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Versicherung zum halben Preis? Online-Auktionsplattform greift Vertriebe an

12.07.2017 – Johannes Matthias_crowdheroesVersicherungen in einer Online-Auktion zur Hälfte des Preises erwerben, das ist die Idee der vor kurzem gestarteten Online-Auktionsplattform Crowdheroes. Die Versicherungen werden mit Mengenrabatt eingekauft und dann in sozialen Netzwerken per Auktion vertrieben. VWheute hat mit Geschäftsführer Johannes Matthias gesprochen und gemerkt, die Crowdheroes wollen nicht nur den Vertrieb verändern.

VWheute: Erklären sie unseren Lesern bitte einmal ihr Geschäftsmodell in wenigen Worten.

Johannes Matthias: Oft im Leben, zahlen wir weit mehr, als wir bekommen, wie bei einer Chips-Tüte. Nur 70 Prozent Inhalt und 30 Prozent heiße Luft. Bei Versicherungen ist das noch dramatischer. Laut einer BCG-Studie werden nur 15 Prozent der Kosten der Versicherung für “Claim Handling” genutzt, der Rest wird “investiert” für dicke Provisionen, schicke Hochhäuser. Marketing etc. Das können wir anders und einfacher: Bei uns bestimmt die Menge den Preis.

VWheute: Ok, verstanden, es wird zu viel für Nebenkosten verschwendet. Und ihr Geschäftsmodell?

Johannes Matthias: Im ersten Schritt vereinbaren wir Preis-Mengen-Tarife mit Versicherungen. Im zweiten Schritt veröffentlichen wir diese Angebote in sozialen Netzwerken. Das Beste dabei ist, dass unsere Kunden Ihren Wunschpreis selber bestimmen können. Klar ist das ein Kampf zwischen David und Goliath, aber bei uns kann jeder Einzelne zu einem Heroe werden und zusammen als Crowd haben wir eine gebündelte Verhandlungsmacht, daher Crowdheroes. Das soll auch unser Claim versprechen: “allforone”. Somit kann jeder Teil einer kleinen wirtschaftlichen Revolution bei uns werden.

VWheute: Sie sprechen von “allforone”. Warum ist es so wichtig, dass sich viele Personen an der Auktion beteiligen und was hat es mit dem Wunschpreis auf sich?

Johannes Matthias: Wir nutzen die einfachste Regel in der Wirtschaft. Grundsätzlich sinken die Preise mit steigender Nachfrage – Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn Sie unsere Idee weiterdenken, stellen Sie schnell fest, dass wir eines Tages im Idealfall keinen Erstversicherer mehr brauchen, sondern mit einer hohen Nachfrage gleich direkt mit dem Rückversicherer verhandeln.Die durchschnittlichen Customer Acquisition Costs sinken mit steigender Menge und damit auch der Preis für den Kunden bei unserer Auktion.

VWheute: Das leuchtet ein. Und der Wunschpreis?

Johannes Matthias: Konkret bedeutet Wunschpreis, schließen 50 Personen bei einer Auktion ab, sinkt der Preis um zehn Prozent, bei 250 Käufen sogar um 30 Prozent und so weiter. Jeder bietet dabei mit seiner maximalen Zahlungsbereitschaft, also Wunschpreis, und nimmt so ganz ohne Risiko an der Auktion teil. Unsere Kunden können Ihr Geld daher mehr für die kleinen oder großen Träume im Leben nutzen.

VWheute: Sie vereinbaren also vor den Auktionen mit den Versicherern eine Art Mengenrabatt bei den Produkten. Stehen die Versicherer dem offen gegenüber und mit wem arbeiten sie zusammen?

Johannes Matthias: Wir arbeiten unabhängig mit verschiedenen Versicherungsgesellschaften in Deutschland zusammen. Natürlich werfen viele Versicherungsgesellschaften einen kritischen Blick auf uns, da wir früher oder später Ihren Vertriebsapparat angreifen. Somit machen wir uns in den Kreisen sicherlich nicht nur Freunde. Gleichzeitig ist das in meinen Augen eine unaufhaltsame Entwicklung und dient am Ende des Tages dem Kunden.

VWheute: Haftpflicht ist nicht gleich Haftpflicht – Preis, Leistung, Laufzeit –, wer berät den Kunden, was er benötigt und wer sucht die Produkte heraus? Kann ein Kunde später den Vertrag verändern, indem er Zusatzleistungen ein- oder ausschließt?

Johannes Matthias: Wir versuchen nicht nur preislich den ersten Platz für unsere Kunden zu sichern, sondern haben stets das beste Deckungskonzept im Blick. Im Vergleich achten wir also darauf, qualitätsmäßig immer eine Platzierung unter den Top 10 zu sichern und das beim besten Preis. Dabei legen wir außerdem Wert auf höchste Flexibilität, wie zum Beispiel mit unserer aktuell gestarteten KFZ-Versicherung, monatlich kündbar, in 90 Sekunden digital abschließbar, Top-Qualität und wir wetten dabei gerne um den besten Preis.

VWheute: Woher bezieht Crowdheroes seine “intensive Kenntnis des deutschen Versicherungsmarktes”?

Johannes Matthias: Wir bauen auf ein starkes Team. Einer unser Geschäftsführer, Gerd Schulte, war selbst Vorstandsmitglied einer der größten Versicherungen in Deutschland, der Gothaer, und kennt die Produktkalkulationen als auch die Entscheider dahinter.

VWheute: Wie erzielen sie ihren Gewinn?

Johannes Matthias: Wie bei jedem jungen Fintech steht der Gewinn im 1. Schritt nicht unmittelbar an erster Stelle. Aber mit Blick auf eine Gewinngleichung sichern wir unseren durch die Menge und einen sehr geringen Kostenapparat.

VWheute: Wie lange wird die Etablierung ihres Geschäftsmodells brauchen und was erwarten sie für die Zukunft?

Johannes Matthias: Die Versicherungsbranche steht wie die Bankenbranche vor einer digitalen Revolution, ob Sie will oder nicht. Unsere Vision ist weit mehr als nur den Vertrieb zu digitalisieren, wir beabsichtigen schrittweise die Prozesse eines Erstversicherers zu digitalisieren. Blockchain ist da nur eines von vielen Themen bei diesem langen Weg.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Johannes Matthias (Quelled: Crowdheroes)

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