz, Kartellwächter stemmen sich gegen Marktkonzentration

Der Übernahmeversuch von Intesa hat innerhalb der Führungsspitze des Triester Löwen zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. In einer Sitzung des Verwaltungsrats erklärte der bisherige CFO und Generaldirektor der Gruppe, Alberto Minali, seinen Rücktritt. Er gilt, so heißt es unter Beobachtern, als Befürworter der Fusion, mit der sich Generali vor feindlichen Übernahmeversuchen aus dem Ausland absichern könnte. Konzernchef Philippe Donnet wird hingegen nachgesagt, dass er eher seinen Ex-Arbeitgeber, die Axa, sich als Käufer wünscht. Doch Axa-Chef Thomas Buberl weißt das zurück: Wenn jemand den Konsolidator in der Branche spielen will, dann könne er das tun. “Unsere Strategie ist das nicht”, sagte Buberl auf dem SZ-Versicherungstag. Nach Ansicht der Analysten von Bernstein dagegen könnte bei Generali Deutschland gerade die Axa zuschlagen. Die Franzosen seien aber wohl nur am gut laufenden Schaden- und Unfall-Geschäft interessiert. “Das strukturell schwierige Leben-Geschäft wäre schwer loszuschlagen, die einzige Option bliebe womöglich der Verkauf an einen professionellen Abwickler”, heißt es in der Studie.

Die Versicherungsbranche ist in Italien traditionell eng mit den Banken verbunden. Der Vertriebsweg Bancassurance ist schon lange als Erfolgsmodell etabliert. In Zeiten von Niedrigzinsen entwickeln sich Vermittlungsprovisionen zur alternativen Einnahmequelle der Banken. Das Turiner Geldhaus ist besonders an der Banca Generali und an der Vermögensverwaltung des Versicherers interessiert. Bei Lebensversicherungen ist Intesa direkter Konkurrent der Generali, sodass es womöglich Kartellprobleme bei einer möglichen Fusion geben könnte. Ungleich größer wären die wettbewerbsrechtlichen Probleme allerdings bei einer großen Fusion der Triester mit Axa oder Allianz. Die Kartellwächter in Brüssel und Rom würden eine derartige Marktkonzentration mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit untersagen. Generali und Allianz sind Nummer zwei und drei außerhalb des Segments Lebensversicherungen in Italien.

Rosinen picken vom politischen Kronjuwel

Dennoch könnte sich ausgerechnet der europäische Marktführer Allianz als lachender Dritter erweisen, wenn er bei einer unter strengen Auflagen erfolgenden Fusion von Generali und Intesa den einen oder anderen Bestand der Triester in europäischen Ländern übernehmen könnte. Die Allianz könne sich “einige Rosinen herauspicken”, kommentieren manche Börsianer die Lage kommentiert, so etwa in Italien oder Frankreich, den beiden wichtigsten EU-Märkten der Münchner. Experten gehen davon aus, dass es der Allianz gelingen könnte, eine Mrd. Euro von Generalis jährlichen Kosten von 5,5 Mrd. Euro zu streichen. “Auf den ersten Blick erscheinen Umsatz- und Kostensynergien im Vertrieb reizvoll, allerdings müsste Intesa den Generali-Aktionären bei einem möglichen Aktientausch eine deutliche Prämie in Form eines überproportional großen Anteils bieten, die durch etwaige Synergieeffekte nicht gerechtfertigt sein könnte”, kommentiert Aktienanalyst Markus Rießelmann von Independent Research.

Der Generali-Konzern, der an der Börse mit 22 Mrd. Euro bewertet ist, ist ein wesentlicher Stützpfeiler des italienischen Finanzsektors. Der Versicherer ist am Bankenrettungsfonds beteiligt, in zahlreichen Infrastrukturprojekten involviert, und hält mehr als 70 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen in seinem Portefeuille. Darunter leidet Generali besonders, weil das Landesrating immer schlechter wird. So bewertet Fitch Italien mit “BBB+”. Moody gibt mit “Baa2″ eine Note schlechter. Bei Standard & Poor’s liegt Italien mit “BBB−” nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschbereich.

Die Consob setzt derweil die Anhörungen der Beteiligten mit der Befragung von Mediobanca und Unicredit fort. Bereits in den nächsten Tagen, so wird spekuliert, könnte es zu einer offiziellen Kaufofferte von Intesa Sanpaolo an die Aktionäre von Generali kommen. (vwh/dg/mf)

Bild: Ehemaliger Sitz der Intesa an der Piazza San Carlo in Turin (Quelle: Intesa)

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