Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 


- Anzeige -

Versicherungsbetrug: RTL-Serie zeigt Wirkung

28.03.2017 – harald_neugebauer_gothaerVersicherungsbetrüger setzen im Zeitalter der Digitalisierung auf neue Methoden, weiß Harald Neugebauer. Der Leiter Schaden der Gothaer referiert heute auf der Messe “Schadenmanagement und Assistance” in Leipzig. In seinem Exklusivbeitrag für VWheute erklärt er, wie Versicherer bei der Betrugsbekämpfung auf maschinelle Betrugserkennung setzen – und auf gezielte Öffentlichkeitsarbeit.

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Ausprägungen des Versicherungsbetrugs identifizieren, die unterschiedlich oft auftreten. In 64 Prozent der Fälle handelt es sich um einen Schaden, der eigentlich nicht versichert gewesen wäre. Dieser wird aber dann aber so dargestellt wird, dass er von den AVB abgedeckt wird. Einer der Klassiker ist bei diesen manipulierten Schäden die Brille, die dem Träger herunterfällt und dann beschädigt ist – eigentlich kein versicherter Schaden.

Damit der Schaden aber doch beglichen wird, hat sich dann angeblich der hilfsbereite Nachbar oder Schwager versehentlich drauf gesetzt und lässt den Schaden über seine private Haftpflichtversicherung begleichen. Ähnlich ist das Vorgehen bei beschädigten Smartphones oder Kratzern am Auto.

In einem weiteren Drittel der Fälle wird die Höhe des Schadens höher beziffert, als sie es tatsächlich ist. Hier nutzen Betrüger auch gern Photoshop und Co., um auf Rechnungen den Kaufpreis zu manipulieren. In weiteren vier Prozent der Fälle werden Schadenfälle komplett erfunden.

Die Digitalisierung wirkt sich aber auch noch auf andere Art und Weise aus. Das Internet ist voll mit Tipps und Tricks zum Thema Versicherungsbetrug. Zudem sinkt die Hemmschwelle, wenn Verträge online abgeschlossen werden und die persönliche Bindung zum Versicherungsunternehmen fehlt, die etwa ein Berater im persönlichen Umfeld des Versicherten schafft.

Versicherer regieren mit maschineller Betrugserkennung

Wie reagieren die Versicherungsunternehmen auf diese Trends? Hier helfen maschinelle Betrugserkennungssysteme – vom einfachen Regelwerk bis hin zu intelligenten, selbstlernenden Systemen mit prädiktiven Inhalten. Bei diesem Vorgehen wird auf der Basis großer Datenmengen nach bestimmten Schemata gesucht, die durchaus komplexe innere Zusammenhänge aufweisen. Ein typisches, noch recht einfaches Muster, das auf einen Betrug hinweist, ist beispielsweise die Meldung eines Schadens kurz nach Vertragsabschluss und die Kündigung des Vertrages, sobald der Schaden dann reguliert wurde.

Ein weiterer Ansatzpunkt für die Betrugsabwehr ist die gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Darüber kann eine gewisse Abschreckung erreicht werden, da die Betrüger vielfach nicht davon ausgehen, dass tatsächlich alle Fälle geprüft werden. Kleine Anekdote am Rande: Nach dem Start der RTL-Serie “Die Versicherungsdetektive”, an der auch Timo Heitmann, einer der Schadenregulierer der Gothaer mitwirkt, zogen eine ganze Reihe von Kunden ihre Schadenmeldung zurück, in einem Fall wurde sogar der bereits erstattete Betrag wieder zurückgebracht.

Sehr wichtig ist bei der Betrugsabwehr auch die Außenregulierung. Der erfahrene Schadenregulierer erkennt vielfach im Gespräch vor Ort, dass Aussagen nicht glaubwürdig und konsistent sind. Weitere Aufschlüsse geben eine Analyse der Beziehung der Betroffenen zueinander und ein Blick auf die jeweilige Lebenssituation (siehe POLITICS & REGULIERUNG).

Link: “Unrechtsbewusstsein aus den Fugen geraten” (Tagesreport vom 13.09.2016)

Bild: Harald Neugebauer spricht heute auf der Messe “Schadenmanagement und Assistance” in Leipzig zum Thema “Versicherungsbetrug – quo vadis?” (Quelle: Gothaer)

__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Deutsche Lebensversicherung bricht Rekorde
Mit 88,9 Mrd. Euro haben die deutschen Lebensversicherer im Jahr 2016 so viel ausgezahlt wie nie zuvor. Das veröffentlicht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in seinen Branchenzahlen. Den hohen Anstieg begründet der GDV vor allem mit einem Sondereffekt. Die Beitragseinnahmen jedoch sinken erneut. 7,1 Prozent höhere Leistungen als zuvor hatten die deutschen Versicherer im Jahr 2016 zu zahlen.

Mega-Kapitalerhöhung bei Zurich?
Laut einem Pressebericht plant die Zurich die Ausgabe neuer Aktien, die bis zu 20 Prozent der derzeitigen Kapitalisierung entsprechen. Möglich sei dadurch eine Kapitalerhöhung von bis zu 13 Mrd. Euro, berichtet die italienische Zeitung Il Sole 24 Ore unter Berufung auf informierte Personen. Ein Sprecher dementierte die Pläne und betonte, dass man keine Zukäufe und Zusammenschlüsse benötige, um die finanziellen Ziele zu erreichen.

“Zielrente bringt Transparenz in die bAV”
“Die Steuerung der Zielrente durch die Tarifpartner ist”, betont Lars Golatka, Leiter Geschäftsbereich betriebliche Altersvorsorge der Zurich, mit Blick auf das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG). Für nicht-tarifgebundene Unternehmen, die ihre betriebliche Vorsorge ausbauen wollen, gebe es im aktuellen Gesetz jedoch noch keine Lösung, ergänzt der Experte im Exklusivinterview mit VWheute.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten