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Vom Azubi zum Vorstand: Wie sich Unternehmenstreue auszahlt

05.07.2018 – buero_pixelioSie sind smart, schnell und agil, kennen ihre Unternehmen vom Keller bis zum Vorstand, sie haben allen Stationen, in denen sie meist nur kurz wirkten, ihren Stempel aufgedrückt und dadurch schon früh auf ihre Qualitäten aufmerksam gemacht. Sie verstehen komplizierte Sachverhalte meist schneller als die Kollegen und haben bei ihrem Marsch durch die Institutionen schon früh ein Netzwerk aufgebaut, welches ihnen im entscheidenden Moment die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen half.

Vom Azubi zum Chef und schließlich auch noch Vorsitzender des Aufsichtsrates, diese Bilderbuchkarriere hat Josef Beutelmann, Jahrgang 1949, bei der Wuppertaler Barmenia Versicherung absolviert. Damit ist er nicht nur zur “Ikone der Finanzindustrie”, wie er in den Medien genannt wird, aufgestiegen, sondern auch ein Vorbild für die vielen Auszubildenden, die derzeit bei der Barmenia und anderswo ihr Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere in der Versicherungswirtschaft erwerben, avanciert. Mit bereits 15 Jahren trat der 1949 geborene Josef Beutelmann als Auszubildender in die sich nach dem Krieg neu aufgestellte Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG ein.

Ab 1970 unterbrach das aufstrebende Talent sein Engagement in Wuppertal für ein Studium des Versicherungswesens an der FH Köln, welches Beutelmann mit dem Diplom der Betriebswirtschaft 1973 abschloss. Nach weiteren drei Jahren an der Universität zu Köln kehrte der nunmehr 27-Jährige wieder zurück zur Barmenia, wo er nur ein Jahr später zum Assistenten des Geschäftsführers der Barmenia Versicherungs-Vermittlungs-Gesellschaft aufstieg.

Sukzessive und gradlinig verlief die Karriere weiter, bis Beutelmann 1989 erst zum stellvertretenden Vorstandsmitglied und zwei Jahre später zum ordentlichen Mitglied der Barmenia Vorstände berufen wurde. Es folgten, beinahe zwangsläufig, die Position des Vorstandsvorsitzenden und des Generaldirektors, welche Beutelmann bis ins Jahr 2013 hinein behielt, als der inzwischen 64-Jährige von Nachfolger Andreas Eurich abgelöst wurde. Damit endete diese einzigartige Karriere allerdings noch lange nicht. Beutelmanns Expertise war und ist bis zum heutigen Tage als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Barmenia gefragt.

Zur Handlungsmaxime ist der Führungsstil Beutelmanns in den Leitlinien der Barmenia geronnen, wenn es dort heißt: “Wir begegnen unseren Kunden freundlich, aufgeschlossen und verständnisvoll. Wir stellen ihre Wünsche und Probleme in den Mittelpunkt unserer Beratung und Betreuung. Zudem wollen wir selbstbewusste, motivierte und leistungsorientierte Mitarbeiter für die Barmenia sein”. Wie aus solch “weichen Faktoren” Hard Facts werden zeigen auch die Bilanzen der Barmenia aus den vergangenen Jahrzehnten: Betrugen die Beitragseinnahmen der Gruppe 1991 noch rund eine Milliarde D-Mark wurde im Jahr 2016 erstmals die zwei Milliarden-Euro-Marke übersprungen. So kann sie aussehen, die Erfolgsgeschichte vom Azubi zum Chef, wenn dabei die Bodenhaftung erhalten bleibt und Kontinuität und Vertrauen keine Worthülsen bleiben, sondern vom Chef dauerhaft mit Leben erfüllt werden.

Auch wenn manche Lebensläufe in der heutigen wechselvollen Zeit vielleicht nicht mehr ganz so leicht nachzuahmen sind, fällt bei einem Blick auf die Vorstandskollegen quer über alle Marktteilnehmer der Versicherungswirtschaft auf: Nach Banklehre, Wirtschafts-, Finanz- oder Jurastudium traten sie früh in die von ihnen favorisierten Unternehmen ein und drückten den Abteilungen ihren Stempel auf, sorgten für mehr Effizienz, brachten neue Ideen und Konzepte ein und empfahlen sich damit schon früh für wichtige Führungsaufgaben, wie die Beispiele Ulrich Wallin (Hannover Rück), Wolfgang Weiler (Huk-Coburg, heute GDV-Präsident), Markus Faulhaber (Allianz Deutschland AG) oder Helmut Perlet (Allianz SE) zeigen.

Stimmung und Strukturen in Genen verankert

Überzogenen Erwartungen an einen neuen Mann an der Spitze und befürchteten Aktionismus zum Start eines neue Regiments begegnen deshalb erfahrene Manager mit Kontinuität und vorsichtigen Kurskorrekturen. Nur selten werden gemäß dem Credo “Neue Besen kehren gut” die größten Grausamkeiten gleich zu Beginn exekutiert. Dass auch ein gewisses Gespür für die Stimmung und Strukturen eines Versicherers von Vorteil sein kann, zeigte sich auch bei Joachiam Wenning, als seine Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden der Münchener Rück bekannt wurde: “Mir wird immer wieder ein gesunder Menschenverstand attestiert, eine gute Intuition für Chancen und Risiken in unserem Geschäft und eine gute Urteils- und Entscheidungsfähigkeit. Meine Mitarbeiter sagen mir, dass sie die gewährten Freiheitsgrade schätzen, sie fühlen sich dadurch gleichermaßen gefordert und gefördert. Meine Erfahrung ist, dass Mitarbeiter denen man vertraut, umso verantwortungsvoller handeln.”

Der 1965 in Jerusalem geborene Wenning schloss sich direkt nach dem Studium der Volkswirtschaft mit abschließendem Diplom 1991 der Münchener Rück AG an. Hat seitdem die Gene des Unternehmens in seiner langen Firmenzugehörigkeit internalisiert wie kaum ein anderer im Hause und darf damit nicht nur ein Eigengewächs der Munich Re genannt werden, sondern ist in dieser Funktion Vorbild für jedes Talent, welches sich in der als unbeweglich geltenden Branche der Versicherer auf den langen Marsch durch die Institutionen begeben möchte.

Gemeinsam ist all diesen Vorbildern, dass sie sich meist nach einer Lehre in der Finanzwirtschaft, über das Studium hartnäckig und konsequent schon früh ihrem Unternehmen verschrieben haben, dies vom Maschinenraum bis zur Kommandobrücke in der Praxis erfahren und dabei die Sorgen und Nöte der durchlaufenden Abteilungen und Hierarchien nicht vergessen haben. Dies schafft ein Verständnis für die Company, wie sie sich ein Außenstehender selbst nach Jahren kaum wird aneignen können. Vom Azubi zum Chef ist jedenfalls nicht die schlechteste Variante Verantwortung in der Unternehmensführung zu verankern, der Erfolg kommt dann meistens ganz von selbst. (ak)

Denn vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Juli-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)

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