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Versicherungschefs mit reinem Fixgehalt sind ein Risiko

10.07.2017 – SchneppVon Winfried Schnepp. Immer wieder rückt die Vergütung der Vorstandschefs in den Fokus öffentlicher Debatten. Bei der Hauptversammlung der Munich Re im April 2017 etwa stimmten fast zwei Drittel der Aktionäre gegen den zur Abstimmung gestellten Vergütungsbericht und verweigerten damit die Billigung des seit Anfang 2013 geltenden Systems zur Vergütung der Vorstandsmitglieder. Kritische Töne jedoch sind nur bedingt berechtigt.

Generell gilt: Das Vergütungssystem muss angemessen, transparent und auf eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens ausgerichtet sein. Zu beachten ist dabei das Proportionalitätsprinzip. Die allen Mitarbeitern gemeinsam gewährten Vergütungen dürfen eine angemessene Kapitalausstattung des Versicherungsunternehmens nicht gefährden.

Für Vorstandsmitglieder sind, neben den festgelegten Vergütungsleitlinien und -praktiken, spezifische Vergütungsvereinbarungen zu treffen. Eine Aufteilung in einen festen und einen variablen Vergütungsbestandteil ist nicht zwingend. Eine reine Fixvereinbarung ist nur zulässig, soweit damit keine Fehlanreize im Hinblick auf eine unangemessene Steigerung der Risikoneigung und die Eingehung unverhältnismäßiger Risiken verbunden sind.

In der Praxis ähneln sich die Vergütungsmodelle der Solvency-II-Unternehmen. In der Regel setzt sich die Vergütung des Vorstands aus einem festen Grundbetrag und einem variablen Teil zusammen. Der variable Anteil beläuft sich bei vielen Versicherern auf 60 oder 70 Prozent. Eine reine Fixvereinbarung besteht in den wenigsten Versicherungsunternehmen.

Die Höhe des variablen Anteils hängt von der individuellen Leistung des Vorstandsmitglieds und dem Gesamterfolg des Unternehmens ab. Gegebenenfalls wird auch der Erfolgsbeitrag eines Geschäftsbereiches berücksichtigt.

Die mittel- beziehungsweise langfristige Vorstandsvergütung erfolgt in der Regel über unternehmenskapitalbasierte Elemente. Teilweise werden reale oder virtuelle Aktien mit einer Sperrfrist vergeben. Schließlich verwenden manche Versicherer ein Bonus-Modell, bei welchem die Höhe der tatsächlichen Auszahlung von der Unternehmensentwicklung abhängig ist.

Die geschilderten Vergütungsmodelle sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Der variable Vergütungsanteil ist bei Beachtung der rechtlichen Grenzen ein Leistungsanreiz für die Begünstigten, ohne dass damit das Wohl des Versicherers gefährdet wird. Diese Boni-Modelle für Versicherungsvorstände orientieren sich an langfristigen Zielen und schaffen gerade keine Anreize für „unverhältnismäßige Risiken“.

Die gestreckte, an der Unternehmensentwicklung orientierte Auszahlung sowie die Kapitalbeteiligung führen zu einer Partizipation des Vorstands an der unternehmerischen Wertschöpfung. Gleichzeitig sollten Vergütungen ohne oder mit nur sehr geringen variablen Bestandteilen – aufgrund der Gefahr von Fehlanreizen – nur die Ausnahme bleiben.

Bild: Winfried Schnepp, Fachanwalt für Versicherungsrecht und Partner der Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle (Quelle: CMS)

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