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Vorstandswechsel bei Zurich hinterlässt offene Fragen

15.01.2018 – carsten_schildknecht_zurichCarsten Schildknecht ersetzt Marcus Nagel als Chef der Zurich Deutschland. Diese Nachricht überraschte am Freitag die Versicherungsbranche. Der Wechsel kann nicht allzu kurzfristig entschieden worden sein, denn der Nachfolger, ein Vertrauter von Group-CEO Mario Greco, wurde erstaunlich schnell präsentiert – und der Scheidende sehr knapp verabschiedet. Es bleiben Fragen.

Sechs Jahre lang war Nagel bei der Zurich Deutschland tätig, zunächst als Vorstand Leben und seit zwei Jahren als CEO. Beim Kamingespräch der Zurich vor knapp einem Monat war von einem Wechsel nichts zu spüren, routiniert und entspannt führte er das Wort und äußerte sich ausführlich zu den Plänen der Zurich im Jahr 2018, von Amtsmüdigkeit keine Spur. Die Transformation zum stark digitalen Versicherer wird er jetzt nur noch als Zuschauer verfolgen und sich den berühmten und obligatorischen “neuen beruflichen Herausforderungen” widmen.

Die Schnelligkeit der Entscheidung überrascht. Zwischen dem Kamingespräch und dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Schildknecht-Personalie lag ziemlich genau ein Monat, abzüglich der Weihnachtsfeiertage und Neujahr. Da Schildknecht bereits zum 1. Februar übernimmt, müssen vorab Verhandlungen geführt worden sein. Schließlich muss der neue Mann sich einen Überblick verschaffen, seine Tätigkeit vorbereiten, die bestehenden beruflichen Bindungen lösen und den eigenen Vertrag aushandeln.

Pikantes Detail, beim Kamingespräch wurde Nagel auf die Abgänge der Vorstände Gerhard Frieg, Jörg Bolay und Alexander Libor angesprochen und kam ein wenig ins Schwimmen. Er sprach davon, die Bedeutung solcher Wechsel nicht überzubewerten, schließlich seien die Vorstände “im Durchschnitt drei Jahre” im Unternehmen gewesen. Es spricht im Nachhinein viel dafür, dass Nagel zu diesem Zeitpunkt das Kapitel Zurich für sich bereits beendet hatte.

Im Gespräch mit VWheute sagte Bernd O. Engelien, Leiter Unternehmenskommunikation Deutschland, dass er nicht von einer “kurzfristigen Entscheidung ausgehe”, er aber nicht wisse, wann die Entscheidung gefallen sei.

Ob der Entschluss wirklich nur von ihm selbst ausging, ist nicht sicher, aber Spekulation. Vielleicht war die besonnene Art den Umbau der Zurich Deutschland anzugehen, in der Konzernzentrale, sprich bei Mario Greco, nicht unumstritten und es gab einen gewissen Druck.

Es ist nur ein Indiz, aber die Verabschiedung Nagels in der Pressemeldung sprach nicht der Group-CEO Greco, sondern Gary Shaughnessy, Zurich CEO Europe, Middle East & Africa aus. Sie fiel für einen Mann mit zehnjähriger Unternehmens- und siebenjähriger Vorstandszugehörigkeit ein wenig kurz und förmlich aus: “Ich möchte Marcus Nagel für die positive Veränderung danken, zu der er in Deutschland geführt hat und wünsche ihm alles Gute für seine kommende berufliche Herausforderung.”

Wie dem auch sein, Nagel ist bei der Zurich bereits (fast) Geschichte. Mit dem neuen Mann verbindet Greco eine gemeinsame Vergangenheit. Ihm scheint Greco den Wandel, hin zu mehr Digitalität, zuzutrauen. Es spricht einiges dafür.

Der neue Mann hat eine Greco Vergangenheit

Schildknecht war in den Jahren 2013 bis 2016 Group Chief Operating Officer und Mitglied des Group Management Committee der Generali Insurance Group, sein CEO war damals Mario Greco. Der neue starke Mann für Deutschland ist also ein Vertrauter des obersten Zurichers. Das ist nicht seine einzige Qualifikation: Schildknecht arbeitete zuletzt als Berater und Investor für Start-ups im Banken- und Versicherungssektor, also im Fintechs-Sektor. Dieser Background in Verbindung mit seiner Erfahrung im Bereich Asset und Wealth Management bei der Deutschen Bank scheint ihn für die Fortführung des Umbaus der Zurich zu qualifizieren.

Das technische Know-how Schildknechts betont auch Shaughnessy: “Ich freue mich, dass Zurich weiterhin Top-Talente anzieht. Carsten Schildknecht wird das profitable Wachstum des Geschäfts in Deutschland nach vorne entwickeln und uns unterstützen, unsere Strategie der Innovation und der Vereinfachungen im Interesse unserer Kunden weiter voranzutreiben. Dank seiner umfassenden Expertise im Fintech-Bereich wird dies den intelligenten Einsatz von Technologien einschließen. Seine Erfahrung im Aufbau von Partnerschaften wird es uns dabei ermöglichen, unsere Erfolge in diesem Bereich weiter auszubauen.”

Ob es Schildknecht gelingt, den technischen Umbau trotz des mitunter deutlich zu vernehmende Knurrens der Belegschaft voranzutreiben, könnte über seinen Erfolg entscheiden. Nagel bekannte zuletzt offen, dass die Transformation hin zu mehr Digitalität und Kundenorientierung nicht bei allen im Unternehmen auf Zustimmung stößt. Das ist verständlich, kostete sie doch auch Arbeitsplätze und ganze Standorte.

Herr Schildknecht hat eine interessante und anspruchsvolle Tätigkeit bei einem funktionierenden Versicherer vor sich. Die noch ausstehende Zustimmung der erforderlichen Gremien und Aufsichtsbehörden der Zurich dürfte nur eine Formalität sein.

Ob und wann wir Herr Nagel wieder in Amt und Würden in der Versicherungsbranche sehen, wird sich zeigen. Vermutlich geht es, wie bei seinem Abtritt, schneller als gedacht. (vwh/mv)

Bild: Carsten Schildknecht (Quelle: Zurich)

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